Welche Vorräte nähren mein Leben?
Eichhörnchen sammeln Vorräte für den Winter. Auch wir tragen vieles mit uns: Erinnerungen, Sorgen, Erwartungen. Ein Impuls zum Übergang in den Herbst.
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Seit einigen Wochen beobachte ich vor meinem Büro im Erdgeschoss ein emsiges Treiben. Die Fenster gehen bis zum Boden. Davor huschen Eichhörnchen vorbei, verschwinden im Gebüsch und tauchen kurz darauf mit einer Nuss oder einem anderen Fundstück wieder auf. Unübersehbar bereiten sie sich auf den Winter vor: Sie sammeln Vorräte, legen Verstecke an und sorgen vor. Wenn die Tage kürzer werden und die Natur zur Ruhe kommt, wollen sie nicht mit leeren „Pfoten“ dastehen. Ich schaue ihnen gerne zu. Und manchmal frage ich mich dabei: Was sammle eigentlich ich für die kommenden Monate? Welche Vorräte nehme ich mit in den Herbst und Winter meines Lebens? Was bleibt von diesem Sommer?
Sammeln und Vorsorgen
Eichhörnchen sammeln, was sie zum Überleben brauchen. Wir Menschen sammeln oft anderes: Termine, Verpflichtungen, Sorgen, Nachrichten, Erwartungen. Besonders hartnäckig halten sich bei uns auch Enttäuschungen und Ärger. Ich staune, was ich selbst und andere immer wieder aus der Vergangenheit hervorkramen. Schon diese kleine Aufzählung zeigt:
Manche Vorräte helfen uns weiter. Andere machen uns schwer. Der September ist für viele eine Zeit des Übergangs. Die Sommerferien sind vorbei, der Alltag kehrt zurück, neue Aufgaben stehen an. In den Pfarreien beginnt ein neues Pastoraljahr. Vielleicht ist gerade jetzt ein guter Moment, innezuhalten und zu fragen: Was möchte ich mitnehmen in die kommenden Monate? Und was darf zurückbleiben? Anfangen kann man ganz einfach bei den Schränken: Welches Hemd, welche Bluse habe ich seit zwei Jahren nicht mehr getragen? Welches Mitbringsel ist längst zum Staubfänger im Regal geworden? Welche Gewürze nehmen seit Jahren unberührt Platz im Küchenschrank weg? Und dann natürlich der Blick in den eigenen Lebensrucksack!
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Franz von Assisi
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Den Blick auf das Wesentliche richten
Jesus sagt in der Bergpredigt: „Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, sondern sammelt euch Schätze im Himmel“(Mt 6,19–20). Er lenkt den Blick auf das Wesentliche. Es geht um eine Entscheidung: Wofür halte ich Zeit und Raum frei? Was bekommt Gewicht in meinem Leben? Welche Schätze wollen wir hineintragen in die dunkleren Tage? Vielleicht Dankbarkeit. Die Erinnerung an Menschen, die uns begleitet haben. Die Fähigkeit zu vergeben. Die Gewissheit, geliebt zu sein. Das Vertrauen, dass Gott auch in schwierigen Zeiten an unserer Seite bleibt. Solche Vorräte werden nicht weniger, wenn wir sie mit anderen teilen. Im Gegenteil: Sie wachsen. Der heilige Franziskus von Assisi hat einmal geschrieben: „Behaltet nichts von euch für euch zurück, damit der, der sich euch ganz hingibt, euch ganz aufnehmen kann.“
Loslassen, was belastet
Auch das gehört zur Vorbereitung auf kommende Zeiten: loszulassen, was unnötig geworden ist – alte Kränkungen, übertriebene Ansprüche, der Drang, immer alles kontrollieren zu müssen. Eichhörnchen sammeln tatsächlich mehr, als sie brauchen. Viele ihrer Verstecke werden sie vergessen, und manches bleibt zurück. Ich merke: Im Sammeln bin ich ziemlich gut. Das Zurücklassen und Loslassen muss ich weiter üben – und die rechte Wahl dessen, was ich mitnehmen möchte in die kommenden Monate.
Vorräte, die das Leben nähren
Wenn ich also aus dem Fenster schaue und den Eichhörnchen bei ihrem geschäftigen Treiben zusehe, nehme ich diese Frage mit in den Tag: Welche Vorräte nähren mein Leben? Und welche Lasten darf ich getrost ablegen?
Bruder Helmut Rakowski, Provinzial der Deutschen Kapuzinerprovinz



