„Movember" - Wann soll Mann zur Vorsorge?
Der Aktionsmonat „Movember“ macht mit Schnurrbärten auf Männergesundheit aufmerksam. Johan Kim, Oberarzt in der Urologie im Münchner Klinikum Bogenhausen, erklärt, wieso Männer trotz Scham zur Vorsorge gehen sollten.
Johan Kim, Oberarzt in der Urologie Bogenhausen. Foto: © SMB/Sarah Rondot
Wenn Johan Kim, Oberarzt der Urologie, auf seinen Schnurrbart angesprochen wird, antwortet er nur zu gerne. Denn der Schnurrbart, auf Englisch „Mo“, ist ein Symbol für den „Movember“, den Monat der Männergesundheit. Im November sammeln Engagierte wie Kim Spenden und machen auf Männergesundheit aufmerksam. Während es für Frauen schon in jungen Jahren dazugehört, regelmäßig zur gynäkologischen Vorsorge zu gehen, ist es für viele Männer ein Thema, das sie lieber ignorieren.
Ab wann soll Mann zur Vorsorge gehen?
Laut aktuellen Leitlinien sollten Männer ab 45 Jahren zur Vorsorge zum Urologen oder zum Hausarzt gehen. Hierbei steht vor allem die Früherkennung von Prostatakrebs im Vordergrund. „Im Gegensatz zu früher müssen wir die Prostata nicht mehr per Fingeruntersuchung prüfen. Es reicht ein kurzer Pieks, denn wir prüfen den PSA-Wert.“ Seit die Untersuchung des PSA-Werts eingeführt wurde, ist die Sterberate bei Prostatakrebs zurückgegangen. Auch den Erfolg der Vorsorgekampagnen und Aktionen wie den „Movember“ könne man erkennen. „Was Hodenkrebs angeht, gibt es zum Beispiel die Kampagne ‚Check dich selbst‘, die auch junge Leute motiviert, sich selbst zu untersuchen“, erklärt Johan Kim.
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„Check dich selbst“
Er ist froh, dass das Bewusstsein zu- und die Scham abgenommen hat. Zwar belegt Hodenkrebs nur Platz 16 der häufigsten Krebsformen bei Männern, allerdings ist es bei jungen Männern im Alter von 20 bis 45 Jahren die häufigste bösartige Tumorerkrankung. „Das heißt, die Zielgruppe ist viel jünger. Das Gute beim Hodenkrebs ist wie beim Brustkrebs, dass man ihn tatsächlich auch selber tasten kann.“ Johan Kim empfiehlt, die Hoden etwa einmal im Monat zu untersuchen: „Am besten nach dem Duschen, wenn die Hoden entspannt sind.“ Wenn man etwas Ungewöhnliches spürt, kann man damit zum Hausarzt oder in die urologische Praxis gehen. Meistens tasten die Männer dann als Erstes den Nebenhoden ab. „Oh, da ist ein Knubbel. Das könnte etwas sein. Man hat Angst und geht dann zum Urologen. Aber lieber Vorsicht als Nachsicht“, rät Kim.
„Typischerweise denkt man ja immer,
es sei der Männerarzt“
Als Urologe ist er hauptsächlich für den Harntrakt und die äußeren Geschlechtsorgane des Mannes zuständig. In der Klinik behandelt er Harnwegsinfektionen, Prostataentzündungen, Nebenhodenentzündungen und Nierensteine. Hinzu kommt das gesamte Spektrum der urologischen Onkologie. Kims Kollegen im ambulanten Bereich kümmern sich beispielsweise um unerfüllten Kinderwunsch und Erektionsstörungen beim Mann. Doch nicht nur Männer kommen zur urologischen Untersuchung. „Typischerweise denkt man ja immer, es ist der Männerarzt. Aber wir behandeln Männer, Frauen, alte und junge Menschen, also querbeet alles.“ Am häufigsten kommen Frauen mit Blasenentzündungen. Im Notfallraum der Urologie sitzen häufig Menschen mit Sexunfällen: „Das Spektrum reicht von sehr harmlosen äußerlichen Verletzungen bis zu ernsthafteren Verletzungen. Ganz typisch ist die Schwellkörperruptur, die umgangssprachlich auch als Penisbruch bezeichnet wird. In solchen Fällen muss notfallmäßig operiert werden.“ Es gibt auch autoerotische Unfälle, typischerweise mit dem Penisring. „Die Dinger sind mit unseren normalen Gipssägen nicht aufzukriegen. Da muss die Feuerwehr mit schwererem Gerät kommen und den Ring unter Betäubung absägen.“ Doch genau wie bei der Vorsorge rät Johan Kim auch bei solchen Unfällen, trotz Scham, einen Urologen aufzusuchen.
Mit deinem Schnurrbart
für die Männergesundheit
Der „Movember“ soll nicht nur auf die physische, sondern auch auf die psychische Männergesundheit aufmerksam machen. „Da geht es um Depressionen und Suizide, die bei Männern häufig unterschätzt werden.“ Denn, obwohl Männer weniger häufig an Depressionen leiden und Suizidversuche unternehmen, sind die letztendlich vollendeten Suizide bei Männern mehr als doppelt so hoch. Die Kampagne soll Männer ermutigen, über ihre Gefühle zu sprechen. Jeder, der selbst auf den „Movember“ aufmerksam machen möchte, ist dazu eingeladen, sich einen Schnurrbart wachsen zu lassen – genau wie Urologe Johan Kim.



