Ein mystisches Bündnis der Liebe
Die meisten Ehepaare feiern ihren Hochzeitstag. Aber was macht eine christliche Ehe eigentlich im Kern aus?
Gemeinsam durchs Leben – in dieser, vielleicht auch in der kommenden Welt. Foto: © imago/ Westend61
Jedes Jahr im Oktober kommen hunderte Ehepaare, die einen besonderen Hochzeitstag feiern, zum Fest der Ehejubilare in den Münchner Liebfrauendom.
Ehejubilare? Man denkt unwillkürlich an die silberne (25) und die goldene Hochzeit (50 Jahre), manch ein Paar feiert vielleicht auch eher exotische Jubiläen wie die Leder- (3), die Blei- (43), die Apfel- (74) oder die Olivenhochzeit (96 Jahre). Mal abgesehen davon, dass die Zahl der anwesenden „Oliven-Paare“ überschaubar sein dürfte, steht beim Fest der Ehejubilare aber natürlich etwas anderes im Mittelpunkt.
Im Anschluss an die Festmesse kann jedes Paar einen Einzelsegen erhalten. Ein schönes Zeichen für die fortdauernde und erneuerbare Gültigkeit des Bundes – nicht unähnlich dem Taufbund, der ja in der Osternacht ebenfalls erneuert wird. Aber was ist die Ehe für ein Bund? Was geschieht, wenn der Mann sich an seine Frau bindet und die zwei werden ein Fleisch (Eph 5,31)?
[inne]halten - das Magazin 21/2026
Gemeinsam durchs Leben
Warum die christliche Ehe nicht irgendeine Institution, sondern ein mystisches Bündnis der Liebe ist
Lesen Sie im [inne]halten-Magazin unseren Themenschwerpunkt und weitere Geschichten und Berichte aus dem kirchlichen Leben.
Die christliche Ehe ist mehr als eine Zweck- und Gütergemeinschaft. Mehr als eine rechtliche Kategorie, mehr als nur eine Tradition. Mehr als ein Rahmen für Sexualität, Fortpflanzung und Kindererziehung. Sie ist auch mehr als romantische Verliebtheit. Sie ist im besten Fall ein geheimnisvolles, mystisches Bündnis der Liebe – der Eheleute untereinander, aber auch vor Gott. Zugleich findet sie mitten im Leben, in den Niederungen des Alltags statt, und ja, sie kann auch scheitern.
Der Kirchenlehrer und Prediger Johannes Chrysostomus gab vor über 1.600 Jahren praktische Ratschläge für die Ehe. Er schrieb, ein Mann solle seine Frau ehren und zärtlich sein und so zu ihr sprechen:
„Deswegen liebe ich dich und stelle dich höher als mein eigenes Leben. (…)
Ich bitte und beschwöre dich und will auch meinerseits alles tun, dass wir gewürdigt werden mögen, das gegenwärtige Leben so zu führen, dass wir auch drüben im zukünftigen Leben mit aller Sicherheit beisammenbleiben können.
Denn diese irdische Lebenszeit ist kurz und vergänglich, wenn wir aber gewürdigt werden, dieses Leben gottgefällig zu beschließen, so werden wir ewig mit Christus und miteinander glückselig sein.“



