Zum Gedenken an Josef Guggenmos (1922–2003) verleiht die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur seit 2016 den Kinderlyrikpreis – bisher immer in Irsee, Guggenmos’ Geburtsort, an dem er auch den Großteil seines Lebens verbrachte. Daher unterstützen die Marktgemeinde Irsee und die Kulturstiftung Irsee die Vergabe des Preises, die Raiffeisenbank Kirchweihtal und die Sparkasse Allgäu statten den Preis mit 3.000 Euro aus. Die Akademie Faber-Castell überreicht einen „perfekten“ Bleistift, der das Schreiben weiterer preiswürdiger Gedichte inspirieren soll.
Die Jury des diesjährigen Guggenmos-Preises hatte wieder aufs Beste zu tun: 23 deutschsprachige Verlage hatten insgesamt 43 neu erschienene Lyrikbände, Bilderbücher und Gedichtsammlungen aus ihren Programmen der Jahre 2024 bis 2026 eingereicht.
- Arne Rautenberg (Jury-Vorsitz, Preisträger 2016, Lyriker)
- Prof. Dr. Dr. Kurt Franz (Ehrenpräsident der Akademie)
- Dr. Susan Kreller (Berlin)
- Dr. Claudia Maria Pecher (Präsidentin der Akademie)
- Dr. Tilman Spreckelsen (Redakteur, FAZ)
In diesen 73 dahinsprühenden Gedichten hat sich ein kinderlyrisches Lebenswerk angesammelt. Zutiefst menschlich, tierlieb, lebensgetränkt. Es gibt viel zu entdecken, etwa das Traumel, das die Träume bunt macht, den Räuber Kitzelkalt oder den Brennnesselengel – und apropos Engel: „Ein Engel hat immer für dich Zeit,/ das ist der Engel der Langsamkeit.“ Wie Tröstlich! Und Trost ist nötig, denn Jutta Richters Verse gehen auch mal dahin, wo es weh tut: gestorbene Hunde, die verschwundenen Schwalben, Kriegserfahrungen, das Tränental des Vermissens. Auch die Wut bleibt nicht aus: „Heute bin ich wild und böse./ Bin ein Wolf im grauen Fell/ bin ein Drache, bin ein Löwe/ und ich beiße und ich bell“. Diese Gedichte sind keine lyrischen Schnellschüsse, sie sind gut durchgearbeitet und legen nicht selten eine vielstrophige Ausdauer an den Tag. Kein Wort ist zu viel. Welch Witz in der Knappheit liegen kann, zeigt dieser charmante Abzählreim: „Die Frau/ die Maus/ die Waschmaschine/ aus.“
Die blauen, strichbasierten Zeichnungen von Julie Völk erzählen eine ganz eigene Geschichte. Sie sind als feines Schienenwerk angelegt, das die Doppelseiten unaufdringlich umspielt. Eine starke Idee! So wird die große (Lebens-)Reise evoziert, auf die wir uns mit Jutta Richters Gedichten begeben. Wir spüren, dass ein großes Herz in diesen Gedichten pocht. Jede Menge Leben steigt vor uns auf, es ist zum Lachen, ist zum Weinen, zum Wundern – allemal ist es zum Spielen … eine Gedichtsammlung, die satt macht!