Innerer Dialog an den Rändern

Aufzeichnungen 2016-2021
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Buchprofile - Rezension
Das Begärtnern der Zwischenräume. Peter Handkes inständiges Sprechen in seinen Notaten vom geglückten Tag.
Parallel zu dem stetig wachsenden epischen Werk von Peter Handke entstehen seit den späten 1970er Jahren Notate, nicht aber als Tagebuch oder als Zeugnis von Zeitgenossenschaft, sondern als Zwiegespräch mit sich selbst. „Innere Dialoge“ so nennt der Rückzugskünstler Handke seinen jüngsten Band mit diesen Eintragungen, die selten über wenige Zeilen hinausgehen. Sie umfassen Lese-Eindrücke, Gedanken über den tagwerdenden Tag und das Alleine-Streifen durch die Natur. Man braucht diese Notizen gar nicht im Fluss zu lesen. Schon beim Stromern und Stöbern fällt auf, dass hier jemand schreibt, der jeder Gesellschaft ausweichen muss, weil er es mit der Menschenlehre der „Eskapologie“ hält. Handke schreibt als einer, der das Straucheln dem Laufen, den Zorn der Wut, die Liebe dem Küssen, die Romantik der Politik vorzieht. Der so Aufschreibende kennt sich aus in der Bibel, vor allem den Evangelien, und er weiß, wie oft in Gottes Namen geteufelt wird. Ein roter Faden durch das Buch sind die Erfindungen eines elften Gebots: dass man bestürzen oder sich zum friedlichen Wilden lesen solle. Auch Corona und die Digitalisierung kommen am Rande vor; einer, der twittert, wird einmal „Horizontzwitscherer“ genannt. Einige Kalauer und schwer verständliche Lesefrüchte abgezogen, bleibt eine gute Ausbeute an poetischen Lebenseinfällen. Dieses Buch ist ein daseinsfrommer und beschreibungstüchtiger Sprachgarten, aus dem die Empfehlung wächst, statt alles anders werden zu lassen doch lieber erst einmal zu versuchen, alles anders zu sehen.
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Artikelbeschreibung

Im vielfältigen Werk Peter Handkes gehören die Journale gewiss zu den Büchern, in denen uns Leserinnen und Lesern der Dichter am nächsten kommt, auch in seinem 'Ideal', in der 'Souveränität eines, der von niemandem etwas will, von niemandem etwas fordert, von niemandem etwas erwartet'. Seine über die Jahre gesammelten Aufzeichnungen sind ein Wunder der Literatur. Handke zitiert darin (auswendig) aus seinen Lektüren, aus Tolstoi, Goethe, Doderer, Simenon, aus der Apostelgeschichte u. a., blättert im bereits knisternden Griechisch-Deutsch-Schulwörterbuch, schreibt an der Obstdiebin, später an Zdenek Adamec und an Das zweite Schwert, zweifelt, wundert sich, horcht, beobachtet mit zartem Blick seine nahe Umgebung und erdichtet wieder und wieder ein 11. Gebot. Wir dürfen ihn durch die Jahre bei all dem begleiten, auch durch die 'Quarantänestille ' der jüngsten Zeit.

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Kontakt: office@jungundjung.at
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