Die Verantwortungslosen

Wer Hitler an die Macht brachte und was wir daraus lernen können
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Buchprofile - Rezension
Das Zerstörung der Weimarer Demokratie durch eine kleine, autoritär gesinnte Elite.
Durch die Krise der liberalen Demokratie scheint die Endphase der Weimarer Republik politisch an Aktualität gewonnen zu haben, und zwar nicht nur in Deutschland. Davon zeugt die vorliegende Neuerscheinung des Sorbonne-Professors Johann Chapoutot, die aus spezifisch französischer Sicht die Machtübertragung an Hitler unter die Lupe nimmt. Zeitlich setzt die Darstellung mit dem ersten Präsidialkabinett Brünings nach dem Ende der Großen Koalition am 30. März 1930 ein und endet am 30. Januar 1933 mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler. Der Autor interessiert sich vor allem für die Machenschaften der kleinen, rechtskonservativen Machtelite im Dunstkreis des Reichspräsidenten Hindenburg, die den Weimarer Parlamentarismus durch ein autoritäres Präsidialregime ersetzen und dafür die Nazis als Handlanger einspannen wollte. Ausführlich werden diese Totengräber des Parlamentarismus (Hindenburg mit seiner "Kamarilla", Brüning, Papen, Hugenberg, Schleicher u.a.) und ihre Intrigen in den Blick genommen. Der Epilog thematisiert mögliche Parallelen zur aktuellen Situation, bleibt dabei aber vor allem bei den geschichtsphilosophischen Betrachtungen recht kryptisch. Der Prolog nimmt Bezug auf die Aktion des "Zentrums für Politische Schönheit" mit der entwendeten Grabplatte Franz von Papens vor der CDU-Zentrale in Berlin im Dezember 2019 und lässt dabei den NS-Wegbereiter als Warner vor der Diktatur wiederauferstehen. Peinlich nur, dass Friedrich Merz hier als Hauptadressat angesprochen wird, der zu dieser Zeit weder CDU-Vorsitzender noch Bundeskanzler war. Die Sorgfalt des Lektorates lässt auch an anderen Stellen (z.B. Redundanzen) zu wünschen übrig. – Zum Thema Untergang der Weimarer Demokratie sind Büchereien deshalb mit dem inhaltlich breiter angelegten und sprachlich eleganteren Werk von Jens Bisky, "Die Entscheidung"(BP/mp 25/517) besser bedient.
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Artikelbeschreibung

Der renommierte Historiker und Sorbonne-Professor Johann Chapoutot seziert in diesem eindrucksvollen Werk die letzten Jahre der Weimarer Republik: Wie eine konservative Elite, getragen von Wirtschaftsinteressen, Medienmacht und antidemokratischer Haltung, den Nationalsozialisten den Weg bereitete - wider besseres Wissen.Das Ende der ersten deutschen Demokratie war, so zeigt Chapoutot, kein Zusammenbruch durch außere Zwange, sondern ein bewusster »Pakt mit dem Teufel«, geschlossen von einer kleinen Gruppe von Verantwortungslosen, die meinten, mit Hitler ihre Interessen durchsetzen und ihn dabei kontrollieren zu konnen.Gestützt auf neuere wie klassische Forschung, darunter auch Hermann Brochs Analyse »Die Schuldlosen«, bietet das Buch eine historische Nachhilfestunde mit erschreckender Aktualitat: Denn auch heute erleben wir, wie autoritare Versuchungen, Populismus und die Aushohlung demokratischer Institutionen wieder salonfahig werden - in Frankreich, Deutschland, Europa und in den USA.

Produktsicherheit

Hersteller: Verlagshaus Jacoby & Stuart GmbH
Anschrift: Esmarchstr. 25
DE-10407 Berlin
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Personeninformation

Johann Chapoutot, geb. 1978, ist Professor für Zeitgeschichte an der Sorbonne-Universitat. Seine Forschungsschwerpunkte sind Nationalsozialismus und die Geschichte des Dritten Reichs, die ideologischen Grundlagen und die gesellschaftlichen Auswirkungen des Nationalsozialismus sowie Vergleiche zwischen dem Nazi-Regime und zeitgenossischen autoritaren Tendenzen. Er ist bekannt für seine pragnante und zugangliche Darstellung komplexer historischer Themen und wird sowohl in akademischen Kreisen als auch in den Medien geschatzt.
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