Auf schiefer Bahn

Eine biografische Studie zum Einsatz bayerischer Polizisten im besetzten Polen 1939 bis 1950
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Bayern im Buch-Rezension
Bayerische Polizisten als Handlanger der NS-Vernichtungspolitik.
Reinhold Friedrich gewährt in dieser Studie detaillierte Einblicke in die Rolle der bayerischen Polizisten während der NS-Zeit, speziell in deren Einsatz im besetzten Polen. Dazu rekonstruiert er das Leben und die berufliche Tätigkeit des Polizisten Josef F., dessen Werdegang aufs engste mit den politischen wie gesellschaftlichen Umbrüchen durch die Nationalsozialisten verbunden war, in deren ideologisches Denken und Handeln er sich bedenkenlos einfügte und in das er in Polen zutiefst verstrickt war. Durch die enge Verknüpfung seiner Biografie mit dem NS-Staat erhält der Leser ein breit angelegtes Bild nicht nur der Vorkriegs- und Kriegszeit, sondern auch von den Maßnahmen der Sieger zur Aufarbeitung der NS-Zeit. Private Lebensbereiche von F. – Ausnahme seine mit großem SS-Pomp ausgestaltete Hochzeit – sind kaum belegt, seine berufliche Laufbahn sowie seine NS-Karriere, seine Internierung und Haft sowie sein Prozess jedoch sind durch amtliche Dokumente genauestens festgehalten. Ausführlich in den jeweiligen Kontext eingebettet, schildert der Autor F.s Zeit als Mitglied der bayerischen Landespolizei, seine Versetzung zur Schutzpolizei, die Übernahme als Polizeioberwachtmeister in das Beamtenverhältnis bis zu seinem Eintritt in die NSDAP, dem Wechsel in die Kriminalpolizei und dem Übertritt in die Gestapo (1938), für die er im besetzten Polen arbeitete. Dort war er an verbrecherischen Aktionen – u.a. Erschießungen, „Aussiedlung“ der jüdischen Bevölkerung in Vernichtungslager – beteiligt bzw. ordnete diese an. Nach zwei Jahren in amerikanischen Internierungslagern 1947 an Polen ausgeliefert, wurde er in einem Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt und 1950 hingerichtet.
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Artikelbeschreibung

Die Rede von den 'Ordinary Men', den 'ganz normalen Männern' (Christopher Browning) und Polizisten, beschäftigte wie kaum ein zweites geschichtliches Thema der letzten Jahrzehnte die deutsche Öffentlichkeit. Als Familienväter, brave Ehemänner und Söhne waren sie dennoch an vorderster Front in die Gräuel der Judenvernichtung und anderer NS-Verbrechen verwickelt.Josef F. war ein solcher unpolitischer Polizist der unteren Dienstränge, der wie Hunderte andere noch in der Weimarer Zeit seinen Dienst in der kasernierten bayerischen Landespolizei antrat. Seine Laufbahn führte ihn dann von der Tätigkeit als Schutzpolizist in den ersten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft noch vor Kriegsbeginn zum Übertritt in die Gestapo. Während des Kriegs arbeitete er bei der Sicherheitspolizei im besetzten Polen, mitten im Zentrum des Holocausts. Dieser persönliche Weg erwies sich - wie der ganz Deutschlands dieser Zeit - als 'schiefe Bahn' in den Abgrund. Seine letzten Lebensstationen waren nach dem Zusammenbruch Jahre der Gefangenschaft im amerikanischen Internierungslager Dachau und in polnischen Gefängnissen.Autor Reinhold Friedrich arbeitet in dieser Studie anhand von amerikanischen und polnischen Quellen die konkreten Tätigkeiten und Aufgaben an den unteren Stellen der Sicherheitspolizei in Polen während des Zweiten Weltkriegs auf und zeigt die Modalitäten der Strafverfolgung dieses Personenkreises vor polnischen Gerichten in der Zeit nach 1945.Band 3 der Reihe 'Veröffentlichungen des Bayerischen Polizeimuseums', herausgegeben von Ansgar Reiß

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