Tsai Kun-lin - Die gestohlenen Jahre

Eine Graphic Novel aus Taiwan - Band 2
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Buchprofile - Rezension
Zehn Jahre Lagerhaft hinterlassen bei Tsai Kun-lin ihre Spuren.
Auf Kun-lins (vgl.: BP/mp 23/1040) Verhaftung und die Anklage folgen das Urteil zu zehn Jahren Lagerhaft, zunächst in Gefängnissen und später auf der Gefängnisinsel Lü Dao. Es ist ein "Umerziehungslager", in dem die Insassen von ihren angeblich verfehlten Ansichten und terroristischen Umtrieben "geheilt" werden sollen. Kun-lin ist sich keiner Schuld bewusst; allein die Mitgliedschaft in einem Lesezirkel hat ihn für die Geheimpolizei verdächtig werden lassen. So wie er sind viele seiner Mithäftlinge unschuldig und völlig willkürlich inhaftiert worden. In dieser Graphic Novel werden das Leid, die Erniedrigungen und die Ängste in sehr beklemmenden Bildern geschildert. Hierfür sind die schwarzen Rahmen, die reduzierte Farbpalette und die holzschnittartige Anmutung adäquate Mittel, um diesen Lebenstragödien Ausdruck zu verleihen. Der abstrahierende Stil verweist auf die Allgemeingültigkeit für jedes Leben unter autoritärer Repression. Gezeigt wird aber auch, dass Hilfsbereitschaft und Mitmenschlichkeit unter den Häftlingen hohe Werte sind, die sie am Leben halten. So wird man als Leser:in Zeuge von tiefen existenziellen Krisen, die so viele Menschen erleiden müssen, wenn sie von Gewaltherrschaften um ihre Lebensjahre bestohlen werden.
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Artikelbeschreibung

Seit Tsai Kun-lins Geburt sind fast hundert Jahre vergangen. In langen Gesprächen hat er der Autorin und dem Illustrator von seinem Leben erzählt: von seiner Kindheit, den politischen Ereignissen in der Zeit des Zweiten Weltkriegs, den Jahren in Gefangenschaft, seiner späteren Arbeit als Journalist und Comicverleger sowie seinem Engagement für Demokratie und Menschenrechte. Weder das 90-jährige Leben noch die komplexen politischen Ereignisse passen in ein einziges Buch - so sind es deren vier geworden. Nachdem wir im Band 1 Kun-lins Familie kennengelernt und ihn durch seine Kindheit und Jugendjahre begleitet haben, erleben wir im zweiten Band, was es heißt, in die Fänge des Unrechtssystems von Chiang Kai-shek zu geraten. Kurz vor seinem zwanzigsten Geburtstag wird Kun-lin zum Verhör abgeführt. Unter Druck legt er ein erzwungenes Geständnis ab. In den Augen des Regimes hat er die falschen Bücher gelesen - der Lesezirkel an seiner Schule wird als 'illegale Organisation' eingestuft. Er wird zu zehn Jahren Haft verurteilt und in die berüchtigte Strafkolonie auf Lü Dao (dt. Grüne Insel) überführt. Die Haftbedingungen sind unmenschlich, die Zwangsarbeit hart, am meisten aber schmerzt Kun-lin die Trennung von seiner Familie. Als er 1960 entlassen wird, macht er sich sogleich auf den Weg zu seiner Schwester Chiong-tzu. Die ganzen Jahre war ihm der Kontakt zu seiner Familie verwehrt worden. Wie Tsai Kun-lin nach diesem 'gestohlenen' Jahrzehnt ein neues Leben beginnt, erfahren wir im dritten Band.

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