Von Armut und Aufstieg

Die Geschichte einer Familie über vier Jahrhunderte
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Buchprofile - Rezension
Faszinierende Einblicke in die Familiengeschichte des Autors.
Bertolt Brecht wirft in seinem Gedicht "Fragen eines lesenden Arbeiters", das Frank Biermann seinen Ausführungen voranstellt, verschiedene Fragen auf, darunter "Der junge Alexander eroberte Indien. Er allein?", und macht so die einseitige Sicht auf bedeutende historische Ereignisse deutlich. Genau diese Problematik greift der Autor auf, indem er "Geschichten aus unserer Geschichte" schreibt, in denen die "kleinen Leute" die Hauptrolle spielen. Sie leben in einem überschaubaren Gebiet im südlichen Niedersachsen, sind alle miteinander verwandt, obwohl sich nur die wenigsten persönlich kannten – es ist die Familie des Verfassers, deren Spuren er von 1560 bis 1945 (ausführlich) nachgeht, andeutungsweise bis in die 1990er Jahre. Lebendig, aber ohne Ausschmückung oder spektakuläre Vermutungen schildert Biermann aufgrund alter Kirchenbücher, Steuer-, Musterungs- und Lazarettlisten, Auswanderertabellen sowie mündlicher Überlieferung und weniger Fotografien das schwere Leben seiner Vorfahren in einem ländlichen Umfeld, das für die meisten von Armut bestimmt war, d.h. von harter Arbeit, geringem Lohn, Perspektivlosigkeit und nicht zuletzt von persönlichen Schicksalsschlägen. Doch der Autor versäumt es auch nicht, die einzelnen Menschen (natürlich vor ihrem jeweiligen Hintergrund) als Individuen darzustellen, indem er ihre Charakterstärke, ihre unterschiedlichen Fähigkeiten, ihren Lebensmut, ihr Pflichtbewusstsein und ihren starken Willen zu zeigen, durch Eigeninitiative und Bildungsangebote beruflich wie gesellschaftlich aufzusteigen. – Die gut zu lesenden Ausführungen beleuchten die Lebensläufe von Menschen zu verschiedenen Zeiten und zeigen, wie eine Familie von Handwerkern, Bauern und Hirten trotz gewaltiger Schwierigkeiten den sozialen Aufstieg geschafft hat. – Unbedingt zu empfehlen!
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Artikelbeschreibung

Erzählt wird die bewegende Geschichte einer Familie von Bauern, Hirten und Dorfhandwerkern - die Geschichte einer längst vergangenen Welt. Nominiert für den Buchpreis »Pflichtlektüre Niedersachsen« der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek Hannover!Frank Biermann widmet sich jenen Menschen, die die Geschichtsbücher oft vergessen - den Ackerknechten, Schmieden, Leinewebern, Schuhmachern, Schafhirten und Salinenarbeitern. Die ausführlich dargestellten Lebensgeschichten dieser »kleinen Leute« entführen in die längst vergangene Welt des alten Europas zwischen 1560 und 1945. Die einzelnen Episoden stützen sich dabei nicht nur auf eine genaue historische Recherche, sondern sind auch lebendig und mitreißend erzählt: So folgen die Leserinnen und Leser dem Leben des Schuhmachers Friedrich, der Tag für Tag mit harter Arbeit um sein Fortkommen ringt, erfahren vom Leid der kleinen Schäfertochter Anna, die im Siebenjährigen Krieg als Vollwaise ihre Geschwister retten muss, und tauchen ein in das tragische Leben des Dorfhirten Heinrich, eines einfachen Infanteristen in der Schlacht von Waterloo. Es sind Geschichten von Armut und Aufstieg, von persönlichem Streben und gesellschaftlichen Konflikten, die einen fesselnden Einblick in unsere Vergangenheit bieten.

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Personeninformation

Frank Biermann, geb. 1967, ist Professor für Globale Nachhaltigkeitspolitik an der Universität Utrecht in den Niederlanden. In seinem Fachgebiet hat der Politikwissenschaftler 21 Bücher veröffentlicht und zahlreiche internationale Forschungspreise erhalten. Darüber hinaus leitete er verschiedene internationale Forschungsprogramme und ist Herausgeber von Buchreihen bei MIT Press und Cambridge University Press. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit engagiert sich Biermann auch publizistisch und verfasst Beiträge für Tageszeitungen, Blogs und Podcasts. In diesem Buch wendet er sich jedoch einem persönlichen Thema zu: Er erzählt die Geschichte seiner eigenen Familie aus dem hannoverschen Umland, die er über sechs Jahre hinweg ausführlich erforscht hat.

Pressestimmen

»Geschickt bettet der Autor die Personen, die alle miteinander verwandt sind, ein in die großen politischen und sozialen Umwälzungen dieses gewaltigen Zeitraums, der von der Reformation bis zu den beiden Weltkriegen reicht.« (Günther Haller, Die Presse, 21.2.26) »Biermann beschreibt die Lebensbedingungen seiner Vorfahren von 1570 bis zur Gegenwart. Das Besondere ist, dass dadurch die Geschichte nicht aus der Sicht der Herrschenden, sondern aus der Sicht des 'kleinen Mannes' erzählt wird.« (Klaus Kowalke und Susanne Meysick, Freie Presse - Annaberger Zeitung, 07.02.2026) »'Von Armut und Aufstieg' ist eine lesenswerte Fallstudie, materialreich und mit kräftigem niedersächsischem Lokalkolorit. Sie zeigt aus welch bedrückenden Verhältnissen, sich viele Familien hochgearbeitet haben.« (Wolfgang Stenke, Deutschlandfunk Andruck, 16.02.2026)
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