Überleben

Zwei Erzählungen
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Buchprofile - Rezension
Die Mutter von Ruth Klüger erzählt von den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg in Wien, von Deportation und Flucht
Alma Hirschel ist die Mutter der österreichisch-amerikanischen Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger. Mutter und Tochter haben gemeinsam drei Konzentrationslager überlebt. Klüger erzählt davon in ihrem Buch „Weiter leben: Eine Jugend“. Die Mutter beginnt ihre autofiktionalen Erzählungen 1938 in Wien. Sie beschreibt, wie sich das Leben der jüdischen Bevölkerung nach dem Einmarsch der Deutschen verändert. Ihre Tochter Ruth darf nicht mehr zur Schule gehen, die Familie wird enteignet. Während ihr Mann ins Gefängnis muss, arbeitet sie in einem jüdischen Krankenhaus. Eine beantragte Ausreise nach Amerika kommt nicht zustande. Mutter und Tochter werden nach Theresienstadt deportiert. Hirschel erzählt von den unmenschlichen Bedingungen, von Hunger, Kälte und Willkür. In Auschwitz überleben beide die Selektion nur, weil sie sich ein zweites Mal aufstellen. Von Groß-Rosen aus werden sie auf einen Todesmarsch geschickt. Ihre gefährliche Flucht endet in Straubing mit der Befreiung durch die Amerikaner. – Die Erzählungen wurden im Nachlass von Ruth Klüger gefunden. Sie waren zum Teil in englischer Sprache verfasst. Die Nachlassverwalterin Gesa Dane ergänzt das Buch durch eine biografische Skizze des Lebens Alma Hirschels, die sich im Text Berta Klinger nennt. Sehr lesenswert, auch für jugendliche Leser:innen geeignet.
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Artikelbeschreibung

Eine Sensation: erstmals publizierte Texte der Mutter Ruth Klügers von ganz eigenem literarischen Wert.Im Nachlass von Ruth Klüger (1931-2020) fanden sich Aufzeichnungen ihrer Mutter Alma Hirschel, die in den frühen 1970er-Jahren entstanden. In autofiktionaler Erzählhaltung hält sie darin ihre Erinnerungen an die Zeit der Verfolgung unter dem Nationalsozialismus fest. Der erste Text handelt vom Leben der jüdischen Familie Klinger in Wien 1938. Die Autorin beschreibt die Verschleppung nach Theresienstadt, Auschwitz und Christianstadt-Groß-Rosen bis zum Todesmarsch im Februar 1945. Im zweiten Text »The Flight« erzählt Alma Hirschel davon, wie Mutter und Tochter Ruth zusammen mit Pflegetochter Susan aus dem Todesmarsch fliehen und sich nach Straubing durchschlagen, wo sie von amerikanischen Truppen befreit werden.Die Entdeckung dieser Texte kommt einer Sensation gleich, haben beide doch sowohl einen literarischen als auch einen hohen dokumentarischen Wert. Sie verschaffen zudem eine neue Verständnisgrundlage für das in der Klüger-Forschung viel diskutierte Mutter-Tochter-Verhältnis: Eine Verdrängung des Erlebten hat es weder für die Mutter noch für die Tochter gegeben, vielmehr den beständigen Versuch, dafür eine Sprache zu finden.

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Personeninformation

Alma Hirschel (1903-2000) wurde in Tlumatsch, damals Österreich Ungarische Monarchie, geboren, besuchte nach der Grundschule das Prager Mädchen-Lyceum und anschließend die Bodenwieser Schule, wo sie Gymnastik und Klavier studierte. 1930 heiratete sie in zweiter Ehe den Wiener Arzt Viktor Klüger. 1931 wurde die Tochter Ruth geboren. Nach der Verhaftung und späteren Flucht von Viktor Klüger (1938) brachte sie sich und die Tochter als Krankenpflegerin durch. Beide überlebten die Lager Theresienstadt, Auschwitz und Christianstadt / Groß-Rosen, gemeinsam gelang die Flucht während des Todesmarsches. Von 1945 bis 1947 arbeitete sie als Übersetzerin und lebte nach der Emigration in verschiedenen Städten in den USA; 1960 erfolgte die Eheschließung mit Kurt Fritz Hirschel. Sie starb 2000 in Irvine / Kalifornien. Gesa Dane ist Professorin am Institut für Deutsche und Niederländische Philologie der FU Berlin.Veröffentlichungen u. a.: Im Dickicht der Texte. Editionswissenschaft als interdisziplinäre Grundlagenforschung (Mithg., 2013); Scharfsinn und Frömmigkeit. Zum Werk von Catharina Regina von Greiffenberg (1633-1694) (Hg., 2013); Zeter und Mordio. Vergewaltigung in Literatur und Recht (2005). Jan Strümpel, geb. 1966, studierte Germanistik und Geschichte in Göttingen und war lange Jahre Lektor im Steidl Verlag.

Pressestimmen

»Insgesamt erinnert Hirschels Text als Zeugnis an 'Art Brut', wirkt also wie das genaue Gegenteil der kompromisslos nüchternen und zugleich hochreflektiert-klarsichtig Erinnerungsprosa von Ruth Klüger.« (Marc Reichwein, Die Welt, 07.12.2025) »eine Qualität (Hirschels) Texte (liegt) in der Fähigkeit, zwischen historischem Blick und konkretem Detail souverän zu wechseln« (Thomas Linden, Kölnische Rundschau, 20.02.2026) »Hirschel schreibt einen kaum verschlüsselten Bericht über die schwersten Jahre ihres Lebens.« (Jakob Hessing, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2026)

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