
Artikelbeschreibung
Immanuel Kant: Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen. Eine Psychologie der Feinheit Erstdruck: Königsberg, 1766. Hier nach der Ausgabe: Leipzig, Insel-Bücherei, 1913. Neuausgabe, herausgegeben von Karl-Maria Guth, Berlin 2026. Der Text dieser Ausgabe wurde behutsam an die jetzt gültige Rechtschreibung angepasst. Gesetzt aus der Minion Pro, 11 pt. Henricus - Edition Deutsche Klassik GmbH Was empfinden wir als schön, was als erhaben - und was verraten diese Empfindungen über unseren Charakter? In seinen »Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen« untersucht Immanuel Kant jene feinen Regungen, durch die Menschen auf Natur, Kunst, Charakter und moralisches Verhalten reagieren. Das Erhabene rührt und flößt Achtung ein, das Schöne reizt und weckt Zuneigung. Eine nächtliche Landschaft, ein gewaltiges Gebirge oder große menschliche Entschlossenheit wirken anders auf uns als blühende Wiesen, heitere Geselligkeit oder Anmut - und doch gehören beide Empfindungsweisen zum menschlichen Wesen. Von diesen Grundbegriffen ausgehend betrachtet Kant Tugend, Freundschaft, Liebe, Temperamente und gesellschaftliches Verhalten. Er unterscheidet zwischen echter Tugend aus Grundsätzen und bloß liebenswürdigen Eigenschaften, untersucht den Einfluss von Ehre und gesellschaftlichem Ansehen und entwickelt daraus ein vielschichtiges Bild menschlicher Charaktere. Auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern und vermeintliche Nationalcharaktere deutet Kant anhand des Gegensatzes von schön und erhaben. Gerade diese zeitgebundenen Urteile machen den Text heute zugleich zu einem philosophischen und kulturgeschichtlichen Dokument des 18. Jahrhunderts. Eine frühe Schrift Kants über Geschmack, Moral und menschliche Empfindung - anschaulich, pointiert und weit näher an der Beobachtung des täglichen Lebens als seine späteren großen philosophischen Werke. Über den Autor: 1724 als Sohn des Sattlermeisters Johann Georg Kant und dessen Frau Anna Regina in Königsberg in ein pietistisch geprägtes Elternhaus geboren, studiert Immanuel Kant an der Albertus-Universität Theologie, hört jedoch daneben ausgiebig Naturwissenschaften und Philosophie. Nach dem Tod des Vaters 1746 bestreitet er seinen und den Lebensunterhalt der jüngeren Geschwister aus seiner Tätigkeit als Hauslehrer. Nach seiner Promotion unterrichtet Kant ab 1755 als Privatdozent an seiner Universität. Seine erste Bewerbung auf einen Lehrstuhl scheitert 1759. Einen Lehrstuhl für Dichtkunst lehnt er 1764 ab. Angebote aus Erlangen und Jena schlägt er aus, bevor er 1770 schließlich den angestrebten Königsberger Lehrstuhl für Logik und Metaphysik erhält. Gut dotierten Abwerbeangeboten widersteht der berühmt gewordene Professor und bleibt in Königsberg, wo er 1786 Rektor wird. Als Mitglied sowohl der preußischen (1787) als auch der russischen Akademie der Wissenschaften (1794) stirbt am 12. Februar 1804 mit Immanuel Kant der bedeutendste Philosoph der Aufklärung, dessen umfassende Perspektiven die philosophische Diskussion bis ins 21. Jahrhundert maßgeblich beeinflussen.
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