Madeleine und der Angler

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Buchprofile - Rezension
Deutungsoffene Erzählung über eine Begegnung am Wasser.
Madeleine geht regelmäßig mit ihrer Tante in eine große Kirche, wo sie umherwandert und sich alles anschaut, während die Tante in der Kapelle betet. Normalerweise treffen sich beide wieder am Ausgang, doch heute erscheint die Tante nicht wie gewohnt. Madeleine wartet und sieht vom Portal aus den Fluss in der Sonne glitzern. Sie langweilt sich und geht hinaus zu den Anglern am Kai. Dort hat sie den Gedanken, dass sie jetzt nichts lieber täte, als zu angeln, und spricht einen bärtigen Mann an. Der reagiert zuerst einsilbig, gibt ihr aber eine Angel. Madeleine angelt eine Weile, bis ein Junge zu ihr kommt und fragt, ob sie ihm einen Fisch schenken würde. Madeleine will das nicht und der Junge sagt, sie müsse den Fisch schließlich auch töten – ob sie das könne? Madeleine verliert plötzlich die Lust am Angeln und rennt zurück zur Kirche, wo die Tante sie schon sucht. Die mahnenden Worte der Erwachsenen gehen schließlich im lauten Glockengeläut der Kirche unter. – Das Bilderbuch erzählt eine völlig deutungs- und interpretationsoffene Geschichte, deren viele religiöse Anspielungen offensichtlich sind, die sich aber nicht zu einer konkreten Botschaft zusammenfügen lassen. Auch die Bildsprache ist komplex: zunächst das Dunkel der Kathedrale, in dem das Gebäude nur angedeutet wird und der verträumte Blick des Kindes den Lichtmustern folgt, welche sich im Fluss widerspiegeln, in dem sich die Fische tummeln. Draußen die statische Figur des Anglers und die quasi-meditative Handlung des Angelns, welche für Madeleine aber durch das Auftauchen des Jungen unterbrochen wird. Überhaupt sind das Beginnen und Nicht-Zuende-Bringen, das Wollen und Nicht-Wollen, das Präsent- und Entrücktsein, das Folgen von Intuitionen und Zurückgeholt-Werden ins Hier und Jetzt wiederkehrende Motive der Geschichte. Eine Antwort gibt es nicht – was das Bilderbuch umso reizvoller macht und immer wieder dazu anregt, in der eigentlich einfachen, äußeren Handlung eine tiefere Sinn- und Bedeutungsebene zu suchen. - Eine außergewöhnliche Lektüre für Kinder ab ca. 6 Jahren.
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Artikelbeschreibung

Wenn Tante Charlotte in die große Kirche geht, nimmt sie Madeleine mit. Während die Tante in der Kapelle sitzt, schaut sich das Mädchen alles genau an und dann treffen sich die beiden wieder. An diesem Tag lässt Tante Charlotte auf sich warten. Madeleine spaziert hinaus ins Freie und zum Fluss hinunter, weil das Sonnenlicht so schön am Wasser glitzert und dort die Angler sitzen.Sie erfüllt sich einen lang gehegten Herzenswunsch und traut sich zu fragen, ob sie auch einmal eine Angel ins Wasser halten darf. Das genießt sie sehr, bis ein Junge sie in ein Gespräch verwickelt: Ob sie ihm den gefangenen Fisch schenken würde? Und ob sie den Fisch auch selbst töten könne? Daran hatte Madeleine noch gar nicht gedacht ... Sie gibt die Angel lieber wieder zurück und ist froh, als Tante Charlotte sie findet.

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Personeninformation

Mira Lobe wurde am 17. September 1913 in Görlitz in Schlesien geboren. Dass sie Talent zum Schreiben hatte, zeigte sich schon an ihren Schulaufsätzen. Sie wollte studieren und Journalistin werden, was ihr als Jüdin im nationalsozialistischen Deutschland verwehrt wurde. Daher lernte sie Maschinenstrickerin an der Berliner Modeschule. 1936 flüchtete sie nach Palästina. Dort heiratete sie den Schauspieler Friedrich Lobe, mit dem sie zwei Kinder hatte. Ab 1950 lebte sie in Wien, wo sie am 6. Februar 1995 starb. Mira Lobe hat fast 100 Kinder- und Jugendbücher geschrieben, für viele von ihnen hat sie Preise und Auszeichnungen erhalten. Zu ihren bekanntesten Werken gehören Das kleine Ich bin ich (1972), Valerie und die Gute-Nacht-Schaukel (1981), Die Geggis (1985) und Die Omama im Apfelbaum (1965).Sabine Rufener wurde 1972 in Bern in der Schweiz geboren. Schon als Kind schrieb und illustrierte sie leidenschaftlich gerne Geschichten. Nach dem Gymnasium besuchte sie unter anderem eine Fotoschule, arbeitete im Theater und gründete eine Familie, bevor sie schließlich Illustration an der Schule für Kunst und Design Zürich SKDZ studierte. Sie experimentiert gerne mit verschiedensten Drucktechniken, Collage, Frottage, aber auch mit Farbstiften und Tusche. Ihr erstes Bilderbuch wurde für den Serafina-Preis für Illustration nominiert. Sabine Rufener lebt als freie Illustratorin mit ihrer Familie und ihren Hühnern in Basel.
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