Kanzlerkino

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Buchprofile - Rezension
Deutschland in den 1990er-Jahren. Glasermeister Bernd Vomturm aus Sachsen macht nach der Wende Karriere in Bonn und nähert er sich wieder seiner Vergangenheit an.
Während der 1980er-Jahre waren sie Freunde, Lutz Reinmer und Bernd Vomturm. Doch die Freundschaft hatte einen Makel. Lutz bespitzelte den aufmüpfigen Bernd für die Stasi. Nach seiner Flucht aus der DDR, 1989 über die Prager Botschaft der Bundesrepublik, fasst Bernd als Glasermeister schnell Fuß und knüpft Kontakte in die Politik, weil das Unternehmen, für das er arbeitet, auch für die Fenster im Kanzlerbungalow zuständig ist. Zu seiner Überraschung erhält Lutz nach langem Schweigen nun regelmäßig Post, in der Bernd ihm sein Leben im Umfeld des Kanzlers schildert. Dass diese Briefe indirekt auch an Lutz Ehefau Sanna gerichtet sind, erfährt Lutz erst später. Für ihn ist bald klar, dass Bernd sich an Lutz für dessen IM-Tätigkeit rächen will. Bernd steigt – nachdem er dessen Schwägerin Erle geheiratet hat – zum persönlichen Referenten von Kanzler Breugel auf und soll in dessen Auftrag einen neuen Kanzlerbungalow im Osten entwerfen. – Bonné erzählt seine Geschichte aus einer Vielzahl von Perspektiven. Das familiäre Umfeld des Kanzlers rückt dabei ebenso in den Mittelpunkt wie die privaten Verhältnisse der beiden Freunde Lutz und Bernd. Immer wieder drehen sich die Schilderungen der Charaktere und ihre Beziehungen zueinander um Transparenz und Lügen – und um die Suche nach der Wahrheit im eigenen Leben. Der Roman lebt vor allem durch seine meisterhaft geschilderten Charaktere, deren Sehnsüchte und Ängste den Kern der Geschichte ausmachen. Ein zutiefst menschliches Buch, unaufdringlich und humorvoll.
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Artikelbeschreibung

Die Bonner Republik zur Wendezeit: DDR-Flüchtling Bernd Vomturm macht Karriere im Regierungsviertel und wird dort zum gefragten »Mann fürs Glas«. Verantwortlich für die Fassaden des Kanzlerbungalows, erhält er tiefe Einblicke in das Leben und Umfeld des Bundeskanzlers Viktor Breugel. Während der Pfälzer Kanzler als leidenschaftlicher Cineast seine Politik wie einen Film inszeniert, benötigt seine Gattin Harriet aus gesundheitlichen Gründen dringend mehr Licht. Und Vomturm, der eine Liebesgeschichte mit der Schwägerin des Kanzlers beginnt, entwirft bereits die Architektur einer neuen Zeit: ein visionäres Haus für den Kanzler am Rande Berlins.

Zugleich reichen lange Schatten von Ost nach West. In Chemnitz führt Lutz Reinmar, Vomturms alter Freund, heimlich dessen Stasi-Akte fort - verstrickt in eine fatale Mischung aus Eifersucht und Verrat, droht manch ein Konstrukt zu zerbrechen.

Mirko Bonné hat einen großen Roman über ein Land im Dazwischen und die Suche nach sich selbst geschrieben. Wie ein literarisches Prisma fächert Kanzlerkino unvereinbare Wahrheiten auf, verfolgt das Zersplittern menschlicher Träume.

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Personeninformation

Mirko Bonné, geboren 1965 in Tegernsee, lebt in Hamburg und der Provence. Für seine Übertragungen aus dem Französischen und Englischen, u. a. von Joseph Conrad, John Keats, Grace Paley und Oscar Wilde, erhielt er zuletzt den Hamburger Literaturpreis für Übersetzung 2020. Für sein schriftstellerisches Werk, das neben vielbeachteten und wiederholt für den Deutschen Buchpreis nominierten Romanen auch Lyrik und Essays umfasst, wurde er u.a. mit dem Prix Relay (2008), dem Marie Luise Kaschnitz-Preis (2010), dem Rainer Malkowski-Preis (2014) und einer Nominierung für den Alfred-Döblin-Preis (2019) ausgezeichnet. Von der Hansestadt Hamburg erhielt er den Hubert-Fichte-Preis 2024 für sein Gesamtwerk, 2025 den Hannelore-Greve-Literaturpreis.www.mirko-bonne.de

Pressestimmen

»Mit Kanzlerkino liegt ein Glanzstück polyperspektivischen Schreibens vor. Immer wieder haben die Figuren, raffiniert inszeniert, die Chance zur Selbstdarstellung [...]. Mirko Bonné agiert souverän als der Autor, der (anders als sein Personal) alles weiß, aber manches vorsätzlich im milchgläsernen Opaken lässt: als reale Herausforderung für seine Leser.« Rose-Marie Gropp / FAZ

»Mirko Bonné zeigt genüsslich alle Insignien der Macht, von Architektur über Staatskarossen bis hin zum Hauspersonal, das parieren muss. Kanzlerkino ist ein Sommerroman und ein mit der Alternativweltgeschichte kokettierendes Mashup eines unvereinigten Landes.« Konstantin Ames / taz

»Mirko Bonné durchdringt seinen Stoff mit der Kraft der Poesie und hat noch nie so entfesselt erzählt - mit manchmal geradezu kinohafter Lust an den großen Szenen.« Thomas Andre / Hamburger Abendblatt

»Mirko Bonné verschafft uns Leseerlebnisse, die uns lange und intensiv beschäftigen. Nicht zuletzt deshalb, weil uns die Figuren, mit denen er seine Geschichten bevölkert, zu Herzen gehen, mit ihren Freuden, mit ihrem Schmerz. Wir ertappen uns dabei, wie wir diese Figuren in unseren Alltag mitnehmen, wenn wir dann irgendwann schweren Herzens diese Bücher zuklappen und das Paralleluniversum, in dem wir uns eine Weile häuslich eingerichtet hatten, wieder verlassen müssen.« Tilman Krause

»Mirko Bonnés Romane überzeugen durch seine Fähigkeit, historische Fakten mit sensibler Figuren- und Spracharbeit den Fragen des Lebens gegenüberzustellen.« Lisa Kreißler / NDR

»Bonné zeigt mit dem Schwung des selbstbewussten Virtuosen die Hintergrundstrahlung der irdischen Verhältnisse.« Hubert Winkels / Die Zeit

»Wer sich für deutsch-deutsche Irrungen interessiert, wird gut unterhalten!« Michael Husarek / Nürnberger Nachrichten

»Virtuos jongliert Mirko Bonné in seinem Roman Kanzlerkino mit historischen Fakten und spannenden Figuren: kraftvoll, poetisch erzählt, ein Lesevergnügen.« Südwest Presse


»Bislang trauen sich Schriftsteller mit West-Sozialisation nur selten, in die Erlebniswelt derjenigen einzutauchen, deren Staat damals unterging. Mirko Bonné traut sich. Der Hamburger und Wahlfranzose hat sich eine fein gesponnene Geschichte ausgedacht, die die Drangsale der DDR-Geschädigten mit Empathie und Erbarmen schildert.« Tilman Krause / WELT

»Wie lässt sich die Vergangenheit, die unsere Gegenwart prägt, am besten durchdringen? Mirko Bonné gelingt es, Fakten und Fiktionen so wild durcheinanderzumischen, dass wir am Ende der Wahrheit ganz nahekommen.« NDR

»Mirko Bonné entführt in eine Zeit der Träume und des Aufbruchs, dabei jongliert er mit Fakten und Figuren. [...] Die fiktiven Räume, die er dafür in seinem Roman öffnet, sind voller Humor, voller kriminalistischer Handlungsstränge und vor allem voller Mitgefühl. Das ist ebenso überraschend wie wohltuend.« Joachim Dicks / NDR Kultur



»In Mirko Bonnés Kanzlerkino [taucht] ein famoser Sachse auf: Ein Mann mit Vergangenheit, mit Ambitionen und ohne falsche Schüchternheit!« Uli Hufen / WDR Westart Lesen

»Mirko Bonnés Roman Kanzlerkino verwischt die Grenze zwischen historischer Realität und Fiktion. [...] Es geht um persönliche Konflikte, das Bewältigen von DDR-Vergangenheit - und um Männer, die ständig eifersüchtig sind.« Carsten Schrader / Kulturnews

»Mirko Bonné erzählt in seinem neuen Roman von der Suche nach Halt in einem Land ohne festen Boden. Ein eindrucksvolles Leseerlebnis.« Annekatrin Stoll / General-Anzeiger Bonn

»Von Rachegelüsten und dem Kanzlerleben in den 90ern: Mirko Bonné gelingt auch mit Kanzlerkino ein literarischer Volltreffer.« Gérard Otremba / Sounds & Books

»Kanzlerkino ist ein gut geschriebener und sehr lesbarer Roman über Macht, Mief und Muff in der Wendezeit, der mit all ihren Insignien spielt, der die Beziehungen der Mächtigen ins Absurde dreht, ohne aber seine Protagonisten, ja die Wendejahre selbst der Lächerlichkeit preiszugeben.« Irmgard Hölscher / Kommbuch

»Mit Hingabe, Humor und Raffinesse wird hier ein Kinosaal belebt, der aus Schauspielern und wahren Persönlichkeiten gefüllt wird. Dabei verwebt die Handlung Historisches und fast schon Kriminalistisches mit einem Ensemble, das uns berührt.« Hauke Harder / Leseschatz.de





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