Der wilde Kontinent

Europa in den Jahren der Anarchie 1943 - 1950
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Buchprofile - Rezension
Ergreifende Darstellung der Kämpfe innerhalb der einzelnen Staaten Europas während des Zweiten Weltkrieges und in den Jahren danach.
Diese akribisch geführte Untersuchung der Folgen, die die Gräueltaten der Nazis während des Zweiten Weltkrieges auf die Bevölkerung der europäischen Länder hatte, beschreibt Fakten, die bisher in kaum einem Werk über diese Zeit behandelt wurden. Der Autor, ein renommierter britischer Historiker, zeigt das Chaos, das nach der Niederlage des Dritten Reiches in Deutschland und dem übrigen Europa herrschte. Während die Menschen in Deutschland mit den Folgen der menschlichen und moralischen Katastrophe zu kämpfen hatten, die das Naziregime hinterlassen hatte, bekamen die Deutschen in den besetzten Gebieten die grausame Rache der vorher dort von Deutschen Misshandelten und Erniedrigten zu spüren. Vergewaltigungen, Folterungen, z.T. in den zuvor befreiten Konzentrations- und Arbeitslagern waren an der Tagesordnung. Darüber hinaus gab es jedoch in den einzelnen Ländern Kämpfe zwischen den unterschiedlichsten Gruppen, die mit dem Ende des Krieges noch lange nicht aufhörten. So gab es in z.B. in Polen, Tschechien und der Ukraine brutale ethnische Säuberungen, auch die Verfolgung der Juden, Sinti und Roma ging in einigen Ländern weiter. Daneben kämpften kommunistische Partisanen gegen Kollaborateure, wie z.B. in Frankreich, Italien und Griechenland mit einer Brutalität, die sich z.T. nur mit der Abstumpfung durch die von den Kämpfern selbst erlittene Gewalt erklären lässt. Schließlich geht der Autor auch auf die Ausbreitung des Kommunismus und die Unterjochung der osteuropäischen Länder durch die Sowjetunion ein. - Zahlreiche Karten und Fotos ergänzen die Schilderungen, die z.T. auch Zeitzeugen zur Sprache kommen lassen. Ein für das Verständnis der europäischen Nachkriegsgeschichte bis zur Gegenwart sehr wichtiges Buch, trotz der manchmal drastischen Beschreibung brutaler Handlungen.
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Artikelbeschreibung

Zusammenbruch, Rechtlosigkeit, Anarchie: Mit der deutschen Kapitulation war das Töten noch nicht beendet. Zum ersten Mal macht Keith Lowe das ganz Europa umfassende Ausmaß der materiellen und moralischen Verwüstungen deutlich: die ergreifende Darstellung einer Welt, die aus den Fugen geraten war.

Eindrucksvoll beschreibt Keith Lowe in seinem international viel beachteten Buch den Abstieg eines ganzen Kontinents in die Anarchie. Dabei zeigt er die Gewalteruption des Zweiten Weltkrieges als ein komplexes Geschehen über die sogenannte Stunde Null hinaus. Im Zentrum seiner ausgewogenen Neudarstellung der Nachkriegszeit stehen die vielen auf dem Kontinent aufflammenden regionalen Konflikte, die auch noch nach den klassischen Kriegshandlungen stattfanden: Bürgerkriege wüteten, ethnische Spannungen und Säuberungen dauerten an, Juden und Minderheiten wurden weiterhin verfolgt. Der Krieg hatte - trotz Hitlers Niederlage - eine Gewaltdynamik entfacht, die sich nicht mit der Kapitulation stoppen ließ. Zugleich lässt der Autor die Menschen und die einzelnen Schicksale in den betroffenen Ländern sichtbar werden. Eine unerlässliche Lektüre für ein tieferes Verständnis der Schreckensgeschichte Europas.

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Personeninformation

Keith Lowe, geboren 1970, ist einer der herausragenden britischen Historiker der jüngeren Generation. Für »Der wilde Kontinent« erhielt er 2013 den angesehenen Sachbuchpreis des englischen PEN: den »Hessell-Tiltman Prize for History«. Das Buch war einer der Sunday Times Top Ten Bestseller. Zahlreiche Fernseh- und Radiobeiträge in England und den USA.

Pressestimmen

»Keith Lowe räumt mit der Vorstellung auf, dass mit dem Sieg über Hitler-Deutschland der Kontinent sein neues, ziviles Leben begann. ... Lowes Darstellung drängt neue Ansichten auf: Die unmittelbare Nachkriegszeit war politisch komplexer, als unsere immer noch vom Kalten Krieg geprägte Sicht auf Europa suggeriert.« Tobias Rapp & Elke Schmitter, Spiegel, Dezember 2014 SPIEGEL 20141201
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