Pompejis letzter Sommer

Als die Götter die Welt verließen | Nominiert als Wissensbuch des Jahres 2026
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Buchprofile - Rezension
Neue Entdeckungen über die antike Gesellschaft durch die Ausgrabungen in Pompeji.
Gabriel Zuchtriegel, Direktor des Archäologischen Parks von Pompeji, geht bei seinen Grabungskampagnen insbesondere dem Leben der rechtlosen und kleinen Leute nach. So stellt er in seinem neuen Buch unter anderem einen jüngst freigelegten Bäckereibetrieb vor. Die Sklaven, die dort das Mehl mahlten, waren angekettet, Latrine, Schlaf- und Arbeitsplatz waren am selben Ort. Nur ein paar Straßen weiter legten die Archäologen Anfang 2025 eine Villa mit großen Fresken frei. Sie stellen wohl einen Mysterienkult vor, der die Sehnsucht nach einer persönlichen spirituellen Erfahrung ausdrückte, die der römische Staatskult nicht zu bieten hatte. Zuchtriegel stellt beide Ausgrabungsorte in einen Zusammenhang mit der Krise der antiken Götterverehrung und dem jungen Christentum. Arme wie Reiche konnten in der neuen Lehre des Jesus von Nazareth zum einen Würde und zum anderen religiöse Erfüllung finden. Dass die neue Religion in Pompeji zumindest teilweise bekannt war, lässt sich anhand erhaltener Inschriften belegen. Wie sich soziale und religiöse Fragen in der untergegangenen Stadt am Vesuv verbanden, zeigt Zuchtriegel in seinem Buch zwar etwas sprunghaft, aber schlüssig auf. Daneben schildert er die Problematik der Freilegung archäologischer Stätten, die danach durch Witterungseinflüsse, statische Verschiebungen, Pflanzenbewuchs und Pilzbefall bedroht sind. Die 13.000 offenen Räume auf dem 44 Hektar großen Ausgrabungsgelände in Pompeji zu überdachen, ist unmöglich. Deshalb mahnt Zuchtriegel: „Wir sollten immer nur so viel ausgraben, wie wir auch zu bewahren imstande sind.“ – Obwohl sich manches aus Zuchtriegels Vorgängerbuch „Vom Zauber des Untergangs“ wiederholt, ist „Pompejis letzter Sommer“ eine fesselnde Lektüre, die den Leser auf eine Reise durch die Antike schickt, die Fragen aufwirft, welche in einer politischen und religiösen Epochenwende wie der heutigen hochaktuell sind.
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Artikelbeschreibung

Der Ausbruch des Vulkans Vesuv hat das Leben in Pompeji für immer angehalten. Doch die Ausgrabungen, die bis heute zu neuen Entdeckungen führen, fördern nur scheinbar eine ruhige Stadt am Golf von Neapel zutage. In Wirklichkeit brodelt es im Jahr 79 unter der Oberfläche gewaltig. Sklaven und Politiker, Kellnerinnen und Künstler, Gladiatoren und Straßenkinder werden zu den zentralen Figuren einer epochalen Umwälzung. Am Ende zerbricht das Römische Reich, und das Christentum wird zum neuen Bezugspunkt einer völlig veränderten Welt.

Gabriel Zuchtriegel erklärt anhand alter und neuer Entdeckungen aus Pompeji, wie es zur größten spirituellen Revolution des Abendlandes kommen konnte. Er entwirft das lebendige Bild einer rohen und gewalttätigen Gesellschaft, die zugleich ihre Schönheit und Menschlichkeit offenbart - manchmal da, wo man es am wenigsten erwartet.

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Personeninformation

Gabriel Zuchtriegel, geboren 1981, studierte in Berlin und Rom Archäologie und griechische Literaturgeschichte. Nach seiner Promotion an der Universität Bonn erhielt er ein zweijähriges Forschungsstipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung in Süditalien. Doch daraus wurden mehr als zehn Jahre, in denen er in Italien forschte, lehrte und im Denkmalschutz arbeitete. Seit April 2021 ist er Direktor des Archäologischen Parks Pompeji.

Pressestimmen

«Er ist ein guter Erzähler und man ist [...] fasziniert von den neuen Entdeckungen, die da gemacht werden.« Michael Opitz Deutschlandfunk Kultur Lesart 20251106
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