Der Fluss der Kindheit

Über die Versehrtheit einer geliebten Landschaft und das osteuropäische Heute
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Noch nicht erschienen. Erscheint laut Verlag/Lieferant: 17.11.2026

Artikelbeschreibung

Plötzlich steht er da, in nassen Hosen, am Frühstücksbüffet des Hotels an der Grenze. Ein junger Syrer, der gerade noch im Fluss trieb. Wohin er will? »Germany.« Der Erzähler überlegt nicht lange - ich fahr dich, nach Berlin.

Am Bug, der heute Belarus und die Ukraine, eine Diktatur und ein Kriegsgebiet, von Polen trennt, hat der Erzähler als Kind die Sommerferien verbracht. Dieser Fluss und seine östlichen Weiten verbindet die meisterhaften Prosastücke des Bandes: ein Schreiben »on the road«, wahrnehmungssatt, reich an Erinnerungen, gelegentlich ins Halluzinatorische kippend.

Der Erzähler geht eine innige, fast körperliche Beziehung mit dieser Gegend ein. Wenn er nicht irgendwo am Fluss zeltet, allein, oder in einem Kiewer Vorort unter freiem Himmel übernachtet, den Luftalarm im Halbschlaf registrierend, ist er auf den Wegen und Straßen unterwegs - was er sieht, gräbt sich ihm tief ein.

Nie hat Stasiuk die Versehrtheit dieser geliebten Landschaft so genau benannt wie hier, im Schatten des großen, von Russland begonnenen Landkriegs. Ein packendes, drängend formuliertes Buch über das osteuropäische Heute.

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Personeninformation

Andrzej Stasiuk, der in Polen als wichtigster jüngerer Gegenwartsautor gilt, wurde 1960 in Warschau geboren, debütierte 1992 mit dem Erzählband Mury Hebronu (Die Mauer von Hebron), in dem er über seine Gewalterfahrung im Gefängnis schreibt. Stasiuk wurde 1980 zur Armee eingezogen, desertierte nach neun Monaten und verbüßte seine Strafe in Militär- und Zivilgefängnissen. 1986 zog er nach Czarne, ein Bergdorf in den Beskiden.

1994 erschienen Wiersze milosne i nie (Nicht nur Liebesgedichte), 1995 Opowiesci Galicyjskie (Galizische Erzählungen) und Bialy Kruk (Der weiße Rabe; 1998 bei Rowohlt Berlin), 1996 der Erzählband Przez rzeke (Über den Fluss; diesem Band ist Die Reise entnommen) und 1997 Dukla.

2002 erhält er den von den Partnerstädten Thorn (Polen) und Göttingen gemeinsam gestifteten Samuel-Bogumil-Linde-Literaturpreis. Den literarischen Jahrespreis Nike erhielt Andrzej Stasiuk 2005 für sein Buch Unterwegs nach Babadag.

Sein vielfach ausgezeichnetes Werk erscheint in 30 Ländern. 2016 wurde er mit dem Staatspreis für europäische Literatur 2016 ausgezeichnet.

Renate Schmidgall, geboren am 26. März 1955 in Heilbronn, ist deutsche Übersetzerin polnischer Literatur und lebt in Darmstadt. Sie studierte Slawistik und Germanistik in Heidelberg und war anschließend als Bibliothekarin am Deutschen Polen-Institut beschäftigt. Von 1990 bis 1996 arbeitete sie dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Seither ist sie als freie Übersetzerin tätig.

Pressestimmen

»All das, die Geschichte und ihre Toten, die Natur, den Zauber des Unterwegsseins, hat Stasiuk im Griff. Er ist kein Metaphysiker, aber ein Augenblicksverzauberer.« Süddeutsche Zeitung 20260422
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