Die sieben Todsünden

Menschheitswissen für das Zeitalter der Krise | Das neue Buch der NDR-Sachbuchpreisträgerin
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Buchprofile - Rezension
Wie aktuell sind die sieben Todsünden heute noch?
Aus der Vergangenheit lernen und den Herausforderungen der Gegenwart mit traditionellem Wissen begegnen – so lautet der Denkansatz von Annette Kehnel. Die Professorin für mittelalterliche Geschichte an der Universität Mannheim orientiert sich dafür an den sieben Todsünden und der jeweiligen Deutung im Laufe der Zeit. Das Buch gliedert sich, neben einer kurzen Einführung und einem Schlusskapitel, in diese sieben Verfehlungen des Menschen. Durch die Neuinterpretation der Todsünden gelingt der Autorin der Spagat zwischen Antike, Mittelalter und Gegenwart und nebenbei auch eine kleine Beschreibung der menschlichen Psyche. So beispielsweise bei dem Kapitel der Völlerei (Gula), das unter anderem die Frage aufwirft: "Wann eigentlich wurde täglicher Fleischgenuss Normalität?" (S. 83). In der Antike verzichteten die Pythagoreer oder auch Gladiatoren aus unterschiedlichen Gründen auf den Genuss von Fleisch, Christen essen seit dem Mittelalter und zum Teil bis heute freitags kein Fleisch und dennoch erregte der Vorschlag eines fleischfreien Tags in den Betriebs- und Schulkantinen vor einigen Jahren in Deutschland die Gemüter. Die Vorteile eines solchen Verzichts sind seit Jahrtausenden bekannt und dennoch fällt es uns heute umso schwerer, Verzicht zu üben. Dies läge, so die Autorin, an der prägenden Todsünde des 21. Jahrhunderts, der Trägheit (Acedia). Demnach wisse man, was zu tun ist, beispielsweise in Sachen Ernährung, Klimaschutz oder Konsumlust, sei aber immer unfähiger zu handeln. – Die Leser:innen dieses Buchs erwartet ein spannender Ritt durch die Geschichte der menschlichen Verfehlungen. Der Bezug zur Gegenwart bleibt dabei immer bestehen und verdeutlicht, dass ein Blick in die Vergangenheit immer lohnt.
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Artikelbeschreibung

Altes, wiederentdecktes Menschheitswissen - das uns neue Orientierung gibt

Wir leben im Zeitalter der Krise - und haben doch kaum eine Vorstellung davon, wie wir dem Imperativ des «Immer mehr» entkommen können. Dabei kannten unsere Vorfahren, wie Annette Kehnel zeigt, doch Mittel und Wege. Sie nimmt uns mit auf eine Reise in die Antike und ins Mittelalter, wo sie jahrtausendealtes Menschheitswissen entdeckt - ausgerechnet in den sieben Todsünden, die sie als Lehre vom Umgang mit der Naturgewalt Mensch neu interpretiert. Jede der Todsünden spiegelt eine Bedingung unserer menschlichen Existenz: So geht es bei luxuria (Wollust) letztlich um maßvollen Konsum, bei avaritia (Habgier) um die Einsicht, dass Besitz und Reichtum beschränkt werden müssen; ira (Zorn) bearbeitet Aggression und Gewalt, invidia (Neid) die Kehrseite von ungezügeltem Wettbewerb und superbia (Hochmut) unser Streben nach Status und Macht.

Ein überraschend aktuelles Bild des Menschen, das auf Balance, Resonanz und Ausgleich zielt - ein neuer Deutungshorizont für unsere Zeit und ihre Herausforderungen. Das in der Todsündenlehre gespeicherte traditionelle Wissen weist einen Weg, mit unserer destruktiven Seite umzugehen. Kehnel birgt dieses Wissen für die Gegenwart und zeigt, wie wir damit uns und die Welt verändern.

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Personeninformation

Annette Kehnel studierte Geschichte und Biologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, am Somerville College Oxford und an der LMU München. Ihr Promotionsstudium am Trinity College Dublin widmete sie der Erforschung irischer Klostergemeinschaften, anschließend arbeitete sie an der TU Dresden, wo sie sich im Jahr 2004 habilitierte. Seit 2005 ist sie Inhaberin des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Mannheim. Ihr Buch «Wir konnten auch anders» (2021), in dem Kehnel mittelalterliches Nachhaltigkeitswissen für die Gegenwart birgt, wurde zum «Spiegel»-Bestseller und mit dem NDR-Sachbuchpreis ausgezeichnet.

Pressestimmen

Kehnels Buch ist ein Schatz an Erfahrungswissen ... Angesichts aktueller Krisen in die Vergangenheit zu blicken, ist konstruktiv und erweitert den Horizont. Bücher am Sonntag (Beilage NZZ am Sonntag) 20250330
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