Schwarze Samstage

Roman eines Jahres
24,00 €
(inkl. MwSt.)
Versandkostenfrei in DE
Sofort lieferbar
Buchprofile - Rezension
Im Fadenkreuz des Schreibens: Maxim Billers Denkschrift über die Ursachen von Antisemitismus, die Folgen des 7. Oktober und jüdisches Leben in Deutschland.
Maxim Biller schreibt unbequem und widerborstig. Seine Bücher sind Denkzettel im besten Sinne: Sie spitzen zu und gehen in die Tiefe, die Polemik weitet sich durch poetische Formulierungen. Auch sein neues Buch ist eine hochanregende und nachdenklich machende Denkschrift. Sie beschäftigt sich mit den Gründen für aggressiven Antisemitismus, mit jüdischem Leben angesichts des Terror-Angriffs der Hamas am 7. Oktober 2023. Dieser „schwarze Samstag“, der „Schabbat ha-Schchora“, an dem der „Schalom“-Gruß pervertiert wurde zur Kriegserklärung, wird in eine Reihe von Israel-Feindschaften gestellt, die lang ist und voll von Pogromen, Vernichtungstheorien, Inquisitionen, von Antisemitismus und geplantem Genozid. Für Maxim Biller ist es legitim und notwendig, historische Vergleiche zu ziehen: was die Nazis vom Holocaust zu verbergen trachteten (wie ein „Staatsgeheimnis“, so schreibt er), machten die Terroristen vom 7. Oktober als Horror-„Event“ publik. Selten gibt es erhellende Momente. Dann kommt der zwischen Deutschland und Israel pendelnde Ich-Erzähler Ari, der wesentliche Züge mit dem Autor teilt, aber mit diesem nicht in eins fällt, auf einen universal friedfertigen Zukunftsort „ohne Angst, ohne Verfolgung“ zu sprechen, auf eine Heimat ohne Verlustangst, auf familiäre Zugehörigkeiten, auf Freundschaften, die Gegensätze aushalten. Überhaupt sind es Zweifel und Gegensatz, die die biographischen und essayistischen Teile des Buches zusammenhalten. Der Autor bezeichnet sich selbst einmal als „atheistischen Talmudisten“: als jemand, der nicht an Gott glauben muss, um jüdische Geschichte und Bibel auszulegen, und der Celans – 2024 von Herta Müller wiederholte – Formulierung „Ich kann mir eine Welt ohne Israel nicht vorstellen“ beleuchtet. Wer Biller liest, muss nicht überall mitgehen, zumal wenn streitlustig übertrieben wird, etwa was Carolin Ehmke oder Jan Assmann angeht. Biller warnt vor hochfliegenden Erwartungen an jüdische „Weltenretter“ ebenso wie vor blinder Deutschlandliebe. – „Schwarze Samstage“ ist ein schwerwiegendes Buch, das an der Geschichte der Juden in Deutschland und in Israel trägt und an den Erfahrungen und Argumenten wächst, an denen der Reportage-Erzähler sich abarbeitet.
Weiterlesen

Artikelbeschreibung

Eigentlich dachte Ari, der Ich-Erzähler von Maxim Billers neuem Roman, Ende der siebziger Jahre sei das Schlimmste vorbei gewesen: Nach ihrer Flucht aus der kommunistischen Tschechoslowakei, wo sein Vater als Jude und Zionist vom Geheimdienst überwacht wurde, landeten er und seine Familie in einer Hamburger Altbauwohnung im legendären Grindelviertel. Wo früher ein blühendes jüdisches Leben war, saßen bei Aris Ankunft linke Gymnasiasten und Studenten der Nach-68er-Generation in Cafés und Seminarräumen und träumten vom Ende Israels. Als er dann aber 1982, zu Beginn des goldenen Pop-Jahrzehnts, zum Studieren nach München weiterzog, schienen sich die Wolken des neualten Judenhasses verzogen zu haben. Dass der wiederkommen würde, offener, radikaler, hätte Ari nie gedacht - bis zu dem Tag im Oktober 2023, an dem Hamas-Terroristen, erfüllt von tiefreligiöser, exterminatorischer Wut, den Süden Israels überfielen. Woher, fragte sich Ari seitdem, kommt der ewige Wunsch der anderen nach der völligen Vernichtung der Juden? Dieser nachdenkliche, mitreißende, hochpoetische Roman, den man auch als Prequel zu Maxim Billers gefeiertem Memoir »Der gebrauchte Jude« lesen kann, gibt auf diese Frage eine überraschende und zugleich sehr reflektierte Antwort.

Produktsicherheit

Hersteller: Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co. KG
Anschrift: Bahnhofsvorplatz 1
DE-50667 Köln
Kontakt: produktsicherheit@kiwi-verlag.de

Personeninformation

Maxim Biller, geboren 1960 in Prag, Autor vieler Romane, Theaterstücke und Essays. Billers Bücher wurden in neunzehn Sprachen übersetzt. Schon nach seinem literarischen Debüt »Wenn ich einmal reich und tot bin« wurde er von der Kritik mit Heinrich Böll, Wolfgang Koeppen und Philip Roth verglichen. Seine Great Jewish Novel »Biografie« (2016) nannte die SZ sein »Opus Magnum«, der Bestseller »Sechs Koffer« (2018) stand auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis. Und über »Mama Odessa« (2023), den großen Familienroman, hieß es in der NZZ, Biller feiere darin »die Vitalität des Erzählens«.

Pressestimmen

»Es ist dieses 'Sie sind hier falsch' des neuen und alten Antisemitismus, das Maxim Biller zitiert. Es muss allen Angst machen.« Paul Jandl NZZ 20261012
Mehr von Biller, Maxim

Bewertungen

Die Bewertungen werden vor ihrer Veröffentlichung nicht auf ihre Echtheit überprüft. Sie können daher auch von Verbrauchern stammen, die die bewerteten Produkte tatsächlich gar nicht erworben/genutzt haben.