Die Entdeckung allen Lebens

Carl von Linné, Georges-Louis de Buffon und der abenteuerliche Wettstreit zur Erforschung der Natur im 18. Jahrhundert. Ausgezeichnet mit dem Pulitzer Preis 2025
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Buchprofile - Rezension
Gut lesbare, im Detail ungleichgewichtige Doppelbiografie der beiden Botaniker und Naturforscher.
Anders, als der deutsche Untertitel andeutet, steht in Jason Roberts Buch nicht die Erforschung der Natur im Mittelpunkt, sondern deren Ordnung. Bis heute werden Lebewesen, Pilze und Pflanzen nach dem lateinischsprachigen System des schwedischen Botanikers Carl von Linné (1707-1778) kategorisiert und organisiert, auch wenn dessen Strenge und Rigidität dem kreativen Chaos der Natur in gewisser Hinsicht widerspricht. Ob es nicht auch anders hätte kommen können? Eine heute nicht nur in Deutschland fast vergessene Gestalt war der Franzose Georges-Louis de Buffon (1707-1788). Dieser, ebenfalls vor allem ein Botaniker, war in vielem eine Antipode zu Linné, er war wohlhabend, elegant, redegewandt, mehr Philosoph als strenger Naturwissenschaftler. Seine 44 Bände umfassende Naturgeschichte vermeidet die strengen Ableitungen des Linnéschen Systems. Zwar gingen beide, Linné und Buffon, von falschen Voraussetzungen aus (etwa dass es nur wenige tausend Tier- und Pflanzenarten gäbe), Buffon aber lehnte die Möglichkeit einer konsequenten Taxonomie ab und kann als ein früher Vordenker der Evolutionstheorie gelten. Was nun, wenn sich von vornherein die Natursicht Buffons durchgesetzt hätte und nicht die Linnés? Dieser Frage geht der Journalist und Sachbuchautor Roberts in seinem Buch nach. Rund 2/3 des Buches ist dabei eine parallel erzählte Doppelbiografie Linnés und Buffons. Leben, aber auch Denken beider Forscher werden dabei in zahlreichen Vignetten gegenübergestellt. Roberts gelingen dabei eindringliche Schilderungen. Freilich sind seine Sympathien eindeutig auf Seiten des weltgewandten Buffon, seine Beschreibung Linnés grenzen teilweise fast an Rufmord. Die Schwarzweiß-Malerei Roberts tut dem Werk jedenfalls nicht gut, das letzte Drittel hätte eine sachkundige redaktionelle Betreuung nötig gehabt. Trotzdem kann das Buch zumindest größeren Büchereien empfohlen werden, da es insgesamt an gut lesbaren Sachbüchern zu Linné oder Buffon im Deutschen mangelt.
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Artikelbeschreibung

Pulitzer-Preis 2025

Wer schafft es, alles Leben auf der Erde zu finden? Der weltumspannende Wettstreit zweier bedeutender Wissenschaftler

Im 18. Jahrhundert verschrieben sich zwei Männer unabhängig voneinander einem spektakulären Ziel: zum ersten Mal alles Leben auf der Erde zu finden, zu beschreiben und zu benennen. Ihre Wege jedoch hätten unterschiedlicher nicht sein können. Carl von Linné (1707-1778), ein gottesfürchtiger schwedischer Arzt, glaubte, dass alles im Leben in ordentliche, feste Kategorien gehörte. Georges-Louis de Buffon (1707-1788), universalgelehrter Aristokrat und Landschaftsgärtner der französischen Krone, betrachtete das Leben als einen dynamischen Wirbel voller Komplexitäten. Beide glaubten, ihre Mission wäre ambitioniert, aber nicht unmöglich. Die Erde konnte doch wohl kaum mehr als ein paar tausend Spezies beheimaten - oder mehr, als auf die Arche Noah passten? Von der Artenvielfalt überwältigt, sollten beide scheitern. Doch ihre Sicht auf die Natur und die Welt veränderte unser wissenschaftliches Verständnis von der Erde essenziell - und ihre Gegensätze wirken bis heute fort.

Über ein Jahrzehnt lang recherchierte und kompilierte Jason Roberts die packende Geschichte eines naturwissenschaftlichen Wettlaufs, so facettenreich und staunenswert wie die Natur selbst.

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Anschrift: Neumarkter Straße 28
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Personeninformation

Jason Roberts ist als Journalist, Literaturkritiker und Gastdozent u. a. an der Stanford University tätig. 2005 erhielt er den in diesem Jahr von Michael Chabon ins Leben gerufenen Van Zorn Prize, der an junge Schriftsteller vergeben wird. Sein erstes Buch »Die ganze Welt im Sinn: Wie der blinde James Holman zum größten Reisenden der Geschichte wurde« (2009) war für den National Book Critics Circle Award und den Guardian First Book Award nominiert. Roberts lebt mit seiner Familie in Kalifornien.

Pressestimmen

»Ein fesselndes Buch, das zum Nachdenken anregt!« The New York Times
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