Die Erinnerung nicht vergessen

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Buchprofile - Rezension
Autobiografische Erinnerungen und zeitkritische Gedanken der russischen Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja.
Die Autorin musste vor dem aktuellen russisch-ukrainischen Krieg nach Berlin emigrieren und gehört zu den öffentlichen Kritikerinnen der russischen Führung. In ihrem autobiografischen Buch, das sehr gut aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt und Christina Links übersetzt wurde, mischen sich persönliche Erinnerungen mit zeit- und gesellschaftskritischen Analysen. Ob es um die frühen Kindheitserinnerungen in ihrer Mehrgenerationenfamilie in Moskau geht, um Freundeskreise, um Alltägliches wie die Wiederverwertung von Kleidung und deren Bezug zum sowjetischen Dasein, es entstehen aus der Perspektive einer fast 80-jährigen Biologin und Schriftstellerin interessante Einblicke in ein bewegtes Leben, das sich jedem Klischee entzieht. Im 2. Teil des Buches weitet sich der Blick auf die Frage individueller Freiheit in totalitären Staatssystemen und auf die persönliche Haltung der Autorin zu Religionen. Für sie ist das Scheitern sozialer Mythen und auch von Kapitalismus und Sozialismus Realität, ohne dass eine neue Lebensform schon erkennbar ist. Das Buch endet mit dem Appell, gewohnte Begrifflichkeiten wie Liebe, Hass, Mitgefühl und Freundschaft neu zu bewerten, um nicht immer wieder in Kriegen zu enden (vgl. S. 189). Tagebuchausschnitte und ein aktuelles Interview mit der Autorin zum Krieg Russlands mit der Ukraine ergänzen die autobiografischen Teile des Buches. Es leistet einen wichtigen Beitrag im Blick auf den kulturellen Dialog zwischen Deutschland und Russland.
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Artikelbeschreibung

Private Aufzeichnungen, biografische Erinnerungen, politische Reflexionen: Ljudmila Ulitzkaja setzt ihre autobiografische Prosa nach "Die Kehrseite des Himmels" in die Gegenwart fort. Persönliche Notizen über ihre Familie, über Herkunft und Glauben, über den eigenen Körper und seine Narben stehen neben den drängenden Fragen zur politischen und ökologischen Situation. Im Frühjahr 2022, kurz nach Putins Überfall auf die Ukraine, zog Ulitzkaja aus Moskau nach Berlin. Das Verbot von "Memorial" beschäftigt sie ebenso wie das Verhältnis von Individuum und Staat im Totalitarismus. Ein offenes, ehrliches und kompromissloses Plädoyer für eine bessere Erinnerungskultur, das die Autorin selbst mit Leben füllt.

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Hersteller: Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG
Anschrift: Vilshofener Straße 10
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