Alles, was wir nicht erinnern

Zu Fuß auf dem Fluchtweg meines Vaters. Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2022 in der Kategorie Sachbuch (Shortlist)
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Vera Lang empfiehlt:

Christiane Hoffmann begibt sich 2020 – 75 Jahre später – auf den 550 km langen Fluchtweg ihres verstorbenen Vaters vom ehemaligen Schlesien nach Westen. Sie macht auf dem Weg an den Orten halt, die auch Zwischenstationen für den Treck waren und spricht dort mit Menschen, um einen Eindruck von den Strapazen zu bekommen. Wie ein Kredo zieht sich dabei die Frage und Antwort „Allein? – Allein. Zu Fuß? – Zu Fuß.“ durch den Text. Sie tut dies, weil sie wissen will, wie Deutsche, Polen und Tschechen mit der Vergangenheit umgehen. Und weil die Erlebnisse des Vaters ihre Identität auch ein Stück weit ausmachen und deshalb nicht in Vergessenheit geraten dürfen. Die Beschreibungen der Zustände, das schnelle Aufbrechen, die Hoffnung der Menschen, vielleicht „nachher“, nach dem Krieg, eines Tages, wieder zurück nach Rosenthal zu können, lassen sich leider zum Teil 1:1 in die momentane Lage der ukrainischen Flüchtlinge übertragen. Die Lektüre ist daher keinesfalls eine leichte, dafür aber umso wichtiger. Weil wir nur, wenn wir verstehen, was der Verlust von Heimat bedeutet und nicht vergessen, weil wir dann den ersten Schritt für eine Veränderung machen.

Vera Lang, Medienberaterin Kinder- und Jugendbuch

Artikelbeschreibung


DIE FLUCHT DES VATERS - EINE NACHWANDERUNG NACH 75 JAHREN

«Zu Fuß?» «Zu Fuß.» «Allein?» «Allein.» Christiane Hoffmanns Vater floh Anfang 1945 aus Schlesien. 75 Jahre später geht die Tochter denselben Weg, 550 Kilometer nach Westen. Sie kämpft sich durch Hagelstürme und sumpfige Wälder. Sie sitzt in Kirchen, Küchen und guten Stuben. Sie führt Gespräche mit anderen Menschen und mit sich selbst. Sie sucht nach der Geschichte und ihren Narben. Ein sehr persönliches, literarisches Buch über Flucht und Heimat, über die Schrecken des Krieges und über das, was wir verdrängen, um zu überleben.
Deutschland in den 1970er Jahren. Unter dem Tisch sitzen die Kinder. Oben seufzen die Erwachsenen, essen Schnittchen und reden über die verlorene Heimat. Sie geben ihre Verletzungen und Alpträume weiter an die nächste Generation. Nach dem Tod des Vaters kehrt die Tochter in das schlesische Dorf mit dem malerischen Namen zurück, nach Rosenthal, das jetzt Rózyna heißt. Am 22. Januar 2020 bricht sie auf und geht noch einmal den Weg seiner Flucht. Was bleibt heute vom Fluchtschicksal? Wie gehen Familien, wie gehen Gesellschaften, Deutsche, Polen und Tschechen mit der Vergangenheit um? Christiane Hoffmanns Buch holt die Erinnerung an Flucht und Vertreibung ins 21. Jahrhundert, es verschränkt ihre Familiengeschichte mit der Historie, Zeitzeugenberichte mit Begegnungen auf ihrem Weg. Doch es ist vor allem ein sehr persönliches Buch, geschrieben in einer literarischen Sprache, die Suche einer Tochter nach ihrem Vater und seiner Geschichte.

  • Ein berührendes, emotionales Buch über ein bis heute schwieriges Thema
  • Ein Fünftel der deutschen Bevölkerung erlebte nach dem Zweiten Weltkrieg Flucht und Vertreibung
  • Was bedeutet der Verlust von Heimat, auch für die nachfolgenden Generationen?
  • Für alle Leser:innen von Sabine Bodes "Kriegskinder" und "Kriegsenkel", sowie Wolfgang Büschers "Berlin - Moskau"
  • Bekannte Autorin: regelmäßig zu Gast bei Anne Will, Maybrit Illner und Markus Lanz

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Personeninformation

Christiane Hoffmann ist Erste Stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung. Hoffmann studierte Slawistik, osteuropäische Geschichte und Journalistik in Freiburg, Leningrad und Hamburg. Sie arbeitete fast 20 Jahre für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» und berichtete als Auslandskorrespondentin aus Moskau und Teheran. Anfang 2013 wechselte sie als stellvertretende Leiterin ins Hauptstadtbüro des «Spiegel». Seit 2018 war sie dort Autorin und häufiger Gast in Rundfunk und Fernsehen. Hoffmann ist die Tochter zweier Flüchtlingskinder. Ihre Vorfahren väterlicherseits stammen aus Schlesien, die Familie ihrer Mutter aus Ostpreußen.
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