Im falschen Leben. Eine Jugend

Roman
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Buchprofile - Rezension
Die Geschichte einer radikalen kulturellen Verpflanzung – mit autobiografischen Zügen.
Zumindest die Eckdaten im Lebenslauf des Ich-Erzählers stimmen mit denen des Autors überein: eine Kindheit in einer Gutsbesitzerfamilie auf Haiti, die geprägt ist von einer tropischen Landschaft und von einer Mischung aus Katholizismus, Voodoo und Überlieferungen der Mutter über ihre afrikanischen Vorfahren. Durch Schergen des Diktators Duvalier wird die Familie ausgelöscht. Ein befreundeter Schweizer Arzt kann den Jungen retten und nimmt ihn mit nach Basel, in ein gutbürgerliches, ja wohlhabendes, von jüdischen Traditionen geprägtes Umfeld. Laut Klappentext treibt den Jugendlichen besonders die Frage um, ob er dem Judentum zugehörig ist. Er will das wohl zeitweilig bejahen, bis er in Israel einem ebenso dunkelhäutigen Falascha begegnet und die Ablehnung der jüdischen Gesellschaft gegen diese Minderheit aus Äthiopien spürt. In manchen Szenen kommen auch die Vorbehalte der feinen Basler Gesellschaft zum Vorschein; manche scheinen schon über seinen Namen und das ihrer Meinung nicht dazu passende Aussehen zu stolpern. – Der Autor ist Ende April wenige Tage vor dem Erscheinen des Buches verstorben. Im Gegensatz zum Romanhelden, der zwei Studiengänge wirft und kein Ziel zu haben scheint, hat er wohl seinen Lebensweg als Literaturwissenschaftler zielstrebig gefunden. Die Lektüre ist unter zwei Aspekten lesenswert. Zum einen, wie vom Verlag angegeben, als Auseinandersetzung damit, was jüdisch sein heißt. Zum anderen, wie groß der kulturelle Sprung zwischen der französisch geprägten agrarischen Oberschicht einer Karibikinsel und dem (Basler) Bürgertum mitteleuropäischer Prägung ist.
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Artikelbeschreibung

Haiti in den 1950er Jahren. Jean-Raoul ist sechs Jahre alt - dann zerbricht jäh seine unbeschwerte Kindheit. Bei einem brutalen Überfall der paramilitärischen Garden des Diktators François Duvalier werden seine Eltern getötet. Ein Freund der Familie rettet den Jungen in die Schweiz, wo ein ihm völlig unbekanntes, erschreckendes Leben beginnt. Er vermisst seine geliebte Mutter und fühlt sich fremd in einer Welt, die nicht seine eigene ist. Das Aufwachsen im Milieu des begüterten Basler Bürgertums ist von Angst und Einsamkeit geprägt. Eisiges Schweigen herrscht über die Ereignisse in Haiti. Im Haus Schöneck in der Basler Altstadt ist Jean-Raoul der grenzenlosen, verwöhnenden Liebe seines Beschützers ausgeliefert. Er wird als dem Judentum zugehörig erzogen, mit humanistischen Bildungsinhalten überschüttet und zu sportlichen Aktivitäten genötigt.Sein seelisches Trauma, das tiefempfundene Dilemma in der verzweifelten Suche nach der eigenen Identität und einer kulturellen Heimat, prägt seine Entwicklung. Allmählich gelingt es ihm, dem alltäglichen Rassismus mit bissigem Humor zu begegnen und der übergriffigen Beziehung standzuhalten, um unabhängig eigene Ziele zu verfolgen.

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