Den Methusalem-Bäumen gefällt es im Klosterwald
Es begann um 1700 mit einer Marienfigur im Hohlraum einer alten Eiche. Heute ist das Kirchlein, das wir in unserer fünften und letzten Rätsel-Folge suchen, der Lieblingswallfahrtsort vieler Münchner. Auch Papst Leo XIV. war schon hier.
Das alte Wallfahrtskirchlein besitzt auch einen Altar für Freiluftgottesdienste. Foto: © Ertl
Heute geht es hinaus ins Planegger Holz, an einen Gnadenort vor den Toren der bayerischen Landeshauptstadt. Seit 1953 ist an dem idyllischen Marienheiligtum der Augustiner-Orden mit einem kleinen Konvent ansässig. Entsprechend groß war heuer das Medieninteresse, als Papst Leo XIV., bekanntermaßen selbst Augustiner, zum neuen Pontifex gewählt worden war. Sogar die Maiandacht habe man an diesem Tag ausfallen lassen und die Kirchenbesucher stattdessen zum Fernsehschauen ins Kloster eingeladen, verrieten die Ordensbrüder. Gemeinsam habe man auf die Wahl ihres einstigen Ordensgenerals, der nun plötzlich Papst war, angestoßen. Und natürlich, so fügte man seinerzeit stolz hinzu, habe Leo XIV. als Augustiner-Oberer auch mehrmals das kleine Waldheiligtum besucht.
Die Geschichte unseres Gnadenorts freilich geht viel weiter zurück. Um das Jahr 1712, einige Jahre hin oder her spielen keine Rolle, sollen die Schmiedbuben Franz und Kaspar Thallmayr in dieser Gegend eine kleine Marienstatue mit Jesuskind in die hohle Stelle einer Eiche gestellt haben. Diese überwucherte das Bildnis bald mit ihrer Rinde, so dass nur noch das Gesicht der Muttergottes erkennbar war. 1733 wurde die Taglöhnerin Katharina Mergerin, nachdem sie hierher gepilgert war, auf Mariens Fürbitte hin gesund.
Der Hirsch im Waldheiligtum
Als anno 1734 Georg Wastian, der bereits zwei seiner Buben verloren hatte, hier um das Leben seiner dreijährigen Tochter betete, gelobte er den Bau einer Kapelle. Das Kind überlebte und Wastian erfüllte sein Gelübde. Die zum Gnadenbild gewordene Statue löste er aus dem Stamm heraus und stellte sie in der Kapelle auf – damals noch ein offener Holzverschlag mit ein paar Betschemeln. Ja, und dann war da auch noch jener Hirsch, der vor 250 Jahren, am 12. Oktober 1775, vom bayerischen Kurfürsten Max III. Joseph durch den Forst gehetzt wurde. Die Hundemeute stellte ihn just am Waldheiligtum. Doch, oh Wunder, der Fürst und seine Jagdgesellschaft verschonten das Tier, das hier den himmlischen Schutz Mariens gesucht hatte. Eine Votivtafel an der Außenseite der alten Kapelle erinnert an das legendäre Geschehen.
Lange Zeit ragte aus dem Kapellendach die Krone jenes Baums, der dem Ort mit seinen Namen gab. Bis bei einem Sommergewitter 1805 der Blitz einschlug und ihn zerstörte. Heute ist ein Rest des Stammes im Halbdunkel eines kleinen Raums hinter der alten Wallfahrtskirche zu besichtigen. Gläubige Menschen haben dort in rührender Weise ihre Gebete und Bitten auf Zetteln an Decke und Wände geheftet.
Interessant ist die neue Kirche, 1958 vom Münchner Weihbischof Johannes Neuhäusler geweiht. Sie wurde 2008 aufwendig renoviert und umgestaltet. Heute sitzt hier eine Marienstatue aus hellem Zirbelholz, unbemalt, auf einem rohen unbehauenen Felsblock wie am Wegesrand. Die Münchner Künstlerin Carola Heine schuf diese jugendliche Gottesmutter mit Kurzhaarfrisur. Sie trägt ein vergoldetes Jesuskind frei auf dem Schoß. Ein Vögelchen hat auf ihrer ausgestreckten linken Hand Platz genommen.
Blick in die Gnadenkapelle mit Muttergottesfigur und Votivtafeln. Foto: © Ertl
Bis zu 300 Jahre alte „Methusalem-Eichen“
Eine biologische Besonderheit ist der Wald um das Augustinerkloster: Hier wachsen zahlreiche bis zu 300 Jahre alte „Methusalem-Eichen“ und Hainbuchen. Jahrhundertelang genossen Eichen in den Wäldern rund um die heutige Landeshauptstadt wegen ihres stabilen Holzes und ihrer nahrhaften Früchte fürstlichen Schutz. Heute existieren nur noch wenige Relikte dieser ehemals verbreiteten „Hutewälder“. Im Klosterwald ist diese Vergangenheit noch erlebbar. Teils absterbende, vereinzelt auch bereits tote Eichen sind vor allem Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten in einer großen Fülle.
Bei Kartierungen im Jahr 2015 wurden hier 240 Holz bewohnende Käferarten, davon 88 auf der Roten Liste, gefunden. Außerdem wurden neun Fledermausarten, 26 Vogelarten sowie weitere 200 nicht Holz bewohnende Käferarten festgestellt. Das Gebiet spielt somit eine herausragende Rolle für die Wald-Biodiversität in Bayern. Infotafeln erläutern Besuchern die Bedeutung des Areals.
Unter Federführung der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt München wurde 2016 für ein rund 40 Hektar großes Waldgebiet um das Augustinerkloster ein Schutzkonzept zum langfristigen Erhalt der wertvollen „Methusalem-Eichen“ erarbeitet. Die verantwortlichen Träger – eine Projektallianz aus den Bayerischen Staatsforsten, dem Forstbetrieb der Erzdiözese München und Freising, den Brüdern des Augustinerklosters, dem Landkreis München und der Gemeinde Planegg – setzen es seit 2017 Schritt für Schritt gemeinsam um. Im April 2019 folgte die Auszeichnung als offizielles Projekt der „UN-Dekade Biologische Vielfalt“.
Und mit „Methusalem-Eiche“ sind Sie gar nicht mehr weit vom Namen unseres idyllischen Waldheiligtums entfernt.
Preisfrage Folge 5: Wie heißt unser heute gesuchtes Heiligtum?



