Raten und Gewinnen
14.08.2025

Voller Hoffnung hinauf auf den Berg

Folge 4 unseres Sommerrätsels führt an den östlichen Rand des Bistums Eichstätt, in die Oberpfalz. Es geht zu einem vielbesuchten Pilgerort der Diözese – mit gleich zwei Gotteshäusern.
    

Dichter grüner Mischwald überzieht den Berg, auf dem sich eine der bedeutendsten Wallfahrten des Bistums Eichstätt befindet. Dichter grüner Mischwald überzieht den Berg, auf dem sich eine der bedeutendsten Wallfahrten des Bistums Eichstätt befindet. Foto: © Maike Eikelmann
Ein Kirchturm mit Zwiebelhaube, der aus dem Wald ragt, und ein rotes Ziegeldach – mehr ist vom Tal aus nicht zu sehen von der Wallfahrt auf dem Habsberg. Dort, ganz im Osten des Bistums Eichstätt, findet man auf 621 Metern Höhe neben der Rokoko-Wallfahrtskirche die kleinere Gnadenkapelle sowie ein diözesanes Jugendtagungshaus. Viele Fußwallfahrergruppen ziehen jedes Jahr die Anhöhe hinauf, auch aus der Nachbardiözese Regensburg und aus dem Erz-bistum Bamberg. Die Bikerszene hat den Berg ebenfalls für sich entdeckt und startet dort jedes Frühjahr mit Gottes Segen in die neue Motorradsaison. Im Mittelalter war auf der Bergkuppe eine kleine Burg gestanden, die aber schon im 15. Jahrhundert bis auf wenige Überreste verfallen war. Warum an selbiger Stelle im Jahr 1680 ein Gotteshaus errichtet wurde, erzählen alte Quellen: Johann Panzer, Amtspfleger auf der nahe gelegenen Burg Helfenberg, war von einer schweren Gicht geplagt. Der Legende nach flehte er die Marienfigur in seinem Krankenzimmer um Hilfe an und hörte schließlich nachts eine Stimme, die ihn aufforderte, auf dem Habsberg eine Kapelle zu errichten. Er ließ sich hinauftragen und kaufte die Bergkuppe dem Besitzer, einem Bauern, ab. Seine Ma-rienfigur wurde als Gnadenbild in die neu erbaute Kapelle gebracht, er erfuhr Heilung, was sich schnell herumsprach und die Gläubigen in Scharen den Berg hochziehen ließ. Als der Pilgerstrom nach Jahrzehnten langsam versiegte, bildete sich 1727 eine neue Wallfahrtslegende, die Bistumschronist Franz Xaver Buchner mit folgenden Worten beschreibt: „Ein mittellos gewordener Bauer will sich auf dem Habsberg aufhängen, betet aber zuvor in der Kapelle. Wie er sich erhängt, erscheint ihm die Muttergottes, gibt ihm eine Maulschelle [= Ohrfeige], zerreißt den Strick und sagt ihm, er solle heimgehen, er werde Hilfe erlangen.“
     

Ein Relief zeigt den Stifter, Johann Panzer. Ein Relief zeigt den Stifter, Johann Panzer. Foto: © Norbert Staudt

Pilger auch aus Nachbardiözesen

Die Kapelle platzte ob solcher Mirakelberichte aus allen Nähten. Obwohl die Gräfin Maria Anna Katharina von Tilly-Montfort das kleine Gotteshaus 1731 erweitern ließ, wurde es bald erneut zu klein, so dass man 1761 mit dem Bau einer zweiten, größeren Kirche begann. 1767 war sie wohl schon vollendet, denn alten Quellen zufolge hielt in jenem Jahr der Leib des frühchristlichen Märtyrers Fortunatus Einzug. Auf Initiative einer Adelsfamilie waren die Gebeine aus Rom auf den Habsberg geholt worden. Bis heute sind sie in einem gläsernen Schrein zu sehen – kein Anblick für allzu zart Besaitete. Ähnliches gilt für eine Szene des Deckenfreskos: Es zeigt den legendären Lebensmüden mit dem Strick um den Hals. Offensichtlich war es beim Bau der Wallfahrtskirche zum Knatsch mit dem Ordinariat Eichstätt gekommen: Der Streit um Genehmigungen und Zuschüsse führte so weit, dass die Konsekration und das Ab-halten von Gottesdiensten nicht gestattet wurden. Erst 1773 wurde dieses Interdikt aufgehoben. Allerdings kam kein Bischof zur Weihe, sondern man beauftragte den Stadtpfarrer von Neumarkt. Heute sind die Streitereien längst vergessen, der Habsberg ist zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Diözese geworden. Rund 40 Gruppen ziehen jedes Jahr hinauf, darunter die Belegschaft des Neumarkter Klinikums. Festprediger bei der Er-öffnung des Wallfahrtsjahrs war heuer der Bamberger Erzbischof, zur großen Frankenwallfahrt am 13. September kommt der Regensburger Bischof.
    

Szene aus dem Deckenfresko der Hauptkirche Szene aus dem Deckenfresko der Hauptkirche Foto: © Norbert Staudt

Eigens für das Heilige Jahr entworfener Besinnungsweg

Anfang der 1960er Jahre errichtete das Bistum auf dem Habsberg ein Jugendhaus, zuletzt neu gestaltet im Jahr 2002. Gäste des Tagungshauses werden, wie auch Wallfahrer, von der direkt angeschlossenen Pilgergaststätte versorgt. Wiederholt veranstaltete die Diözese ihren traditionellen Schöpfungstag auf dem Habsberg. Optimale Ergänzung dazu ist das im Jahr 2007 am Fuß des Berghangs eröffnete Umweltbildungs- und Regionalentwicklungszentrum des Landkreises Neumarkt. Einen Abstecher wert ist auch der Friedhof zu Füßen der Wallfahrtskirche mit seinen schmiedeeisernen Kreuzen. Der Friedhof und das Umwelthaus sind zwei von insgesamt neun Stationen eines Besinnungsweges, den Wallfahrtsrektor Elmar Spöttle eigens für das Heilige Jahr entworfen hat. Alle Pilgerinnen und Pilger heißt er willkommen an dem Ort, den schon seit Jahrhunderten Menschen voller Hoffnung und Zuversicht aufsuchen.
   

Preisfrage Folge 4Wie nennt man die Wallfahrt am Habsberg?