Raten und Gewinnen
28.07.2025

Merkwürdig, unverwechselbar, mitten im Grünen

In der dritten Folge unseres Sommerrätsels suchen wir eine „Jubiläumskirche“ im Erzbistum München und Freising. Aufgrund der Randlage dürften viele sie nicht kennen, doch sie hat eine lange Wallfahrtstradition und beeindruckt mit einem ziemlich einzigartigen Aussehen.

Ein architektonisches Kuriosum inmitten einer idyllischen Landschaft stellt die rund 360 Jahre alte Wallfahrtskirche dar. Ein architektonisches Kuriosum inmitten einer idyllischen Landschaft stellt die rund 360 Jahre alte Wallfahrtskirche dar. Foto: © imago/imagebroker

Wir gehen in dieser Rätselfolge hart an die Grenzen des Erzbistums München und Freising und suchen eine „randständige“ Kloster- und Wallfahrtskirche. Und um das gleich mal zu klären: Nein, gemeint ist hier nicht die Basilika Heilig Kreuz der Benediktinerabtei Scheyern (die im Heiligen Jahr 2025 übrigens ebenfalls eine der sieben Jubiläumskirchen im Erzbistum ist!), sondern eine andere Kirche. Mit ihrer Scheyrer „Schwester“ hat sie nicht nur die diözesane Grenznähe, die Anwesenheit einer Ordensgemeinschaft und die Bedeutung als Pilgerziel gemeinsam, sondern auch ein unverwechselbares, charakteristisches Äußeres –wenn auch auf ganz andere Weise.

Doch zunächst zurück zur geografischen Lage. Wir befinden uns im „wilden Westen“ des Erzbistums, wo die Bistumsgrenze mit der politischen Grenze zwischen Schwaben und Oberbayern nicht durchgehend übereinstimmt. Daher gibt es hier sowohl oberbayerische Gebiete, die zum Bistum Augsburg gehören, als auch in Schwaben gelegene Landstriche, die kirchlich aber München und Freising unterstehen. In einer dieser politisch bereits in Schwaben gelegenen „Enklaven“ liegt die gesuchte Kirche.   

Blick in die Kuppel des sogenannten Apostelturms, dessen Vorbild das Pantheon war. Blick in die Kuppel des sogenannten Apostelturms, dessen Vorbild das Pantheon war. Foto: © imago/imagebroker

Ungewöhnliche Ortsnamen

Es ist eine entlegene Gegend voller ungewöhnlicher Ortsnamen. So finden sich in der näheren Umgebung unseres Wallfahrtsziels Dörfer und Gehöfte namens Xyger, Übelmanna, Sixtnitgern, Tödtenried und Teufelsberg, und nur 500 Meter von der Kirche entfernt entspringt auch noch eine Schwefelquelle. Doch kein Grund zur Sorge, wir befinden uns hier in einer wahrhaft lieblichen und romantischen Kulturlandschaft, was sich vortrefflich im nahe gelegenen Schloss Blumenthal zeigt – mit diesem sind auch die Ursprünge des gesuchten Gotteshauses verbunden.

Der in Blumenthal residierende Komtur des Deutschen Ordens Philipp Jakob von Kaltenthal fasste nämlich 1658 den Beschluss, in einem benachbarten Dorf zu Ehren der Gottesmutter die von uns gesuchte Kirche zu errichten. Dort war in den Jahren zuvor, noch im Dreißigjährigen Krieg, Außergewöhnliches geschehen: Eine um 1600 entstandene, in einem Bildstock verehrte hölzerne Pietà war 1632 von schwedischen Truppen schwer beschädigt und in ein Moor geworfen worden, aus dem sie ein braver Hirte barg. Dieser fand für das Gnadenbild in einem hohlen Obstbaum eine neue Heimat, und schon bald setzten Wunderheilungen und Erscheinungen ein.

„Erste Kuppelkirche nördlich der Alpen“

Dann kam der besagte Ordensritter, der in den 1660er Jahren an der Stelle des Baums mit dem wundertätigen Gnadenbild die mehrkuppelige, fast ostkirchlich anmutende Kirche bauen ließ – und zwar als eigenwilligen, unter anderem vom Pantheon in Rom inspirierten Zentralbau, der aus mehreren ineinander übergehenden Teilen mit jeweils rundem Grundriss besteht. Es ist ein Bau, der seinesgleichen sucht – unterschiedliche Quellen sprechen hierbei von der „ersten Kuppelkirche nördlich der Alpen“, von „einem der ersten Zentralbauten des Barocks in Bayern“ und einem „der phantasiereichsten Gebäude der neuzeitlichen europäischen Architektur und Zimmermannskunst“.

Der hohle Obstbaum mit dem Gnadenbild, um das sich eine Marienwallfahrt herausbildete, wurde in den Kirchenraum integriert und ist noch heute hinter dem Hochaltar erhalten. Wenige Jahre nach der Weihe der Kirche übernahmen Priester des Deutschen Ordens die Seelsorge der Gläubigen – bis zu den Wirren der Säkularisation, als der Orden den Ort verlassen musste. Damit die Kirche in den folgenden Jahrzehnten nicht verfiel, mussten die Bauern der Umgebung selbst ihr Geldsäckel öffnen und mit anpacken.
   

Wallfahrer haben zahlreiche Votivtafeln und Wachskerzen in die Kirche gebracht. Wallfahrer haben zahlreiche Votivtafeln und Wachskerzen in die Kirche gebracht. Foto: © imago/imagebroker

Einzelpilger immer willkommen

Ab 1867 lenkte der Kapuzinerorden für gut hundert Jahre die Geschicke der Kirche; die Brüder wohnten im direkt nebenan errichteten Kloster. Seit 1998 ist nun wieder der Deutsche Orden – derzeit mit zweidauerhaft im Konvent lebenden Ordensbrüdern – vor Ort ansässig und betreut dabei auch den ganzen Pfarrverband Altomünster seelsorglich, in dem die Kirche liegt.

Werfen wir nun noch einen Blick auf den aktuellen „Betrieb“ in der Kirche. Die Besichtigung ist täglich möglich, regelmäßige Gelegenheit zur Beichte und zur Teilnahme am Rosenkranzgebet sowie an der heiligen Messe besteht derzeit immer sonntags, montags und freitags. Darüber hinaus gibt es Trauungen, Konzerte und individuelle Messen für angemeldete Wallfahrtsgruppen. Aber auch als Einzelpilger ist man, gerade im Heiligen Jahr, natürlich immer willkommen.

Preisfrage Folge 3: Wie heißt die gesuchte Wallfahrtskirche?