Raten und Gewinnen
15.07.2025

Architektur soll Menschen zusammenführen

Die zweite Folge unseres diesjährigen Sommerrätsels fragt nach dem Namen einer der sechs Jubiläumskirchen, die das Bistum Eichstätt für das Heilige Jahr 2025 ausgewählt hat. Die Filialkirche der Pfarrei Weißenburgin Mittelfranken ist ein ausgefallenes Beispiel modernen Kirchenbaus.

Aus der Luft kann man die Form des Grundrisses der Kirche wohl am besten erkennen. Aus der Luft kann man die Form des Grundrisses der Kirche wohl am besten erkennen.

Überrascht sei er gewesen, dass man „seine“ Filialkirche zur Jubiläumskirche erkoren habe, sagt Dekan Konrad Bayerle auf Nachfrage: „Und ich habe mich sehr darüber gefreut.“ Neben dem Eichstätter Dom, den Wallfahrtskirchen Maria Brünnlein und auf dem Habsberg, und den beiden Basiliken in Herrieden und Ingolstadt ist das Weißenburger Gotteshaus zum „Hoffnungsort“ für Heilig-Jahr-Pilger bestimmt worden. Die „Jubiläumskirchen“ sind Orte der Wallfahrt und bieten die Möglichkeit, den Jubiläumsablass zu empfangen. Die Hoffnungsorte sollen aber auch ein größeres Publikum anziehen.

In Weißenburg hat man, wie an anderen Orten auch, ein Veranstaltungsangebot für das Heilige Jahr 2025 auf die Beine gestellt und mit einem Flyer beworben. „Natürlich steht hier nicht das Thema Ablass im Mittelpunkt“, erklärt Dekan Bayerle, „sondern viel stärker das gemeinsame Glaubensbekenntnis.“ Der Flyer sei im gesamten Pfarrverband Weißenburg-Wemding und von den örtlichen Medien beachtet und dankbar aufgenommen worden – „und einige Angebote wurden von Christen verschiedener Konfession besucht“.

Schutz und Macht vermittelt der Innenraum der Filialkirche in Weißenburg. Schutz und Macht vermittelt der Innenraum der Filialkirche in Weißenburg.

St. Willibald wird zu klein

Ökumene hat in Weißenburg Priorität, das erklärt sich leicht aus der Historie des Ortes. Die Stadt, ziemlich in der Mitte zwischen Ingolstadt und Ansbach gelegen, hat eine große Vergangenheit vom Römerlager über die Freie Reichsstadt und die Zugehörigkeit zu Kurbayern, Preußen und dem Königreich Bayern bis hin zu einem der Mittelzentren Westmittelfrankens mit aktuell rund 18.500 Einwohnern.

Im Jahr 1530 schloss Weißenburg sich der Reformation an und war dann gut 400 Jahre lang stark protestantisch geprägt. Die rund 200 Jahre zuvor geweihte Andreas-kirche – ein herausragendes Werk der süddeutschen Spätgotik – wurde zur lutherischen Stadtkirche. 1871 weihte man die Willibaldskirche, sie bot den Katholiken ausreichend Platz, wären nicht mit Ende des Zweiten Weltkriegs viele Heimatvertriebene nach Weißenburg gekommen. In St. Willibald wurde es eng, ein größeres Gotteshaus musste her. Nördlich der Altstadt konnte man einen Bauplatz erstehen, 1962 wurde der Grundstein für die neue Filialkirche und ein angrenzendes Pfarrzentrum mit Pfarrhaus, Kindergarten und Jugendheim gelegt. Zwei Jahre dauerte die Bauzeit, am 30. August 1964 weihte der Eichstätter Bischof Joseph Schröffer die Kirche.

Außenansicht der gesuchten Kirche Außenansicht der gesuchten Kirche

Vier Kirchen im Bistum Eichstätt

Die Pläne für den modernen Bau stammten vom Architekten Alexander von Branca (1919–2011). Der Sohn protestantischer Eltern war zum Katholizismus konvertiert und baute auch andernorts für die Kirche, für Pfarreien, Diözesen, Orden. Im Bistum Eichstätt hat er in den Jahren bis 1977 noch drei weitere Sakralbauten realisiert: die Pfarrkirche Heiligste Dreifaltigkeit in Nürnberg, die Marienkapelle auf Schloss Hirschberg und die Pfarrkirche St. Walburga in Heidenheim. Berühmt wurde er eher durch spätere Projekte, den Bau der Neuen Pinakothek und einiger U-Bahnhöfe in München, den Bau der deutschen Botschaft beim Vatikan, durch Bauten für Universitäten und Kommunen.

In Weißenburg zeigt von Branca sich den liturgischen Vorstellungen des eben zu Ende gegangenen Zweiten Vatikanischen Konzils, die noch gar nicht so recht in der kirchlichen Öffentlichkeit in Deutschland angekommen waren, mit seinem Entwurf weit voraus. Dem nicht unumstrittenen Gestaltungsleitsatz „form follows function“, der besagt, dass die Form eines Objekts von seiner Funktion, seinem Zweck abgeleitet werden sollte, wird er mit der Entscheidung für den Grundriss des Gebäudes in Weißenburg in frappanter Weise gerecht.

Diese mutige Entscheidung setzt beim Architekten freilich eine tiefe Beziehung zum Bauherrn, Wissen über seine Herkunft, seine Zwänge und Wünsche voraus. Von Branca hatte das nötige Verständnis und Gespür, das herauszufinden und herauszuarbeiten. Kirchengebäude hatten seiner Überzeugung nach außerdem die grundsätzliche Aufgabe, zu sammeln. In all seinen Bauten, auch den säkularen, versuchte er, Passanten wie Nutzer seiner Werke zusammenzuführen, ihnen das Gefühl des Eingeladenseins, des Angekommenseins zu geben.

(Michael Heberling)

Preisfrage Folge 2Wie heißt die gesuchte Filialkirche?