Der Massenmord in Kaunas - ein schwarzer Tag in der Stadtgeschichte
Am 25. November werden beim Michaelsbund Stolpersteine verlegt zum Andenken an die 20 Jüdinnen und Juden, die in diesem Haus gewohnt haben und Opfer der Nationalsozialisten geworden sind. Der Tag ist nicht willkürlich gewählt. Für München war der 25. November 1941 einer der schwärzesten Tage der Stadtgeschichte.
Der Historiker Andreas Heusler erklärt in dieser Podcastfolge, wie perfide die Nazis vorgegangen sind, um den ersten Deportationszug vorzubereiten, der aus München Richtung Osten fahren sollte. Die Gestapo hatte nämlich die Israelitischen Kultusgemeinde aufgefordert, sie sollten selbst die Liste der Jüdinnen und Juden erstellen, die deportiert werden sollten.
Transport Richtung Osten
Am 20. November verließ der Zug München. In ihm waren 998 Jüdinnen und Juden, darunter viele Kinder. Richtung Osten ging es, angeblich zu einem Arbeitseinsatz. Ziel war eigentlich das Ghetto in Riga. Aber dort war kein Platz mehr. Deshalb wurde der Zug umgeleitet nach Kaunas, in die zweitgrößte Stadt Litauens. Dort gibt es eine Festung und unter den Forts waren Verließe, in die die Menschen zunächst eingesperrt wurden. Weit weg von München, damit die Bevölkerung nicht sieht, was mit den Jüdinnen und Juden passiert.
Mörder wussten, was sie taten
Auch aus Berlin und Frankfurt waren 1.935 Menschen dorthin verschleppt worden. Am Morgen des 25. November gab SS Standartenführer Karl Jäger den Befehl, die Menschen aus den Verliesen zu holen, sie an eine Grube zu führen und mit Maschinengewehren zu erschießen. Jägerführte sehr akribisch Buch und deshalb weiß man, dass keiner dieses Massaker überlebt hat. „Die Täter, die diese Mordaktion befohlen haben und auch die, die sie durchgeführt haben, wussten sehr genau, dass sie himmelschreiendes Unrecht begehen und dass sie Massenmörder sind“, erklärt Andreas Heusler in der Podcast-Folge. Denn als die rote Armee näherrückte und die deutsche Wehrmacht sich zurückziehen musste, haben sie versucht, ihre Spuren zu verwischen: „Die SS hat jüdische Arbeitskommandos verpflichtet, die sterblichen Überreste zu exhumieren und zu verbrennen,“ so Heusler weiter.
Zwei Gedenktafeln erinnern an den Massenmord
Gegen Karl Jäger wurde erst 1959 ein Prozess eingeleitet. In der Untersuchungshaft hat er sich dann selbst das Leben genommen.
An die schrecklichen Ereignisse des 25.Novembers erinnern heute zwei Gedenktafeln. Eine am Fort IX in Kaunas. Eine zweite am Münchner Marienplatz.
Auch der Michaelsbund erinnert mit der Verlegung der Stolpersteine am 25.November an dieses Massaker, bei dem auch vier der Menschen gestorben sind, die in der Herzog-Wilhelm-Straße 5 gewohnt haben.



