Warum Berührung mehr ist als Nähe
Für Seelsorger Karl-Heinz Lehner beginnt echter Kontakt dort, wo wir uns wirklich berühren – im Alltag, in Beziehungen, im Leben.
Das Wort Kontakt verrät bereits, worum es geht: con – miteinander – und tangere – berühren. Wir können also dicht nebeneinander leben und doch völlig kontaktlos bleiben. Wirklicher Kontakt beginnt erst dort, wo wir uns berühren lassen: vom Denken, Fühlen und Wollen des anderen – respektvoll und wohlwollend.
Der Tango zeigt dieses Prinzip eindrücklich. Er lebt davon, dass zwei Menschen aufeinander eingestimmt sind. Nur weil sie miteinander in Berührung sind, können sie tanzen. Doch selbst mit uns selbst in Kontakt zu sein, fällt oft schwer: den eigenen Körper zu spüren, die eigenen Gefühle wahrzunehmen, den Boden unter den Füßen überhaupt zu bemerken.
Viele Bereiche unseres Lebens funktionieren längst kontaktlos: Essen, das wir herunterschlingen, Lernstoff, den wir nicht wirklich „verkosten“, Beziehungen, die über glatte Smartphone-Oberflächen simuliert werden. Trotz unzähliger digitaler Kontakte fühlen sich besonders junge Menschen zunehmend einsam. Idealisierte Selbstdarstellungen erzeugen Minderwertigkeitsgefühle – und Anonymität erleichtert verletzende Kommentare.
Echter Kontakt ist herausfordernd, gerade in stressigen Momenten. Doch kleine Gesten – ein freundlicher Blick, echtes Zuhören – können unsere Welt verändern. Jesus, so beschreibt es Karl-Heinz Lehner, stellte Menschen wieder in echten Kontakt: mit sich, mit anderen, mit dem Himmel.
Jeder neue Tag lädt dazu ein, zu üben, was uns verbindet: Berührung, Aufmerksamkeit – und ein wenig Tango zwischen Himmel und Erde.
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