Der Michel
11.05.2026
James Krüss: Klassiker mit Licht
und Schatten
Zum 100. Geburtstag zeigt eine Tagung in München neue Perspektiven auf Werk und Leben von James Krüss.
Wer kennt sie nicht: Henriette Bimmelbahn, den Jungen Timm Thaler, der sein Lachen verkauft, oder die Geschichten von den Hummerklippen? James Krüss gehört zu den großen Namen der deutschen Kinder- und Jugendliteratur. Am 31. Mai wäre der Autor 100 Jahre alt geworden.
Doch Krüss war weit mehr als ein Kinderbuchautor. Er schrieb Romane, Hörspiele und Gedichte, übersetzte, malte, reiste und führte Tagebuch. Sein Werk ist umfangreich, vielfach ausgezeichnet – und dennoch längst nicht vollständig erforscht.
Eine Tagung am 3. und 4. Juli 2026 in München will genau das ändern. An der LMU München und in der Internationalen Jugendbibliothek auf Schloss Blutenburg fragen Forscherinnen und Forscher: Was bleibt von James Krüss – und was wurde bisher übersehen?
Im Mittelpunkt steht auch seine Herkunft. Krüss wurde 1926 auf Helgoland geboren. Die Insel, das Meer, die friesische Sprache und das Leben zwischen Abgeschlossenheit und Weite prägten sein Denken tief. Für ihn waren Inseln und Geschichten verwandt: überschaubar, kreisförmig, mit Anfang, Mitte und Ende.
Gleichzeitig rückt die Forschung heute stärker die schwierigen Seiten seiner Biografie in den Blick. Krüss wuchs im Nationalsozialismus auf, passte sich an, trat in die NSDAP ein und meldete sich freiwillig zum Krieg. Später sprach er darüber, blieb aber oft ausweichend. Auch seine Homosexualität bedeutete in der Nachkriegszeit ein Leben unter Druck und Anpassung.
Gerade deshalb lohnt ein neuer Blick auf sein Werk. Hinter der scheinbaren Leichtigkeit stehen Fragen nach Schuld, Erinnerung, Sprache, Humanität und Trost. Erzählen erscheint bei Krüss oft als Rettung: Geschichten bringen Ordnung in eine beschädigte Welt.
Die Münchner Tagung verbindet Wissenschaft, Theater, Performance und Ausstellung. Sie will James Krüss nicht vom Sockel stoßen, sondern genauer verstehen: als Autor voller Fantasie, Widersprüche und bleibender literarischer Kraft.
Bild Startseite: IMAGO / teutopress
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