Demokratie im Osten neu denken
Ostdeutschland als Brennglas der Demokratie: Simon Strauß über Nähe, AfD und die politische Kraft der Kleinstadt.
Im Podcast „Der Michel“ spricht Simon Strauß über sein neues Buch „In der Nähe. Vom politischen Wert einer ostdeutschen Sehnsucht“. Ausgangspunkt des Buches ist Prenzlau in der Uckermark, Strauß’ Heimatstadt. Anhand dieser Kleinstadt beschreibt er Ostdeutschland als ein politisches Brennglas: Hier zeigen sich Konflikte um Migration, Demokratie, Beteiligung und Vertrauen besonders deutlich. Strauß berichtet von monatelangen Aufenthalten vor Ort, von Kreistagssitzungen, Gesprächen mit Bürgern, Geflüchteten, Kommunalpolitikern und Ehrenamtlichen.
Zentral ist sein Begriff der Nähe: Demokratie funktioniere nicht aus Distanz, sondern durch physische Präsenz, Begegnung und Aushandlung. AfD-Wähler, so Strauß, seien oft nicht ideologisch überzeugt, sondern handelten aus Frust, Kränkung und dem Gefühl mangelnder Anerkennung. Politische Antworten müssten daher nicht nur sachlich, sondern auch emotional sein.
Das Buch plädiert für Kleinstädte als Lernorte der Demokratie, für Streitkultur, bürgerschaftliches Engagement und „dritte Orte“ wie Bibliotheken, Kultureinrichtungen oder Kirchen. Strauß warnt vor einem „gesättigten westdeutschen Bewusstsein“ und wirbt für mehr Leidenschaft, Verantwortung und Stolz auf die demokratischen Errungenschaften Deutschlands.
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