Himmlisches Wiedersehen

Band 90
Von Ludwig I. zum Blauen Reiter
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Bayern im Buch-Rezension
Kunstwerke als Spiegelbild des unruhigen 19. Jh.
Dieser von Christoph Kürzeder, Steffen Mensch und Carmen Roll konzipierte Begleitband zur Ausstellung „Himmlisches Wiedersehen – Von Ludwig I. zum Blauen Reiter“ (Diözesanmuseum Freising, 17.03 – 26.07.2026) ist weitaus mehr als ein Katalog einzelner Kunstwerke, denn jedes der chronologisch aufeinander folgenden 12 Kapitel – fundiert, anschaulich und gut verständlich dargelegt – greift einen der umgesetzten bzw. sich neu entwickelnden künstlerischen Ausdrucksformen des 19. Jh. auf, das von „religiöser, politischer und kultureller Selbstvergewisserung“ geprägt war. Die nach Napoleon einsetzende politische Neuordnung Europas, vor allem die Nachwirkungen der Säkularisation, in der die materielle Situation und Stellung der Kirche vernichtet und jegliches religiöse Brauchtum verboten worden war, hinterließ bei den Menschen große Unsicherheit, Glaubenszweifel, Angst vor modernen Entwicklungen, aber auch starres Festhalten an der Vergangenheit, besonders in kirchlichen Kreisen. Und gerade hier bietet die Ausstellung einen tiefen Einblick in die Umbrüche dieser Zeit, indem sie z.B. Fragen aufwirft, inwiefern sich die christliche Bildsprache wandelte, von wem diese Veränderungen ausgingen, welche Entwicklungen angestoßen wurden oder welche künstlerischen Auseinandersetzungen die Folge waren. Eine bedeutende Rolle kommt hier König Ludwig I. zu, der sich – überzeugt von „der Vision eines erneuerten christlichen Königtums“ sowie von der identitätsstiftenden Funktion von Kirche, religiösem Brauchtum und Kunst – das Ziel setzte, mit zahlreichen Bauten und Einrichtungen – Wiederbelebung bzw. Neugründung von Klöstern, Errichtung von Kirchen, Museen, wissenschaftlichen und künstlerischen Institutionen - „Kunst, Glaube und staatliche Ordnung in eine harmonische Einheit“ zu bringen. Wandten sich Ludwig und seine bevorzugten Künstler (z.B. Klenze, Gärtner, von Cornelius) der Vergangenheit zu (Romanik, Gotik), zeigen die nachfolgenden Generationen (z.B. Spitzweg, Schwind, Uhde, von Stuck) in ihren Interpretationen biblischer Szenen eine Abkehr von göttlicher Erhabenheit, ehe Kandinsky, Marc und Münter in ihren Werken die Suche nach Spiritualität und religiöser Erneuerung hervorheben. - Sehr empfehlenswert, nicht nur für Ausstellungsbesucher!
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Artikelbeschreibung

Die Ausstellung spannt den Bogen über ein Jahrhundert religiöser, politischer und kultureller Umbrüche. Mit Ludwig I. trat 1825 ein Monarch sein Amt an, der sein Handeln von der Idee des Gottesgnadentums ableitete. In ihm verband sich die Vision eines erneuerten christlichen Königtums mit einer tiefgreifenden Umgestaltung Münchens. Hundert Jahre später, 1925, setzte das von Pius XI. eingeführte Christkönigsfest einen bewussten Kontrapunkt. Es formulierte eine neue Herrschaft als geistige und moralische Ordnung jenseits nationaler Grenzen. Dazwischen spiegeln sich in rascher Folge abwechselnde künstlerische Strömungen von der Akademiemalerei über den Historismus und Naturalismus bis zum Blauen Reiter und den Bewegungen der Münchener Sezession die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen. Sie vereint jedoch die Suche nach einer neuen Wahrheit in der Kunst.

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