"Ehem. jüdischer Besitz"

Erwerbungen des Münchner Stadtmuseums im Nationalsozialismus
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Bayern im Buch-Rezension
Erforschung von Sammlungsbeständen aus der NS-Zeit.
Dieser Katalog zur gleichnamigen Ausstellung beleuchtet die Geschichte des Museums, v.a. seine Ausrichtung während der NS-Zeit und die damit verbundenen "Erwerbungen" zahlreicher Kunstgegenstände. In wissenschaftlich fundiert erarbeiteten Beiträgen gewinnt der Leser erkenntnisreiche Einblicke u.a. in die Münchner Kulturpolitik, die - der Idealisierung der Stadt als "geheiligter Boden" verpflichtet - mit publikumswirksamen Veranstaltungen und Attraktionen dem Ausland ein großartiges Bild von Deutschland vorgaukelte, in die rücksichtslose, staatlich erzwungene Schließung und Enteignung jüdischer Kunst- und Antiquitätenhandlungen (z.B. Lämmle, Bernheimer) sowie in die systematische Zwangsarisierung und Verdrängung jüdischer Unternehmen aus dem städtischen Wirtschaftsleben (z.B. Kaufhaus Uhlfelder, Hutgeschäft Rothschild). Am Schicksal der jüdischen Künstlerin Maria Luiko, deren grafische Arbeiten, Marionetten und Figurenfragmente im Besitz des Stadtmuseums sind, lässt sich erkennen, dass oftmals die Suche nach evtl. vorhandenen Erben ins Leere läuft. Aus diesen in großem Umfang durchgeführten Beschlagnahmungen und Enteignungen profitierte - zwar in geringerem Maße als z.B. das Nationalmuseum - auch das Stadtmuseum (1933-1945: Erwerbung von 20.177 Objekten). Durch die hier vorgestellten Ergebnisse der Provenienzforschung wird deutlich, wie wichtig es für Museen ist, die Rechtmäßigkeit ihrer Erwerbungen zu überprüfen. - Sehr zu empfehlen!
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Artikelbeschreibung

Das Münchner Stadtmuseum stellt sich seiner historischen Verantwortung und veröffentlicht die Ergebnisse der Provenienzforschung zu den Kunstwerken seiner Sammlungen. Anhand von Kunstgegenständen aus unterschiedlichen Bereichen wie Gemälde, Mode, Möbel bis hin zu Musikinstrumenten und Marionetten wird das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Raubaktionen greifbar.

Weit über die Erwerbungsgeschichte des Münchner Stadtmuseums hinaus werden die Mechanismen des Kunsthandels während der nationalsozialistischen Diktatur sichtbar, mit einem organisierten Netzwerk städtischer Entscheidungsträger und dem Zusammenwirken der verschiedenen, an der systematischen Verfolgungspolitik beteiligten Institutionen in München und auf nationaler Ebene. Der Band stellt zudem die jüdischen Kunsthändler und -sammler erstmals vor, die als Mäzene bedeutend für das kulturelle Leben Münchens waren. Ihr Schicksal und das der anderen Verfolgten des NS-Regimes wird bis hin zu den Wiedergutmachungsverfahren nach dem Zweiten Weltkrieg nachgezeichnet.

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Personeninformation

Vanessa-Maria Voigt; freie Kunsthistorikerin; Mitglied des Arbeitskreises Provenienzforschung; Forschungsstipendiatin des Sprengel Museums Hannover für die Aufarbeitung der Sammlungsgeschichte und für die Provenienzforschung; Publikationen und Vorträge.

Pressestimmen

»Ein fundierter Katalog.«
Süddeutsche Zeitung

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