Hannah Arendt

Ein Leben | Platz 1 der Sachbuch-Bestenliste Die Welt, radio3 RBB, NZZ, ORF
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Buchprofile - Rezension
Über das Leben, die Beziehungen und Gedankenwelt der Intellektuellen Hannah Arendt in einem Jahrhundert der Wirren und Umbrüche.
Die Biografie der Philosophin Hannah Arendt des renommierten Journalisten Willi Winkler, der nach Stationen bei der ZEIT und dem Spiegel seit vielen Jahren für die Süddeutsche Zeitung schreibt, beeindruckt allein durch ihren Umfang von rund 500 Seiten. Der Autor zeichnet ein Lebensbild der jüdischen Philosophin, indem er die Quellen im Hinblick auf ihre persönlichen und geistigen Beziehungen im Kreis der zeitgenössischen Intellektuellen akribisch aufspürt und auswertet. So erfährt der Lesende etwas über die ideologischen Auseinandersetzungen des 20. Jh. in den Ausnahmezeiten totalitärer Systeme und den langen Weg zu einem demokratischen Denken. Winkler arbeitet dabei die in der Person Arendts liegenden Widersprüche heraus, aber auch ihre Bedeutung für die USA und Deutschland als jüdische Intellektuelle, die aus der Distanz der erzwungenen Emigration in die USA dem Nachkriegsdeutschland den Spiegel vorhält. Als eine der wenigen bekannten intellektuellen Frauen, begabt mit einem sehr scharfen Verstand, scheute sie keine Konfrontation und nutzte klug die mediale Öffentlichkeit. Winkler benennt in der Biografie aber auch Widersprüche, z.B. dass sie sich nicht für die soziale Frage interessierte (vgl. S. 206) oder aufgrund ihrer Freiheitsvorstellung in Bezug auf die Gesellschaft kein Verständnis für die Abschaffung der Diskriminierung hatte (vgl. S. 204). Auch nicht in das Bild der kritischen Intellektuellen will passen, dass sie aufgrund ihrer persönlichen Beziehung zu Heidegger seine Fürsprecherin blieb, trotz seiner nationalsozialistischen Vergangenheit. Das Buch ist wegen der vielen Bezüge zu Personen oder die Zeitgeschichte anspruchsvoll. Empfohlen ist es deshalb nur für sehr große Bestände und für Interessierte mit ausgeprägtem philosophischem oder historischem Vorwissen. Das 53 Seiten starke Verzeichnis mit Anmerkungen, das Namensregister und die Zeittafel können eine Unterstützung sein.
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Susanne Steufmehl empfiehlt:

Vor 50 Jahren starb Hannah Arendt, eine der bedeutendsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts, deren Engagement gegen Totalitarismus und für Freiheit und Gleichheit bis heute nichts von seiner Bedeutung verloren hat. Willi Winkler nimmt die Lesenden mit auf eine faszinierende Reise durch das Leben und Denken der jüdischen Intellektuellen, er erzählt nicht nur von Arendts Flucht vor den Nationalsozialisten und ihrem Leben im Exil, sondern auch von ihren mutigen Ideen über Freiheit, Verantwortung und Macht. Prägnant und klar macht Winkler Arendts Denken zugänglich und zeigt, warum ihre Ideen über Freiheit, Macht und Verantwortung bis heute aktuell sind. Ein inspirierendes Werk für alle, die sich für Philosophie, Geschichte und politische Theorie interessieren.

Susanne Steufmehl, Medienberaterin Belletristik und Sachbuch

Artikelbeschreibung

Ein packendes Lebens- und Epochenporträt zum 50. Todestag

Hannah Arendt hat die ganze Geschichte des 20. Jahrhunderts am eigenen Leib erlebt. Als Tochter aus einem großbürgerlichen Haus wächst sie in der Kant-Stadt Königsberg auf, studiert an der Universität Marburg, jenem Ort, an dem sich die geistige Produktivität der zwanziger Jahre auf einzigartige Weise verdichtet, und verliebt sich dort in den charismatischen Philosophen Martin Heidegger. Hitlers Machtergreifung treibt sie ins Exil, sie wird in Frankreich interniert, entkommt nach New York, wo sie wieder ganz von vorn anfängt. Sie entwickelt sich zu einer politischen Theoretikerin, die englisch schreibt, weiter deutsch denkt und sich dabei immer als Jüdin versteht. Mit ihrem Bericht vom Eichmann-Prozess erregt sie weltweit Aufsehen.
Anschaulich und packend erzählt Willi Winkler das Leben Hannah Arendts als die Geschichte einer Frau voller Widersprüche, einer Frau, die sich nach Verfolgung und Vertreibung in Amerika eine neue Identität aufbaut, mit ihrem messerscharfen Verstand alle Männer ihrer Umgebung überstrahlt, dabei aber immer das «Mädchen aus der Fremde» bleibt, als das sie sich selbst bezeichnet. - Die faszinierende Biographie einer der populärsten intellektuellen Ikonen und brillanten Beobachterin ihrer Zeit.

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Personeninformation

Willi Winkler, geboren 1957, war Redakteur der «Zeit», Kulturchef beim «Spiegel» und schreibt seit vielen Jahren für die «Süddeutsche Zeitung». Er ist Autor zahlreicher hochgelobter Bücher. Sonia Mikich sagte über ihn: «Solch unverbrauchte Gedanken in schöner Sprachmacht sind selten geworden.» Zuletzt erschien «Kissinger & Unseld. Die Freundschaft zweier Überlebender», über das die «Welt» schrieb: «Ein brillant erzähltes Doppelporträt zweier der interessantesten Denker und Macher des 20. Jahrhunderts.» Willi Winkler wurde mehrfach für sein Schreiben ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ben-Witter-Preis, dem Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus und dem Michael-Althen-Preis.

Pressestimmen

Willi Winkler gelingt eine überwältigend spannende Biografie der großen Philosophin. Harald Loch Aachener Zeitung
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