Das weiße Blatt Papier

Roman
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Buchprofile - Rezension
Darstellung des Scheiterns menschlicher Beziehungen zwischen den 50‘er und 70’er Jahren der BRD.
Roehler komponiert das Obdachlosenleben auf dem Frankfurter Bahnhof, beschreibt, wie der Protagonist dort durch die Apathie der Gemeinschaft gelandet ist, und die grausame Reflexion über das Zusammenleben mit den Eltern, der restlichen Familie, und welche Konsequenzen die mitgefühlslose Vernachlässigung und Verachtung der Mitmenschen für Menschen bedeuten kann. Literaten wie Heidegger, Julien Green und deren Figuren begleiten die überstresste, und drogeninjizierte Wahrnehmung und Kritik an der BDR-Beziehungsgestaltung dieser Jahrzehnte. Im Buch scheinen Schriftsteller und ihre Werke die einzige Brücke zwischen triebhaftem Wahn und Realität zu bieten. Der bizarre Wahn erinnert an E.T. Hoffmanns Sandmann, nihilistisch-sexualisiert und in krassem Ausdruck. Es ist keine leichte Lektüre, keine friedvolle Handlung. Das Buch mahnt zur Wachheit und genauer Beobachtung des inneren wie äußeren Geschehens. Es ist ein kaltes, wut- und kummerdurchtränktes Buch in sprachlich hochreflektierter Form. Der Protagonist ist von seinen Bezugspersonen im Stich gelassen worden, also versucht er, sich dem Leben selbst zu verweigern. Die wortgewandt verpackten Tragödien erzeugen eine makabere Dissonanz, weshalb das krasse Werk mit Atem- und Gedankenpausen gelesen werden sollte von urteilssicheren Leserinnen und Lesern, die sich auch von der Überpräsenz an sexueller Triebhaftigkeit nicht abschrecken lassen.
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Artikelbeschreibung

Die Geschichte der radikalen Abkehr eines jungen Menschen von den Normen und Lebenslügen der bürgerlichen Gesellschaft

Am Frankfurter Bahnhof biwakiert ein junger Mann. Bepackt mit einer Blechtasse, einem Tauchsieder und Heideggers Sein und Zeit ist er aus dem Internat abgehauen, in das ihn seine Großeltern gesteckt haben, nachdem seine Mutter sich umgebracht und sein Vater sich als erziehungsunfähig erwiesen hat. Fortan ist er gezwungen, in dem emotionalen Ruin zu leben, in den seine Familie ihn getrieben hat. In seiner jugendlichen Hybris meint er, sich der Gesellschaft radikal verweigern und dem Leben als reiner Ästhet begegnen zu können, jenseits von Gut und Böse. Er ist ein Kinogänger, ein Leser, ein Schreibender, er ist ein Getriebener und Triebhafter, ein von seiner Fantasie Gequälter. Vielleicht ist er der letzte Mensch, der in der bundesrepublikanischen Gegenwart der Siebzigerjahre nach etwas sucht, das die Wirklichkeit übersteigt.

Das weiße Blatt Papier ist die Beschreibung eines Versuchs, den Wahnsinn aus dem eigenen Kopf zu exorzieren. Es ist ein Blick in den Abgrund, sowohl in den metaphysischen als auch in den gesellschaftlichen und familiären. Ein unversöhnlicher Roman voller makabrem schwarzem Humor. 

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Personeninformation

Oskar Roehler, geboren 1959, ist Schriftsteller und Regisseur. Seine Romane erscheinen seit 2011 bei Ullstein. Oskar Roehler ist verheiratet und lebt in Berlin.

Pressestimmen

« (...) der möglicherweise beste deutsche Schriftsteller unserer Tage und Jahre lebt und arbeitet noch.» Maxim Biller Die Zeit 20260909
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