Sepp

Mein Leben auf Halbdistanz | Eine intellektuelle Autobiographie | Begegnungen mit Stars der Geisteswissenschaften und weltbekannten Sportlern
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Buchprofile - Rezension
Fröhliche Wissenschaft: Hans Ulrich Gumbrecht erzählt besonnt, aber auch besonnen von einer faszinierenden Wissenschaftskarriere auf Halbdistanz.
Autobiographien von Germanisten sind immer etwas tricky, weil sich der, der da aus seinem Leben erzählt, der Narrative bedient, über die er selbst geforscht hat. Wahrscheinlich kann man mit diesem geringen methodischen und sachlichen Abstand zur eigenen Lebens-Erzählung erklären, warum so viele Bücher dieser Subgattung so selbstverliebt geschrieben sind. Auch Hans Ulrich Gumbrecht beschreibt durchaus selbstgefällig, wie es ist, als Stanford-Professor, Kulturwissenschaftler, F.A.Z.-Blogger und Vortragsredner in der Sonne zu stehen. Aber er geht dabei besonnen vor. Schon der Titel seiner Lebensbilanz signalisiert Humor und selbstkritische Vernunft. „Sepp“ ist als Rufname aus der Würzburger Kindheit hängengeblieben, die Gumbrecht, 1947 in einem Arzthaushalt geboren, als glücklich erinnert. Er spielte mit Handpuppen, begeistert sich, bis heute, für Fußball, er schrieb surrealistisch aufgeputzte Gedichte und gewann als Gymnasiast beim Prix Strasbourg mit einem 32-seitigen Essay über „Jean-Paul Satre et le Marxisme“ einen Trostpreis. Mit einem Stipendium der bayerischen Hochbegabtenstiftung Maximileaneum – und einem gelben VW Karmann-Ghia – startete er 1967 in München das Studium der Germanistik und der Romanistik, besuchte die Regensburger Vorlesungen von Joseph Ratzinger, promovierte nach eigenen Worten „fleißig“, habilitierte sich „schwerfällig“ und hatte Lehrstühle in Bochum und Siegen inne. Dort, wie auch in den 1990er Jahren in Dubrovnik und später in Stanford, rief er legendäre Gesprächsrunden ins Leben. Die intellektuelle Weltelite folgte dem Ruf des Impresarios, von Jürgen Habermas über Christo und Derrida bis zu Pina Bausch und dem seinerzeitigen Schachweltmeister Kasparov. Was das Buch auch für Nichtgermanisten lesenswert macht, sind Gumbrechts heitere Erzählungen von berühmten Persönlichkeiten. Um in Siegen einmal ein außergewöhnliches Vortragshonorar für den ‚Erfinder‘ der Postmoderne Jean-François Lyotard (damals 5.000 Mark) einzuholen, wurden Eintrittskarten für 50 Mark verkauft. Der MSB-Spartakus hatte aus Protest eigene Fünfzig-Mark-Scheine mit einem Porträtfoto Lyotards gedruckt und verlangte damit Eintritt. Lyotard, berichtet Gumbrecht, „erkundigte sich in passablem Deutsch, ob er für echte fünfzig Mark ein Exemplar des falschen Scheins kaufen könne“. Im Wechsel von Innen- und Außensicht dokumentiert Hans Ulrich Gumbrechts Buch eine faszinierende Wissenschaftlerkarriere auf Halbdistanz zu sich selbst und seinem Fach.
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Artikelbeschreibung

Weder für das Lesen noch für das Schreiben habe er eine Leidenschaft, behauptet Hans Ulrich Gumbrecht, und doch gehört er zu den bedeutendsten und produktivsten Geisteswissenschaftlern der Gegenwart. In ironischer Halbdistanz blickt der emeritierte Stanford-Professor auf mehr als ein halbes Jahrhundert Lebensgeschichte zurück. Alles beginnt 1948 im zerbombten Würzburg, aber schon bald lockt ihn sein Ehrgeiz auf eine atemberaubende Reise rund um den Globus. Am berühmten Lycée Henri IV eifert er im Paris der 1960er Jahre dem Habitus französischer Intellektueller nach, in Salamanca beginnt er zu schreiben, an der Copacabana spürt er die Präsenz der Vergangenheit und im Silicon Valley erlebt er die Geburt einer neuen Form des Denkens.

Mit charmanter Unbescheidenheit und in strahlender Intensität beschwört Gumbrecht Szenen für die Ewigkeit herauf: einen Sündenfall vor der Erstkommunion, Lunch mit Michel Foucault, drei Sätze mit Neymar, eine Gefängnisnacht in San José und einen Puma im Schnee der Anden. So entsteht das Bild eines Intellektuellenlebens, dessen Kraft sich am Ende nicht in abstrakten Urteilen verdichtet, sondern in einem Namen, der diesseits und jenseits des Atlantiks leicht über die Lippen geht: Sepp.

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Personeninformation

Hans Ulrich Gumbrecht, geboren 1948, ist emeritierter Albert Guérard Professor in Literature an der Stanford University, Distinguished Professor of Romance Literatures an der Hebrew University, Jerusalem, und Distinguished Professor Emeritus an der Universität Bonn. Er ist Mitglied der American Academy of Arts and Sciences und erhielt für sein Werk zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Kulturpreis der Stadt Würzburg.

Pressestimmen

»... gelebte Geistesgeschichte auf 500 Seiten.« Marc Tribelhorn Neue Zürcher Zeitung 20260319
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