
Artikelbeschreibung
Rudolf Borchardt (1877-1945) war studierter Klassischer Philologe und blieb sein ganzes Leben hindurch der Antike zugewandt. Was ihn aber an die Antike band, war vor allem die Dichtung. Der Ursprung der Dichtung, ihr Sitz im Leben und ihr Sinn bestimmen ihre Form und begründen ihren Charakter, Geschichte zu sein. Die Pointe des Buchs ist also: Die Antike lehrte Borchardt, was Poesie sei, und die Poesie wurde ihm zu Geschichte. Die behandelten Arbeiten reichen von der Übersetzung einer Ode der frühgriechischen Dichterin Sappho durch den Gymnasiasten 1894 bis zu seiner großen Homerabhandlung, deren Abschluss sein Tod am 10. Januar 1945 zuvorkam. Der Verfasser Ernst A. Schmidt, auch seinerseits Altphilologe, widmet sich den Übersetzungen, Erklärungen und Deutungen antiker Werke und auch vier eigenen Dichtungen Borchardts (Bacchische Epiphanie, Der ruhende Herakles, Klage der Daphne, Jamben). Die einführenden Kapitel (zu Dichtungsverständnis und hermeneutischen Prinzipien) und die Untersuchungen zu Vergil und Horaz sowie zur Homerarbeit bilden Schwerpunkte im Buch, dessen Darstellung auch philologische Kritik an Borchardt und Auseinandersetzung mit anderen Forschungsauffassungen enthält.
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