Caféhäuser in München

Geschichte(n) aus drei Jahrhunderten

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Bayern im Buch-Rezension

Unterhaltsame Geschichte der Kaffeelokale in der bayerischen Landeshauptstadt.
Die Autorin taucht mit diesem ebenso faktenreichen wie mit vielen Anekdoten gewürzten Bändchen tief in die Geschichte der Münchner Kaffeesieder und der Kaffeehauskultur ein. Henriette Adelaide von Savoyen beispielsweise wollte bei der Hochzeit mit Kurfürst Ferdinand Maria im Jahre 1652 auf ihren schwarzen Trunk nicht verzichten, weshalb sie einen Kaffeeröster aus Turin für die wittelsbachische Hofküche mitbrachte. Der Adel und zunehmend auch das Bürgertum fanden alsbald Geschmack am Extrakt der gerösteten Kaffeebohnen. Das Caféhaus als Salon der „gehobenen Stände“ und als Treffpunkt von Kunst- und Kulturschaffenden, aber auch als Nachrichtenbörse für Klatsch und Tratsch kam am Ende des 18. Jh. in Mode, bis der Schokolateur Luigi Tambosi im Jahre 1810 das nach ihm benannte Café am Hofgarten zum Mittelpunkt der damaligen Münchner Prominenz und der illustren Gäste aus aller Welt schuf. Dazu kamen um 1900 zahlreiche Schwabinger Cafés, in denen die Bohemiens und Literaten, die Philosophen und Revoluzzer diskutierten, wie die Welt verbessert werden könne oder gar vor dem Untergang zu retten sei. Und neben manchen Varietétheatern und Konzertcafés mit buntem Unterhaltungsprogramm stieg das 1888 eröffnete Café Luitpold mit 20 luxuriösen, mit Gemälden, Skulpturen, Brunnen, Spiegeln, Marmorsäulen und Billardtischen ausgestatteten Sälen in den folgenden Jahrzehnten zum gesellschaftlichen Treffpunkt auf. Erfreulich, dass die Autorin nicht nur auf die noblen Caféhäuser eingeht, sondern auch die „Zwölfpfennigkaffees“, die Lokale der Arbeiter und kleinen Angesellten, erwähnt und die wenig erfreulichen Arbeitsbedingungen des weiblichen Servicepersonals zur Zeit, als „München leuchtete“ (Thomas Mann), schildert. 350 Cafés verzeichnet das aktuelle Münchner Branchenverzeichnis derzeit. – Ein hübsches, aber leider nur sehr spärlich bebildertes kulturgeschichtliches Büchlein nicht über die „Bierhochburg“, sondern über die „Kaffeestadt München“, das viele Liebhaber des anregenden schwarzen Genussmittels bestimmt erfreuen wird.

Anders als in Wien, wo man der Legende nach der Belagerung durch die Türken die Liebe zu diesem Getränk verdankt, äußern sich in München vielfältige Einflüsse und eine starke Bindung zum Süden. Ab dem späten 18. Jahrhundert wurde München auch in Sachen Kaffeegenuss zur "nördlichsten Stadt Italiens" und ist es bis heute geblieben. In der Geschichte der Münchner Cafés spiegelt sich das facettenreiche Gesellschaftsleben der Landeshauptstadt wider. Nicht zuletzt spielten die Cafés auch eine wichtige Rolle als Schauplatz weiblicher Emanzipation. Daneben bezeugen bayerisches Konfekt, Torten, Kuchen und Gebäck seit jeher die sinnliche Daseinsfreude, die man in der Isar-Metropole zu genießen weiß.

Riedl-Valder, Christine
Christine Riedl-Valder, Dr. phil., geb. 1957, arbeitet als Kulturjournalistin; zahlreiche Beiträge zur Literatur, Kunst und Geschichte Bayerns.
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