Gott funktioniert nicht

Deswegen glaube ich an ihn

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Das religiöse Buch des Monats Juni 2019

Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.

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Rechenschaft: Thomas Frings legt dar, warum, was und wie er glaubt - und dass Gott sich nicht auf den Begriff bringen lässt.
Der Titel von Thomas Frings' Buch ist auf den ersten Blick missverständlich. Doch bei näherem Hinsehen stellt man fest, dass diese Doppeldeutigkeit durchaus gewollt ist und den Nerv der Zeit trifft. Wenn man z.B. auf die Umfrage schaut, mit der das Nachrichtenmagazin Der Spiegel seine Leser*innen zu Ostern beglückte, könnte man den Titel "Gott funktioniert nicht" so verstehen, dass Gott keine überzeugende Idee ist, denn nur 55 Prozent der Befragten glauben überhaupt an (irgendeinen) Gott. Doch so meint Frings das gerade nicht. Nach "Aus, Amen - Ende?" (2017), in dem er die derzeitige pastorale Praxis scharf kritisierte, legt der ehemalige Pfarrer aus Münster jetzt dar, warum, was und wie er glaubt. Weil der Glaube an Jesus Christus in unserer Gesellschaft längst nur noch eine Option unter anderen ist, müsse er gut begründet sein, so Frings. Denn: "Wo der Glaube fragwürdig geworden ist, hilft es nicht, frühere Gewissheiten zu beschwören." Für seine Begründung hat er eine wohltuend alltagsnahe, handfeste Sprache gefunden, die Glauben und Zweifel nicht hinter frommen Worthülsen versteckt. Statt vermeintliche Gewissheiten zu referieren, erklärt er lieber, was Gott nicht ist. Zum Beispiel kein Gebetsautomat, in den man oben eine Bitte einwirft und unten wie bei einem Fahrkartenautomat eine Gebetserhörung herausbekommt. Gott funktioniert nicht - zumindest nicht so. Für Thomas Frings steht fest, dass Gott in dieser Welt wirkt, doch dieses Wirken lässt sich nicht so einfach beschreiben. "Wir können nicht erwarten, dass wir andere mit unserem Glauben oder gar Wundererzählungen logisch überzeugen", fasst er das Problem zusammen. "Zugleich müssen wir daran festhalten, dass etwas Unglaubliches Kern unseres Glaubens ist." Oder mit dem Theologen Karl Rahner gesprochen: Es geht darum, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang auszuhalten. Aber ist das nicht viel zu schwammig? An dieser und an einigen anderen Stellen wirkt der Text, als sei Frings auf halber Strecke stehen geblieben. Doch ist das nur konsequent. "Gott funktioniert nicht" heißt eben auch: Gott und sein Wirken entziehen sich dem menschlichen Wunsch nach Definition. "Gott ist nie Besitz, sondern immer ein zu Suchender, bis zum Ende des Lebens, an dem die Begegnung mit ihm auf mich wartet." Dass zum Glauben auch gehört, Nicht-Wissen auszuhalten, dass die Rede von Gott als Geheimnis nicht Denkfaulheit, sondern Einsicht in das Wesen Gottes ist, gehört (warum eigentlich?) offensichtlich nicht zum Allgemeinwissen. Thomas Frings hätte das auch noch deutlicher auf den Punkt bringen dürfen. Aber auch so verfehlt er seine Wirkung nicht und regt gerade an den Stellen, die unfertig wirken, dazu an, eine eigene Position zu suchen. Deshalb ist es ein Glück, dass Thomas Frings in seinem Buch in aller Bescheidenheit versucht, Rechenschaft von der Hoffnung zu geben, die ihn trägt - und dabei darauf verzichtet, alles genau zu wissen. Das macht es so lesenswert. (Religiöses Buch des Monats Juni)
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Tanja Huckemann
Geschäftsführerin
borro medien gmbh, Bonn
Zwei Jahre nach seinem ersten Buch "Aus, Amen, Ende?", mit dem Thomas Frings Kirche und Leser gleichermaßen wachgerüttelt hat, erscheint nun sein zweiter Titel. So radikal, wie er im ersten Buch für sich entschieden hat, in den Gegebenheiten seiner Gemeinde nicht mehr Priester sein zu wollen, so klar macht er jetzt, dass er die Ansprüche der Gesellschaft an Religion nicht annimmt. Für Thomas Frings kommt immer erst der Glaube und dann die Werte. "Die Kirche ist keine Wertevermittlungsanstalt!", sagte er mir in einem persönlichen Gespräch zu dem Thema einmal. Gerne sehe er die Werte dann gelebt, die sich aus dem Glauben ergeben. Aber das sei nicht seine ursprüngliche Mission.
"Wir müssen wieder glauben lernen und ich möchte Glaube lehren." Ein Satz von ihm, der mir im Gedächtnis geblieben ist. Und den ich als Grundstein für sein neues Buch begreife.
 
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 Das religiöse Buch des Monats

Drei Jahre nach seinem Rücktritt als Pfarrer und seinem Bestsellererfolg meldet sich Thomas Frings wieder zu Wort. Er schreibt über sein Suchen und sein Zweifeln, sein Ringen um eine Vorstellung von Gott, die herausfordert und Mut braucht. Er zeigt einen Glauben, der Gott ernst nimmt und ohne den die Kirche nicht überleben wird. Thomas Frings ist davon überzeugt, dass nur solch ein Glaube trägt und das Fundament von allem ist, was Kirche ausmacht - egal, um welche Konfession es sich handelt.

Der Priester stellt sich den Fragen, warum er glaubt, was er glaubt und wie er glaubt. "Es soll um das gehen, das jenseits von kirchlichen Strukturen und publikumswirksamen Dauerbrennern liegt. Um den, die, das oder was, das als Gott bezeichnet wird." Er beschreibt nicht die Lehre der Kirche, sondern die Entwicklung seines persönlichen Glaubens, der zwar in der Kirche stattfindet, nicht aber identisch mit ihr ist. Dabei geht er von zwei persönlichen Kernerfahrungen aus:
Als er in höchster Leb
ensgefahr schwebt, betet er nicht zu Gott. Denn an einen Gott, der so in das Leben eingreift, kann er nicht glauben - und will er auch nicht glauben. Er hat nicht gebetet, weil Gott so nicht funktioniert, weil Gott kein "Automaten-Gott" ist, sondern weiter, größer, umfassender. Doch mit dieser Feststellung lässt es Frings nicht bewenden, er will konkreter und tiefer zum Kern des Gottesglauben. Er kritisiert, dass das Gottesbild heute oft als etwas Nebensächliches gesehen wird, andere Probleme in der Kirche dringender scheinen - doch genau das Gegenteil der Fall ist. Die Krise der Kirche, ohne die anderen Probleme zu relativieren, ist zu einem großen Teil auch Krise des einzelnen Glaubenden und oft eine Krise der Gottbeziehung. Eine Beziehung, die an falschen Vorstellungen krankt, die Gott und dem Glauben die Faszination, die Lebendigkeit und Vitalität nimmt.
Diese Beziehung ist eine Beziehung, die nicht einfach vom Himmel fällt. Klingt abgedroschen und lapidar, doch was das konkre
t bedeutet, wie sehr das brennen kann, das hat Thomas Frings selbst erfahren: Trotz katholischer Prägung, trotz Ausbildung im Priesterseminar, trotz Theologiestudiums, stand er nach der Priesterweihe vor dem Nichts. Er realisierte, dass er kaum eine Beziehung zu Gott aufgebaut hatte. Er sagt ganz offen: "Die Lehre der Kirche war mir durch den Kopf gegangen, nicht aber durchs Herz, denn ich hatte mich mehr an meine Kirche gebunden, als dass ich eine Beziehung mit Gott eingegangen wäre." Er wollte Priester werden und war es nun, doch er hatte keine Vorstellung davon, was es eigentlich heißt, Priester zu sein. Drei Monate nach seiner Priesterweihe stellt er seinem geistlichen Begleiter deshalb die Frage: "Was mache ich mit dem Rest meines Lebens?" Vermeintlich am Ziel angekommen, stand er vor dem Nichts. Doch diese Erfahrung hat ihn zu einem suchenden Menschen gemacht.

Thomas Frings geht es um strukturelle Probleme in der Kirche, die Rolle des Priesters, überkommene Vorstellungen un
d falsche Bilder. Es geht ihm darum, wie man heute Glauben leben soll und wie man Menschen für das Evangelium begeistern kann. Wie soll "Neuevangelisierung" oder "Evangelisierung", die alle fordern, aussehen? Das sind für ihn die Kernpunkte der zentralen Frage, ob und wie Kirche weiter bestehen wird - und was ihr Auftrag ist. Thomas Frings erzählt all das anhand von eigenen Erfahrungen und Beispielen und spricht offen und sehr ehrlich über seinen Weg - der andere inspirieren kann und noch lange nicht am Ende ist.

"Der neue Frings schürft tiefer"
(Josef Bordat, https://jobosblog.wordpress.com)

Frings, Thomas
Thomas Frings, geb. 1960, wurde 1987 zum Priester geweiht. Von 2009 an war er Pfarrer der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster, seit 2010 Mitglied und seit 2014 Moderator des diözesanen Priesterrats. Durch seine Amtsniederlegung im Frühjahr 2016 wurde er national bekannt, sein Buch "Aus, Amen, Ende?" wurde ein Bestseller. Zwischenzeitlich wohnte er in einem Benediktinerkloster in den Niederlanden, jetzt lebt er in Köln. Aufgrund seines Buches wird er in ganz Deutschland als Redner und für Vorträge eingeladen. Thomas Frings ist Großneffe des Kölner Erzbischofs Kardinal Joseph Frings.
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