Underground Railroad

Roman. Ausgezeichnet mit dem Pulitzer Prize 2017 und dem National Book Award 2016

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Eine junge Sklavin flieht mithilfe eines geheimen Netzwerks von einer Baumwollplantage.
Cora, deren Großmutter direkt aus Afrika nach Georgia gebracht worden war, ist auf der Baumwollplantage der Randall-Brüder geboren. Ihrer Mutter Mabel ist als einziger Sklavin die Flucht von dort geglückt - ohne die junge Cora, die wie die anderen Afrikanischstämmigen in Georgia nur als Arbeits- und Zuchttier betrachtet wird und den teils sadistischen Launen ihrer Besitzer ausgeliefert ist. Als Caesar sie fragt, ob sie mit ihm fliehen wolle, zögert sie. Da ist die Angst vor der grausamen Bestrafung, wenn sie erwischt werden, und doch spürt sie mit jeder Faser "egal wohin, Hauptsache weg" (S. 84). Mit einem unterirdischen Zug gelangen die beiden ins offenere South Carolina, doch sicher sind sie auch da nicht, denn das Gesetz verlangt auch von den liberaleren Staaten die Auslieferung entlaufener Sklaven. - Aus auktorialer Perspektive wird Coras Weg durch verschiedene Staaten erzählt, unterbrochen von Kapiteln, die auf bestimmte Personen fokussieren (z.B. einem Kopfgeldjäger oder Coras Mutter). Trotzdem bleiben die Figuren wenig entwickelt, kleine Vorwegnahmen und Rücksprünge in Abschnitten lassen den Lesefluss stocken. Die Entmenschlichung und grausame Behandlung der Schwarzen lässt keinen kalt. Trotzdem entsteht wenig emotionale Nähe zur Hauptfigur Cora. Der Autor hat sich in diesem historisch-realistisch wirkenden Roman viele Freiheiten genommen: Das titelgebende Hilfsnetz, das unzähligen Sklaven zur Flucht verhalf, wird von einer symbolischen zur echten Eisenbahn, aus späteren Zeiten Verbürgtes verlegt er in die Jahre nach 1850 und extremisiert bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse. Seine Botschaft ist nicht zu übersehen: Ausbeutung und Rassismus durch die Weißen, wozu auch die Landenteignung der Ureinwohner gehört, haben die USA durch alle Zeiten tief geprägt. Dieser "weiße Nationalismus" ist bis heute spürbar und bestimmt ein Grund, weshalb der Roman medial auf großes Interesse gestoßen ist und 2017 den Pulitzerpreis erhalten hat. (Übers.: Nikolaus Stingl)

Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht - doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit? Colson Whiteheads Roman ist eine virtuose Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, schwarz zu sein in Amerika.

Colson Whitehead, geboren 1969 in New York, studierte an der Harvard University und arbeitete für die Zeitschriften Vibe, Spin und New York Newsday sowie als Fernsehkritiker für "The Village Voice".

"Wie oft war die Rede von der 'Great American Novel', die angeblich niemand mehr zu schreiben imstande sei, weil es zu kompliziert sein, Geschichte und Gegenwart in eins zu setzen und zu fiktionalisieren. 'Underground Railroad' ist nichts weniger als ein Meisterwerk, ein Roman, dessen historische Implikationen natürlich Schatten auf heute werfen." Julian Weber, Die Tageszeitung, 21.08.17

"'Underground Railroad' ist eindeutig große Literatur, die ins Jetzt hineinragt: Wer verstehen will, wie es zu Auswüchsen wie jüngst in Charlottesville kommen konnte, greife zu diesem Buch." Christoph Schröder, Frankfurter Rundschau, 21.08.17

"Ein überwältigender Roman... Die Geschichte der Sklaverei ist nicht abgeschlossen. Ihre Folgen durchziehen bis heute den amerikanischen Alltag. So muss man dieses Buch lesen, das Erzählungen, Erfahrungen und Erinnerungen aus dreieinhalb Jahrhunderten in sich aufgenommen hat und als neue, alle Spuren berührende und zusammenführende Geschichte vor uns steht,
als The Great American Novel." Verena Lueken, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 20.08.17

"Der enorme Erfolg - in seltener Einmütigkeit bei Kritikern und Publikum -, hat mit der literarischen Qualität so viel zu tun wie mit der Aktualität des Themas. In der Sklaverei von einst liegt die Wurzel des Rassismus von heute." Susanne Kippenberger, Tagesspiegel, 20.08.17

"Der Roman gehört in seiner Schonungslosigkeit zu den wichtigsten Büchern der vergangenen Jahre aus Amerika. Und zählt zugleich zu den erfolgreichsten. Will man etwas über dieses Land erfahren, die tief- und untergründigen Strömungen begreifen, muss man ihn lesen." Sandra Kegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.17

"Kritiker, Juroren und Leser sind sich ausnahmsweise mal einig. Der Siegeszug dieser literarischen Untergrundbahn wird sich auch hierzulande fortsetzen, weil Colson Whitehead ein anspruchsvolles und gleichsam leicht verständliches Manifest für die Menschlichkeit geschrieben hat." Carsten Otte, SWR2
, 11.08.17

"Dieser Roman, mit dem Pulitzer-Preis 2017 ausgezeichnet, haut einen um." Brigitte women, 09/17

"'Underground Railroad' ist die Ungeheuerlichkeit eines fantastischen Sklavenromans. ... Dieser fantastische Kniff macht die Konzentration auf einen psychologischen Realismus erst möglich, der Wut, Angst und Traumatisierung der Geflohenen genauso einbegreift wie die Panik der Jäger." Wieland Freund, Die Welt, 15.04.17

"Wer wirklich die Geschichte dieses zerrissenen Landes bis hin zu den Exzessen von Charlottesville verstehen will, muss das Buch lesen."
Sandra Kegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.17
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