Neujahr

Roman

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Spannender Roman von der Entstehung eines kindlichen Traumas und dessen Bewältigung.
Die bekannte Autorin erzählt in diesem kompakten, klug konzipierten und spannenden Roman von der Entstehung eines kindlichen Traumas und dessen Bewältigung. Henning leidet seit er denken kann unter einer massiven Angststörung. Er und seine Familie befinden sich im Urlaub auf Lanzarote. Am Neujahrsmorgen macht Henning eine Fahrradtour auf einen nahegelegenen Berg. Während der anstrengenden Fahrt rekapituliert er immer wieder sein Leben. Völlig entkräftet kommt er oben an, rastet an einem Haus, das ihm auf unerklärliche Weise bekannt vorkommt. Ein geheimnisvoller tiefer Brunnen zieht ihn magisch an. Schlagartig wird er sich eines dramatischen Erlebnisses bewusst, das hier stattgefunden hatte, als er noch ein Kind war. Er und seine Schwester Luna hatten damals zusammen mit den Eltern hier ihre Ferien verbracht. Der Vater hatte eines Tages ihre Mutter in flagranti mit dem Gärtner erwischt, und war überstürzt abgereist. Die Mutter, die ihn zur Rückkehr bewegen wollte, erlitt einen Verkehrsunfall und war tagelang bewusstlos. Henning und seine zweijährige Schwester Luna durchlebten zwei entsetzliche Tage der Einsamkeit, gequält von Hunger und Durst und voller Sorge um die verschwundenen Eltern in dem abgelegenen Gehöft. Henning, der diese Ereignisse verdrängt hatte, wird von seiner Mutter jetzt endlich aufgeklärt, die bisher losen Enden dieses fast novellenartig strikten Textes werden zusammengeführt und bislang ungeklärte Andeutungen erhalten einen Sinn. Psychologisch feinfühlig und in bekannt souveräner Manier erzählt die Autorin in diesem lesenswerten Roman.
Empfohlen von

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Susanne  Steufmehl
Buchberatung
Sankt Michaelsbund
Eigentlich ist Henning der Prototyp eines modernen Ehemannes und Vater. Neben seinem Job kümmert er sich gleichberechtigt mit seiner Frau um die Kinder. Aber er fühlt sich von den vielfältigen Anforderungen seiner Rollen überfordert und wird von Versagensängsten gequält. Trotz seiner unerklärlichen Panikattacken unternimmt er im Weihnachtsurlaub auf Lanzarote eine anstrengende, schlecht vorbereitete Radtour, auf der er sich an ein tief vergrabenes Erlebnis aus Kindertagen erinnert, das sein tief verborgenes Trauma erklären könnte. Julis Zehs neuestes Werk besticht durch die faszinierende, feinfühlige und psychologisch durchdachte Schreibkunst einer Autorin, die zu Recht als eine der besten ihrer Zunft gilt.
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Ina Winkler
Buchhändlerin
Sankt Michaelsbund
Selten habe ich einen Roman gelesen, der in der Mitte eine so überraschende und atemberaubende Wendung nimmt. Zu Beginn hat mich der Protagonist Henning - ein junger Familienvater mit Ehefrau, gesunden Kindern, gutem Job, schicker Wohnung und Weihnachtsurlaub auf Lanzarote, der offenbar in eine Lebenskrise geraten ist, sich überfordert fühlt, neuerdings an Panikattacken leidet und sein erfülltes, buntes Leben gar nicht zu wertschätzen weiß – wenig interessiert und sogar geärgert. Dennoch habe ich weitergelesen, und während ich noch mit Henning haderte, der an Neujahr eine einsame, zornige Fahrradtour zu einem Vulkan unternimmt, geschah völlig Unerwartetes. Plötzlich wird Henning mit einem Trauma seiner frühen Kindheit konfrontiert, und die Geschichte gerät nicht nur atemberaubend spannend – sondern auch zu seiner Auseinandersetzung mit der Frage, wie frei wir Menschen wirklich in der Selbstgestaltung unseres Lebens sind. Ich konnte das Buch erst nach dem letzten Satz wieder aus der Hand legen!

Lanzarote, am Neujahrsmorgen: Henning sitzt auf dem Fahrrad und will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen. Seine Ausrüstung ist miserabel, das Rad zu schwer, Proviant nicht vorhanden. Während er gegen Wind und Steigung kämpft, lässt er seine Lebenssituation Revue passsieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater - in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit Geburt seiner Tochter leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmäßig heimsuchen wie ein Dämon. Als Henning schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier in Femés. Damals hatte sich etwas Schreckliches zugetragen -
etwas so Schreckliches, dass er es bis heute verdrängt hat, weggesperrt irgendwo in den Tiefen seines Wesens. Jetzt aber stürzen die Erinnerungen auf ihn ein, und er begreift: Was seinerzeit geschah, verfolgt ihn bis heute.

Zeh, Juli
Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, studierte Jura in Passau und Leipzig. Schon ihr Debütroman "Adler und Engel" (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Ihr Gesellschaftsroman "Unterleuten" (2016) stand über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013), dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015) und dem Bruno-Kreisky-Preis (2017) sowie dem Bundesverdienstkreuz (2018).

"Mit leichter Feder kombiniert Juli Zeh eine kluge Meditation über moderne Männerrollen mit einem düsteren Buch über ein Kindheitstrauma zum Psychothriller." Denis Scheck / Der Tagesspiegel
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