Ich kann dich hören

Roman

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Musik wie Nieselregen.
Es spreizt sich, es eckt und bockt im Musikstudium von Osman Engels. Als sich sein Vater Suat, ein Konzertgeiger, die Hand bricht, versucht seine Ziehmutter, ihn in die Familiensituation miteinzubeziehen. Das gelingt herzlich schlecht, leidet Osman doch an der fehlenden Unterstützung durch den Vater. Oder auch daran, dass ihn seine Mutter als Kleinkind im Stich gelassen hat. Innerlich kräftig durchgerüttelt, findet Os ein Aufnahmegerät, das offenbar eine junge Frau während eines Irlandaufenthalts mit ihrer gehörlosen Schwester benutzt hat. Sie steht vor der Entscheidung, sich eine elektronische Hörhilfe implantieren zu lassen. Os hört die Aufzeichnungen immer wieder und macht sich ein Bild von Ella. Es kommt zur Rückgabe, doch die junge Frau schaut ihn kaum an, geht schnell weg, findet dann aber hinzugefügte Tracks übers Zuhören. Zwischenzeitlich stellt sich heraus, dass die Mutter die Familie mit zwei Kindern verließ, weil sie über eine Totgeburt nicht hinwegkam. - Der Titel umfasst alle Ebenen des Debütromans: das Hören als Grundvoraussetzung des Musikmachens, das Hören auf die eigene Familiengeschichte und das Hören als Mittel, sich eine eigene Welt - im konkreten Fall ein Jurastudium - zu erschließen. Die Autorin findet mit wenigen Worten griffige Bilder für das, was Ella wahr- und aufgenommen hat, insbesondere für die Musikszenen. Ein Buch für Musikfreunde und Liebhaber plastischer Sprachbilder.

Ein schalldichter Raum. Draußen die Großstadt. Osman Engels übt Cello. Er spielt an gegen unsichtbare Hindernisse, die irgendwo in seiner Vergangenheit liegen und denen er auf dem Fußballfeld besser ausweichen kann. In seiner Welt ersetzt Musik schon lange die Worte. Er kann selbst nicht gut zuhören, nichts festhalten, ohne Kontaktlinsen auch schlecht sehen.
Als er ein zufällig gefundenes Aufnahmegerät abhört, wird er zum Ohrenzeugen einer Beziehung, die auf ganz andere Art laut ist. Seine Mitbewohnerin Luise lernt derweil im Nebenzimmer für ihre Prüfung, manchmal rauchen sie gemeinsam am offenen Fenster, kochen Knoblauchnudeln, bringen Altglas zum Container. Sie verstehen sich, ohne sich richtig anzufassen, denn auch mit der Liebe fangen sie gerade erst an.
Als sein türkischer Vater, ebenfalls Musiker, sich das Handgelenk bricht und Tante Elide, seine Ziehmutter, nach fast zwanzig Jahren in Deutschland plötzlich nach Paris gehen will, ist Osman gezwungen, ein paar Dinge aufzuräum
en, ein paar Fragen zu stellen.
Der Roman erzählt von einem jungen Mann, dem Augen und Ohren geöffnet werden, und von einer Frau, die in der Stille lebt. Es geht um Vater-, Mutter- und Gebärdensprache und um die berührende Kraft von Musik. Ungewöhnliche Themen, eindringliche Bilder. Ein großes Talent.

Katharina Mevissen ist 1991 geboren und bei Aachen aufgewachsen. An der Universität Bremen hat sie Kulturwissenschaft und transnationale Literaturwissenschaft studiert und in Berlin eine Drehbuch-Ausbildung absolviert. Bis 2017 war sie Heinrich-Böll-Studienstipendiatin. Für ihr Romanmanuskript erhielt sie das Bremer Autorenstipendium 2016. Heute lebt und arbeitet sie als freie Autorin in Berlin, zudem leitet sie die von ihr mitgegründete gebärdensprachliche Literaturinitiative »handverlesen«.
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