Eisfuchs

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Kindheit und Jugend eines Inuit-Mädchens, erzählt mit einer Mischung aus Alltagsbrutalität und Naturmystik.
Eine Inuit-Kindheit im Norden Kanadas. Episodenhaft berichtet die Ich-Erzählerin von körperlichem Missbrauch, Alkohol- und Drogenkonsum, von den staatlichen Internaten, in denen Gewalt und Missbrauch herrschten, und wie sie aus dieser harten Realität in die überwältigende und tröstende Natur und in Traumwelten flüchtet und das Leuchten der Polarlichter oder die Schönheit und Mitleidlosigkeit des Polarfuchses bewundert, der auch das Cover schmückt. Doch bald verlässt die Erzählerin die Ebene der realen Geschehnisse und geht auf "Geistreise": Sagengestalten und Naturgeister mischen sich ins Geschehen ein. Der Animismus, der Glaube an die Beseeltheit aller Natur, ist ausgeprägt. Das Mädchen weiß: "Es gibt noch andere Wirklichkeiten, die neben unserer existieren". So erzählt sie von der Kommunikation mit einem Seehund ("er weiß alles") oder von einem Ritt auf einem Eisbären, bei dem Mensch und Tier zu einem Wesen verschmelzen. Auch bringt die junge Frau Zwillinge zur Welt, empfangen in einer schmerzhaften Nacht mit den Polarlichtern, die Böses und Gutes bewirken. Der Leser taucht in eine fremde und oft surreale Welt ein, die bestimmt wird durch die Natur und alte Mythen. Die Autorin wechselt zwischen Text mit eindringlichen Naturbeschreibungen und sexuellen Fantasien und Prosagedichten. Eine eindrucksvolle Geschichte, bestehend aus Alltagsbrutalität, Naturpoesie und Mystik. Auch der Einband ist sehr passend: blendend weiß und schwarz mit rotem Buchschnitt. Verstörende Lektüre aus dem Gastland der Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr für anspruchsvolle Leser.

Der Winter ist vorbei und damit die Zeit, die die Kinder im Haus verbringen müssen, weil es draußen bitterkalt ist, hoch im Norden Kanadas, am Rande des Eismeers. Im Frühling haben die Kinder das Städtchen in der Hand, streunen auf der Suche nach Abenteuern durch die Straßen und durch die Tundra. Nach so wilden Abenteuern, dass sie dabei sogar das Leben riskieren. Die Erwachsenen sind mit eigenen Problemen beschäftigt und können keinen Halt bieten. Im Gegenteil.
Tanya Tagaq erzählt in diesem atemberaubenden Debüt von der Kindheit und Jugend eines Mädchens in der Arktis: von einer übermächtigen Natur, von den allgegenwärtigen Füchsen, den majestätischen Polarbären und den Mythen der Inuit. Unter den furchterregenden und verzaubernden Polarlichtern verschwimmen für das Mädchen die Grenzen zwischen Mensch und Natur, Zeit und Raum, und sie begibt sich auf eine verstörend sinnliche Selbstsuche, um die Wunden zu heilen, an denen in einer sich auflösenden Gemeinschaft alle tragen.

Tagaq, Tanya
Tanya Tagaq wurde 1975 in Cambridge Bay im heutigen Nunavut, Kanada, geboren. Als Performerin, Komponistin und Sängerin wurde sie mit ihren preisgekrönten Alben »Animism« und »Retribution« international bekannt. »Eisfuchs« ist ihr belletristisches Debüt.
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