Ein Mädchen aus Papier

Traumlieder und Gedichte

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Entlaufener Romantiker mit unmoralischen Moritaten: Eine Auswahl präsentiert den nicht ganz überzeugenden Lyriker Michael Ende.
Michael Ende ist ein moderner Romantiker, der (nach der schönen Stelle bei Novalis) dem "Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein" verleiht. Dieses Rezept geht in den Romanen und Kurzgeschichten voll auf. In den Gedichten aber nur bedingt. Sie sind jetzt in dem Band "Ein Mädchen aus Papier" versammelt. Formal zieht sich Endes Lyrik auf Reim und unregelmäßigen Rhythmus zurück, die Sprache ist schlicht, die Bilder stammen aus Traum- und Wunderwelten mit losen Bezügen zur Realität. Die Botschaften sind meist sehr einfach im Stil der Neusachlichkeit eines Erich Kästner und biblisch inspiriert: die Heimat des Sprechers ist seine Phantasie, Liebe macht sichtbar und hilft gegen neue Eiszeiten, der Mensch ist ein Blatt im Wind. Lesenswert vor allem sind die Moritaten und Balladen. "Eine unmoralische Moritat" erzählt von einer Diebin und einem Panzerknacker, die sich Bonnie&Clyde-haft ineinander verlieben und unter Vorspiegelung falscher, nämlich ehrenhafter Tatsachen ein bürgerliches Leben vollbringen, ohne je von der schlimmen Vergangenheit des anderen zu erfahren. In diesem Gedicht reimt sich "Mercedes-Benz" auf "Juris-Prudenz": das hat was, und unterstreicht die unmoralische Moral, dass Lügen, auch wenn sie kurze Beine haben, weit laufen können. Empfehlenswert für größere Bestände.

Mit Michael Ende habe die "deutsch-romantische Seele" wieder einen "Dichter, Seher, Helfer, Wegweise, Sinngeber" gefunden, was von den großen deutschen Nachkriegsautoren keiner sein wollte, schrieb DER SPIEGEL. In einer zunehmend nüchternen, seelenlosen Zeit war es dieser Schriftsteller, der uns die fast verlorengegangenen Reiche des Phantastischen und der Träume zurückgewonnen hat. Michael Ende gab dem allgemeinen Unbehagen gegenüber Technokratie und Rationalismus eine Stimme. Im Sinne der Romantiker wollte er die Welt wieder mit Poesie aufladen und die wunderbare Wirklichkeit zum Leuchten bringen, die hinter den Dingen liegt. Reden, Gespräche, Vorträge und Essays wurden hier zu einem fließenden, funkelnden Text zusammengefügt. Ein ungemein lesbares und anregendes Buch, das uns einen tiefen Einblick in den Gedankenreichtum Michael Endes gibt.

»Ich war heute auf dem Trödelmarkt der Träume ...« Die Gedichte und Lieder von Michael Ende erinnern an Mascha Kaléko und Erich Kästner, erzählen jedoch mit einer ganz eigenen Stimme von den poetischen Abenteuern der Phantasie. Sie sind literarische Kleinkunst im besten Sinn, welche auf staunenswerte Weise die Herztöne aus der Innenwelt der Menschen hör- und spürbar macht. Angeregt durch die Balladenkultur Frankreichs und Italiens erfand Michael Ende mit der Leichtigkeit eines Seiltänzers und Wolkenseglers kleine Welten voller Verzauberung, zu denen jeder selbst eine Melodie finden kann.
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