Alle, außer mir

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Eine Art „literarische Psychoanalyse Italiens“.
Als eines Tages vor der Tür der römischen Lehrerin Ilaria ein junger Afrikaner sich als ihr Neffe ausgibt, beginnt für die Italienerin eine Reise in die Vergangenheit, vor der sie bewusst die Augen verschlossen hat. Nichts ist mehr, wie es war. Der sich als Partisan ausgegeben habende Vater entpuppt sich als Faschist, der im Abessinienkrieg in den 30er Jahren einen Sohn gezeugt und nie anerkannt hat. Mit Perspektivenwechsel und Zeitsprüngen erzählt Melandri die Geschichte Italiens, auch da, wo Aufarbeitung noch in den Kinderschuhen steckt. Sie tut dies an Hand der Familiengeschichte Ilarias. Mussolinikult und die Nachkriegszeit dienen als Schablone für das aktuelle Zeitgeschehen und führen vor Augen, wie wenig rechte Parolen sich ausräumen ließen. – Der Roman liest sich bisweilen spannend, hat aber auch Längen, die der Zeichnung der Protagonisten geschuldet sind, die die Autorin als Identifikationsfiguren dem Leser anbietet. Lesenswert. (Übers.: Esthere Hansen)

Kennen Sie Ihren Vater? Wissen Sie, wer er wirklich ist? Kennen Sie seine Vergangenheit? Die vierzigjährige Lehrerin Ilaria hätte diese Fragen wohl mit "ja" beantwortet, und auch ihre Angehörigen glaubte sie zu kennen - bis eines Tages ein junger Afrikaner auf dem Treppenabsatz vor ihrer Wohnung in Rom sitzt und behauptet, mit ihr verwandt zu sein. In seinem Ausweis steht: Attilio Profeti, das ist der Name ihres Vaters ... Der aber ist zu alt, um noch Auskunft zu geben.
Hier beginnt Ilarias Entdeckungsreise, von hier aus entfaltet Francesca Melandri eine schier unglaubliche Familiengeschichte über drei Generationen und ein schonungsloses Porträt der italienischen Gesellschaft. Und sie holt die bisher verdrängte italienische Kolonialgeschichte des 20. Jahrhunderts in die Literatur: die Verbindungen Italiens nach Äthiopien und Eritrea bis hin zu den gegenwärtigen politischen Konflikten verknüpft Melandri mit dem Schicksal der heutigen Geflüchteten - und stellt die Schlüsselfragen un
serer Zeit: Was bedeutet es, zufällig im "richtigen" Land geboren zu sein, und wie entstehen Nähe und das Gefühl von Zugehörigkeit?

Francesca Melandri, geboren in Rom, hat sich in Italien zunächst als Autorin von Drehbüchern wichtiger Kino- und Fernsehfilme einen Namen gemacht (u. a. »Prinzessin Fantaghirò«). Mit ihrem ersten Roman »Eva schläft« wurde sie auch einem breiten deutschsprachigen Lesepublikum bekannt. Ihr zweiter Roman »Über Meereshöhe« wurde von der italienischen Kritik als Meisterwerk gefeiert. Ihr drittes Buch »Alle, außer mir« wurde für den Premio Strega nominiert.
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