Münchens geplante Altstadt

Städtebau und Denkmalpflege ab 1944 für den Wiederaufbau
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Bayern im Buch-Rezension
Eindrucksvolle Dokumentation der Kriegszerstörungen und der gewaltigen Leistung des Wiederaufbaus.
Heutzutage ist das Ausmaß der Schäden allein an Wohn- und Geschäftshäusern, die dem Bombenhagel des 2. Weltkrieges zum Opfer fielen, kaum mehr vorstellbar. Welche schier übermenschlichen Anstrengungen es nach dem Ende der NS-Herrschaft für die damals Verantwortlichen bedeutete, den Wiederaufbau in München zu organisieren, zeigt diese Untersuchung geradezu mustergültig auf. Vor allem galt es zunächst die gewaltigen Schuttmassen der zerstörten Häuser zu beseitigen. Und trotz der katastrophalen Ernährungssituation, der gewaltigen finanziellen Probleme, der fehlenden Arbeitskräfte und Baumaterialien wurden dank umsichtiger Bau- und Denkmalschutzpolitik Pläne entwickelt, beim Wiederaufbau die gewachsenen Ensembles vor allem in der historischen Altstadt zu erhalten und somit die Stadt wieder lebenswert zu gestalten. In dieser ebenso akribisch wie kenntnisreich erarbeiteten Dokumentation legt die Autorin dar, wie aufgrund der verantwortungsvollen Planung – trotz mancher Bausünden vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren – die historisch gewachsene Struktur der ehemaligen königlich bayerischen Haupt- und Residenzstadt erhalten blieb und das Erscheinungsbild der Straßen und Plätze innerhalb des heutigen Altstadtrings mit all den wieder errichteten Baudenkmälern wieder hergestellt werden konnte. Vor allem die staunenswert große Anzahl an Fotos der “Ruinenjahre“ des zerstörten „Isar-Athen“ und all die zahlreichen historischen Karten, Graphiken, Zeichnungen und Skizzen mitsamt den Plänen zum Wiederaufbau Münchens, von denen viele hier zum ersten Mal veröffentlicht werden, lassen dieses Buch zum Standardwerk über die Kriegsschäden und das Wiedererstehen der schönen Innenstadt der „Weltstadt mit Herz“ geraten. – Für historisch Interessierte eine ungemein spannende Lektüre und ein ungemein nachdenklich stimmendes Fotobuch über Kriegszerstörungen und das Auferstehen aus Ruinen.
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Artikelbeschreibung

Altstadt im UmbauBisher war nicht bekannt, wie strukturiert und vorausschauend das Aufbaumanagement inmitten der Nackriegswirren und der rechtlichen Unsicherheiten agierte. Wiederaufbauplanungen, die bereits in der Kriegszeit entstanden und die bisher kaum bekannt waren, können im Rückblick den schnellen Beginn der Räumungs- und Aufbauarbeiten in München erklären. Die Entwürfe aus dem Stadtbauamt gehen teils sogar auf Stadtentwicklungsplanungen zurück, die der Architekt Theodor Fischer seit Ende des 19. Jahrhunderts im Münchner Stadterweiterungbüro angefertigt hatte. Im Sommer 1945, unmittebar nach Kriegsende, bemühten sich Stadtbaurat Karl Meitinger und seine Kollegen, die wichtigsten erhalten gebliebenen aber einsturzgefährdeten Fassaden der Brandruinen sichern zu lassen. Später wurden sie konstituierend für das Bild der neuen Altstadt. Der Altstadtring und die Stadttore, ebenfalls gesichert, definierten die Grenzen des Altstadtensembles, das Karl Meitinger sich zunächst als einheitlich wirkende 'Heimat'-Zone vorstellte. Hermann Leitenstorfer, der Karl Meitinger als Stadtbaurat nachfolgte, gelang es ab 1946, Meitingers Leitbild der städtischen Wiederaufbauplanung in ein offeneres, neues Gestaltungsumfeld zu überführen. Die historischen Bauten sollten weiterhin möglichst vollständig in das neue Stadtgewebe eingefügt, jedoch durch erkennbare Neubauten ergänzt werden. So wurde der Wiederaufbau auch in gestalterischer Hinsicht zu einer "Inneren Stadterweiterung". Von heute aus betrachtet, erleben wir ein sichtbar erneuertes Stadtzentrum, in dem historische Bauten und Reminiszenzen an frühere Stadträume verankert bleiben."Münchens geplante Altstadt" belegt und analysiert erstmals umfassend die städtische Aufbauplanung und das Aufbaumanagement. Der Text operiert souverän an der Schnittstelle von Architektur-, Denkmalpflege- und Stadtbaugeschichte. Er bietet ein "Missing Manual" für die bekannte Planung aus Karl Meitingers Buch: "Das neue München". Und er stellt die Münchner Planung kenntnisreich in einen weiten europäischen Zusammenhang.

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