Die zweite Haut

24,00 €
(inkl. MwSt.)
Versandkostenfrei in DE
Sofort lieferbar
Buchprofile - Rezension
Der Stoff, aus dem die Kleider unserer Herkunft sind.
Beengt sein – wir alle kennen das Gefühl, das sich in einem unpassenden Kleidungsstück einstellt, das zwickt und juckt. In ihrem autofiktionalen Buch schreibt die österreichische Autorin Sabine Scholl über die Enge des Aufwachsens in prekären Verhältnissen. Von einem Zuhause, das vom ewigen Spardiktat, Verzicht und Entbehrung geprägt ist. Und von einer Familie, in der es nicht nur am Geld und am Materiellen mangelt, sondern auch an Emotionen, Zuwendung, Intimität und Wärme. Die nach den Schnittmustern aus den Modezeitschriften selbstgenähte und von der Mutter immer wieder ausgebesserte Kleidung aus günstigen Stoffen für alle drei Kinder ist die nach außen sichtbare, schichtspezifische Hülle der Armut. Für die Tochter ist sie zugleich ein beengendes, vorgefertigtes Kostüm, das ihre soziale Rolle als Frau aus der Unterschicht festzurrt – und das einem Bildungsaufstieg durchs Lesen und Studium im Wege steht. Die eindrucksvollen Erinnerungspassagen, die berührenden Beschreibungen von Fotos aus dem Familiennachlass sowie die in den Text eingewebten Zitate oder Paraphrasen aus soziologischen Studien von Pierre Bourdieu oder Hannelore Bublitz enthüllen die Wirkmacht sozialer Unterschiede. Und erzählen von den Versuchen, die Nähte der eigenen Herkunft aufzutrennen und sich – mit dem Literaturstudium, dem künstlerischen Beruf, den Auslandsreisen – eine „zweite Haut“ zuzulegen. Eine starke, ungeschönte und doch poetische Lektüre über Klassismus, Ausgrenzung und Scham.
Weiterlesen

Artikelbeschreibung

»Über Stoffe berührten Mutters Hände mich. Ansonsten keine Umarmungen, keine Liebkosungen, sondern nur Zuschneiden, Anheften, Saumabstecken, wobei ihr Körper dem meinen nahekam.«Stoffe, Fäden, Nähen bildeten für eine ganze Generation ein wesentliches Element des Aufwachsens. So auch für die Erzählerin und ihre Brüder, die in prekären Verhältnissen in einem kleinen Dorf in Oberösterreich von ihrer Mutter geradezu eingenäht wurden. Anhand einzelner Kleidungsstücke wird ein ganzes Leben nachgezeichnet, Armut und Ausgrenzung, Scham, aber auch ein Ringen um Emanzipation der Erzählerin als Studentin, Schriftstellerin und Mutter. Sabine Scholl hat einen literarischen Zugriff auf die tiefen Wunden des Lebens gefunden, auf die Scham der Armut, auf den Mangel an mütterlicher Liebe, auf die Prägung der Herkunft, die einen ein Leben lang begleitet.»Die zweite Haut« rührt einen tief an und erinnert an die Werke von Annie Ernaux.

Produktsicherheit

Hersteller: Weissbooks
Anschrift: Winsstr. 27
DE-10405 Berlin
Kontakt: info@weissbooks.de
Mehr von Scholl, Sabine

Bewertungen

Die Bewertungen werden vor ihrer Veröffentlichung nicht auf ihre Echtheit überprüft. Sie können daher auch von Verbrauchern stammen, die die bewerteten Produkte tatsächlich gar nicht erworben/genutzt haben.