Die unsichtbare Guillotine

Das Fallbeil der Weißen Rose und seine Geschichte
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Bayern im Buch-Rezension
Die Geschichte des Fallbeils, mit dem u.a. die Mitglieder der Weißen Rose hingerichtet wurden.
Einen sehr nüchternen, sogar harten Aspekt in der Geschichte der Weißen Rose behandelt ein neues Buch des Journalisten Ulrich Trebbin. Im Zuge einer journalistischen Recherche war der Autor 2013 darauf gestoßen, dass die Guillotine, mit der Hans und Sophie Scholl und die anderen Mitglieder der Weißen Rose enthauptet worden waren, im Gegensatz zu dem verbreiteten Gerücht, man habe diese zu Kriegsende bei Straubing in der Donau versenkt, noch existiert und sich im Depot des Bayerischen Nationalmuseums befindet. Als er das Fallbeil dort anschauen kann, macht er eine erschütternde persönliche Erfahrung: "Der Anblick des realen historischen Gegenstandes hatte in seiner Unmittelbarkeit das erreicht, was ich in früheren Jahren nur bei Interviews mit Auschwitzüberlebenden wie Hugo Höllenreiner oder Max Mannheimer erfahren hatte: Er hatte Geschichte aus der Vergangenheit in meine erfahrbare Gegenwart gebracht, Gefühle in mir ausgelöst und mich noch intensiver als bislang zu einer moralischen und politischen Haltung geführt." Als Trebbin daraufhin die Existenz des historischen Hinrichtungsinstruments im Depot des Bayerischen Nationalmuseums öffentlich macht, wird vom zuständigen Bayerischen Kunst- und Wissenschaftsministerium zwar ein Runder Tisch einberufen, dann aber sehr schnell entschieden, dass die Guillotine nicht ausgestellt werden darf. In seinem Buch über das Fallbeil, mit der die Mitglieder der Weißen Rose und in der NS-Zeit noch weitere rund 1.200 Menschen zu Tode gebracht wurden, schildert der Autor nicht nur die Geschichte der Guillotine, der Henker und etlicher Opfer, sondern auch die Nachkriegsgeschichte, in der das Tötungsinstrument zunächst in Vergessenheit geriet und dann weitgehend verschwiegen wurde. Der Autor verschweigt nicht, dass es natürlich auch gute Gründe dafür gibt, die Guillotine nicht öffentlich auszustellen, argumentiert aber dafür, diesen durch ein gut ausgearbeitetes Ausstellungskonzept und historisches Begleitprogramm zu begegnen und das grauenvolle Objekt zu einem Lernort werden zu lassen. "Einen rein kognitiven Erkenntnisgewinn liefert der Anblick der Münchner Guillotine freilich nicht. Aber vielleicht kann man die Ungeheuerlichkeit der NS-Justizmorde und überhaupt den Tabubruch der Todesstrafe nur in seiner ganzen Tragweite empfinden, wenn man diesem monströsen Gegenstand gegenübersteht und seine Fantasie für die Bilder öffnet, die aus ihm entstehen: Bilder von den mindestens 1.323 Toten und von den Lebenden, die sie gewesen waren" (S. 198). In jedem Fall kann dieses Buch zu einem weiteren Nachdenken und Diskutieren über den richtigen Umgang mit Erinnerungsstücken an eine schwierige Vergangenheit.
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Artikelbeschreibung

2014 konnte Ulrich Trebbin für den BR aufdecken, dass die 1945 verschollene Guillotine von München-Stadelheim jahrzehntelang im Depot des Bayerischen Nationalmuseums vor der Öffentlichkeit verborgen worden war. Im Königreich Bayern wurden damit noch Menschen hingerichtet, die aus Habgier, Hass oder Lust gemordet hatten. Der NS-Staat benutzte sie dann, um vor allem "Volksschädlinge" und Widerstandskämpfer zu eliminieren - oftmals für Bagatelldelikte. Bei Kriegsende ließ man sie von der Bildfläche verschwinden. Und das bis heute: Denn der Freistaat Bayern hat sie mit einem Ausstellungsverbot belegt und versteckt damit immer noch einen unbequemen Teil unserer Vergangenheit vor der Öffentlichkeit. Viele kennen noch die Mitglieder der "Weißen Rose" oder den "Räuber Kneißl", doch die allermeisten der insgesamt mehr als 1.300 Opfer dieses Fallbeils sind vergessen. Dieses Buch möchte an einige von ihnen erinnern und erzählt zugleich ein verdrängtes Kapitel unserer Geschichte: das der Todesstrafe.

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Personeninformation

Ulrich Trebbin ist Journalist beim Bayerischen Rundfunk sowie Gestalt- und Traumatherapeut. Er hat zahlreiche Radiosendungen zu der Frage geschrieben, wie wir heute mit unserem nationalsozialistischen Erbe umgehen.
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