Mutternichts

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Buchprofile - Rezension
Biographischer Roman über eine schwierige Beziehung zwischen Mutter und Tochter.
In diesem Debütroman geht es der Autorin um die Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte, insbesondere des Schicksals ihrer Mutter. Dieses erkundet sie mittels Recherchen über Erinnerungen, Brocken von Erzählungen ihrer Tante, Fotos und Ortsbesichtigungen. Resultat sind Fiktionen, auch genährt aus ihrer eigenen Wahrnehmung als Heranwachsende, aber auch innerer Frieden. Die Mutter wird im April 1940 im Tiroler Alpenland geboren. Die als knochig und zupackend beschriebene Großmutter wird von dem Knecht auf dem Hof seines Bruders geehelicht. Interessant wird die Identitätssuche erst mit der Weggabe ihrer vierjährigen Tochter in die Verwandtschaft. Mit acht Jahren wird diese, ihre Mutter, als "Dirn" zu dem Hof des älteren Großonkels geschickt, dessen nervenkranker Frau sie fortan ausgeliefert ist. Sie führt ein elendes, leidvolles Leben. Aber davon gibt sie im späteren Leben nichts preis! Für die Tochter Christine bleibt die Mutter stumm, unnahbar, verschwommen und nicht ergründbar. Nach deren Tod beschäftigt sie sich mit der Aufarbeitung der Beziehung, um der eigenen Zerrissenheit abzuhelfen. - Die Sprache der Autorin ist exzellent und prosaisch. Ihr Stil zeichnet sich aus durch Sprünge von der Gegenwart in die Vergangenheit in dem eisernen Wunsch nach Aufklärung. Der biographische Roman berührt zutiefst und gewährt Einblicke in die menschliche Seele. Hauptthemen sind eine anwachsende Angst vor der Nichtexistenz, Fehlen von menschlicher Zuneigung und körperlichem und seelischem Leid; insgesamt ein zur Verdrängung führendes Schicksal. Das alles ist ihrer Mutter aufgrund der damaligen gesellschaftlichen Strukturen vermutlich widerfahren. Das Ende bleibt offen, aber spürbar sind Verständnis, Liebe und Vergebung vonseiten der Tochter. Ein wundervolles Kunstwerk, eine Bereicherung in unserem schnelllebigen Dasein!
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Artikelbeschreibung

Das Nichts war zeitlebens im Rücken der Mutter, war allumfassend und doch nie greifbar. Nach dem Tod der Mutter fragt die Tochter sich, ob sie nun endlich sehen kann, was die Mutter hinter sich verborgen und worüber sie geschwiegen hat. Ihr bleiben nur wenige Erzählungen, geflüsterte Erinnerungen, ein paar Fotos und Zeitungsausschnitte. Die Mutter hat eine Kindheit voller Härte und Kälte auf einem fremden Hof in einem Südtiroler Seitental verbracht. Sie habe Gedichte in den Schnee geschrien und gegen den Frost angesungen - das hat die Mutter immer erzählt. Dass sie es gut hatte unter den fremden Menschen, ließ sie die Tochter glauben. Doch die glaubt es nicht mehr. Wie kann sie die Geschichte der Mutter erzählen, wo beginnen, was darf sie verknüpfen? Denn erzählen muss sie endlich, bevor diese Tür sich für immer schließt. "Ich stemme einen Fuß dazwischen, klemme ihn zwischen Mutters sich auflösende Geschichte und mich." Wer also war sie? Die Erzählerin nähert sich Schritt für Schritt dem Leben der Mutter an, stets hinterfragend, ob es so gewesen sein könnte oder ob sie mittels ihrer Sprache eine bereits vorgeformte Wirklichkeit schafft, die sich mit der Wahrheit der Mutter nicht deckt. "Mutternichts" ist ein kraftvoll-poetisches Debüt. Christine Vescoli nimmt darin etwas so Altmodisches wie Gegenwärtiges neu in den Blick: die Liebesbeziehung zwischen Mutter und Tochter.

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Personeninformation

Geboren in Bozen, Studium der Deutschen Literatur und Kunstgeschichte in Wien mit einer Abschlussarbeit zu Robert Walser. Tätigkeit im Lektorat und Unterricht an Gymnasien sowie als Publizistin mit Literaturkritiken für die "Neue Südtiroler Tageszeitung". Seit 2009 Leiterin von Literatur Lana und Kuratorin der Literaturtage Lana. Begleitende Texte und Hefte der Reihe "Adligat", zuletzt "Was für Sätze. Zu Ilse Aichinger" (Hrsg. mit Theresia Prammer, Wien 2023). Sie lebt in Bozen.
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