Das Verschwinden der Landschaft

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Buchprofile - Rezension
Tiefgründige Charakterisierung menschlichen Verhaltens bei rätselhaftem Schicksalsverlauf.
Ein Mann im Rollstuhl hinterfragt zunächst erstaunt sein Schicksal, findet aber auf sich selbst gestellt keine Antworten. Er bewohnt nach einer Klinikbehandlung zur Rekonvaleszenz eine Wohnung im sechsten Stock in Ostende. Es gibt für sein Gehirn keinerlei Reize außer den immer gleichen Blick aus dem Fenster auf Meer und Strand, Möwen und Himmel. Als die Pflegerin nicht mehr kommt, ist er völlig isoliert. Sein Gehirn ist in Amnesie versunken. Als sein Blickfeld durch wachsende Betonmauern immer mehr eingeengt wird, verschließt sich sein Fenster zur Welt total, eine Metapher für langsames Sterben. Die Panikgefühle des Mannes sind nachvollziehbar, seine Situation ist ohne fremde Hilfe existenziell bedrohlich. Infolge von Verkennung von Fiktion und Realität sieht er sich körperlich und geistig zerstört. Als kafkaesken Stil könnte man das auf rätselhafte Weise Ausgeliefertsein an das Schicksal bezeichnen. Ausdruck der Bedrohung sind die Amnesie, die verständnislose, unerklärbare Reaktion der Pflegerin und Umwelt, die Größe der Betonwand, das personale Erzählverhalten ohne jegliche Außenbetrachtung sowie das Motiv der drängenden Zeit bei nahender Katastrophe und andere Beispiele mehr. Eine lesenswerte Alternative zu anderen Romanen.
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Artikelbeschreibung

Nach einer längeren Zeit im Koma kommt ein Mann zur Rekonvaleszenz in eine Wohnung nach Ostende. An einen Rollstuhl gefesselt sitzt er dort im sechsten Stock in zweiter Reihe vor dem Meer und beobachtet durch das Fenster den Strand und das Treiben umherirrender Möwen, ganz dem Lauf seiner Gedanken, Erinnerungen und Beobachtungen ausgeliefert. Er versucht, sich zu erinnern: War es ein Unfall - oder sogar ein Attentat? Gab es da nicht eine Explosion auf dem Weg zu einer Verabre- dung in einem Brüsseler Café? Vor seinem Fenster wird eine Baustelle eingerichtet: Nach und nach wächst eine dunkle Be- tonmauer, die erst seine Aussicht auf das Meer von Ostende verdeckt, dann sein Zimmer verdunkelt. Er ist gezwungen, das Verschwinden der Landschaft zu erleben.Jean-Philippe Toussaint ist ein ebenso ernster wie humorvoller, ein ironischer und tiefgründiger Schriftsteller, weltweit aner- kannt und übersetzt. Mit seinem neuesten sehr ergreifenden Text zeigt er das anhaltende Erstaunen seines Protagonisten über das, was ihm widerfahren ist, was ihm unversehens angetan wurde in einem schier unglaublichen Übergriff auf sein Leben.

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Hersteller: Frankfurter Verlagsanstalt GmbH
Anschrift: Arndtstraße 11
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Personeninformation

Jean-Philippe Toussaint, geboren 1957, ist Schriftsteller, Drehbuchautor, Regisseur und Fotograf. Der ehemalige Juniorenweltmeister im Scrabble lebt in Brüssel und auf Korsika. Sein Gesamtwerk erscheint auf Deutsch in der Frankfurter Verlagsanstalt, zumeist in der Übersetzung des Verlegers Joachim Unseld. Zuletzt erschienen seine Romane Der USB- Stick (FVA 2020) und Die Gefühle (FVA 2021).
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