Das dreizehnte Kapitel

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Buchprofile - Rezension
Ein erfolgreicher älterer Schriftsteller erlebt eine leidenschaftliche Liebe zu einer Theologieprofessorin - in Briefen.
Auf einem Staatsbankett lernt der in die Jahre gekommene Autor Basil Schlupp die Theologin Maja Schneilin kennen, deren Ehemann, ein namhafter Physiker, auf gerade jener Veranstaltung gefeiert wird. Auf den ersten Blick verliebt sich Schlupp in die kühl wirkende Theologin, die in seinen Augen unvergleichlich ist. Da sich bei dem offiziellen Anlass keine Möglichkeit für eine private Kontaktaufnahme bietet, eröffnet der von seinen Gefühlen überwältigte Autor einen Briefwechsel. Schlupp macht aus seiner Verfassung keinen Hehl, und Maja, die zunächst recht sachlich, jedoch von solch ungeschminkter Offenheit wohl berührt, antwortet, öffnet sich peu u peu. Zwischen dem so ungleichen, beiderseits verheirateten Paar entwickelt sich ein Dialog, der allmählich jede Fassade zum Bröckeln bringt und die Realität der jeweiligen Beziehung zu den Gatten und der eigenen Befindlichkeit offenlegt, wie es scheinbar nur in dieser Metawirklichkeit, die keine Berührungspunkte mit dem Lebensalltag hat, möglich ist. In ihren Briefen retten sich beide in eine Welt, die der Wirklichkeit nicht gefährlich werden kann, und beschreiben ihre tiefsten Lebenserfahrungen. In der Zeit des Briefeschreibens werden beide jedoch von ihren Partnern so existenziell berührt, dass von Schneilins Seite der Briefkontakt unwiederbringlich abgebrochen wird. - Der in glühender Leidenschaft sich ausdrückende Schlupp ist in seiner Hilflosigkeit zu bemitleiden, was vom Autor wohl eher nicht beabsichtigt ist. Die Charakterzeichnung des drängenden Mannes, der sich selbst etwas vormacht, und der reservierten weiblichen Seite, die sich langsamer und schonungsloser öffnet, ist leider zu plakativ und mit zu wenig künstlerischer Distanz geschaffen. Das Konzept des Briefromans, das den Leser mitleben und -denken lässt und bis zur letzten Seite auf hohem (etwas gewolltem) stilistischen Niveau Spannung bietet, geht voll auf. Für alle Bestände.
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Artikelbeschreibung

Die meisten leiden ohne Gewinn - so steht es im Roman Das dreizehnte Kapitel, der ebendiesen Satz widerlegen will. Mit einem Festessen im Schloss Bellevue fängt er an: Ein Mann sitzt am Tisch einer ihm unbekannten Frau und kann den Blick nicht von ihr lösen. Wenig später schreibt er ihr, und zwar so, dass sie antworten muss. Es kommt zu einem Briefwechsel, der von Mal zu Mal dringlicher, intensiver wird. Beide, der Schriftsteller und die Theologin, beteuern immer wieder, dass sie glücklich verheiratet sind. Aber sie gestehen auch, dass sie in dem, was sie einander schreiben, aus sich herausgehen können wie nirgends sonst und dass sie ihre Ehepartner verraten. Nur weil ihr Briefabenteuer so aussichtslos ist, darf es sein. An ein persönliches Treffen ist nicht zu denken. Die Buchstabenketten sind Hängebrücken über einem Abgrund namens Wirklichkeit.<BR><BR>Eines Tages teilt die Theologin mit, ihr Mann sei schwer erkrankt. Während sie auf einer Fahrradtour durch Kanadas Wildnis mit ihm noch einmal das Leben feiert, wartet der Schriftsteller auf Nachrichten. Als wieder eine eintrifft, wirft sie alles um.<BR><BR>Martin Walsers Roman über eine Liebe, die als Unmöglichkeit so tiefgründig und lebendig ist wie kaum etwas, kreist auf schwindelerregende Weise um das Wesen der menschlichen Existenz. Und führt dabei vor Augen, dass ein Lieben ohne Hoffnung auf Hoffnung das eigene Leben erst empfindbar macht. Ein bewegender, lebenskluger, ja aufregender Roman über eine Frau und einen Mann, die gerade durch die Unmöglichkeit ihrer Liebe zu einer noch nie erfahrenen Gefühlsheftigkeit gesteigert werden.

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